Vielleicht waren es geschuldete Altlasten, vielleicht die guten Kontakte zur Belegschaft, vielleicht bekam auch ein Donnie Yen es zwischenzeitlich mit den Triaden und ihrer unsauberen Geschäftspolitik incl. der gewieften Überredungskünste zu tun. Man weiß es nicht, was ihn dazu bewogen hat. In der eigentlich auch für Martial Arts Künstler stabilen Zeit um 1991 ausgerechnet die Produktionsfirma Cheung Yau heimzusuchen und dort kurz hintereinander in drei Arbeiten zu gastieren, die außer für Trashfans preiswerter Actioner so keinerlei positive Seiten abwerfen. Damals war der Massenbetrieb noch profitabel gesichert, die Distribution vor allem in die UK und die Staaten erfolgte nahezu automatisch; auch Deutschland griff sich mit Crystal Hunt [ DT: China Heat ] den nach Holy Virgin vs. the Evil Dead Mittelteil dieser unzusammenhängenden Trilogie heraus und spielte das fidele, in der besagten Reihe nichtsdestotrotz schwächste Werk bevorzugt im Nachtprogramm niederer Privatsender ab. Cheetah on Fire, der vom nahezu gleichen Team als krönender Fortsatz fabriziert wurde, könnte in der gleichen Schiene eben genau hinten dran im Anschluss laufen und würde die Zuschauer wenigstens wieder labend erwecken.
Statt bicycle-fu, einer Schnitzeljagd vieler Grünschnäbel und dem Gipfeltreffen der Erdtrolle in der Sächsischen Schweiz geht es diesmal um etwas weitaus Grösseres, dass auch mit wesentlich mehr Lärm in Szene gesetzt wird und sich allumfassend als gute, gängige, deftig-heiße Hausmannskost herausstellt. Wieder ein im wahrsten Sinne des Wortes abgrundtief schlechter, am Spartag fabrizierter, kurz vor der Stilllegung wegen Unwirtschaftlichkeit situierter Film. Aber wenigstens einer, der sympathischerweise um seine Schwächen weiß. Und zumindest so schlau ist, aus seiner gutbürgerlichen Kantine am Außenposten der Kreativität immerhin Anständiges für Zwischendurch und mit unfreiwilligem Humor als Aperitif zu zaubern. Zuweilen eine recht gewöhnungsbedürftige Anmutung, die aber zumeist eine deutliche Verbesserung der positiven Symptome und mit weniger Nebeneffekten darstellt:
Waffenhändler Tong [ Shing Fui On ] hat während seiner Tätigkeit auch einen wichtigen Computerchip gestohlen, den er über Mittelsmann Ken Fok [ Eddy Ko ] an den Meistbietenden verkaufen will. Vorher muss er allerdings aus den Fängen der Polizisten um Carrie Wu [ Carrie Ng ], Peggy [ Sharla Cheung Man ] und Edward Kwan [ Eddie Kwan ] befreit werden, die ihn in Zusammenarbeit von OCTB, CIA und Interpol dingfest gemacht haben. Als die Bande von Long Hair [ Gordon Liu ] und Hank [ Ken Lo ] auftaucht, stellt sich der geschasste special agent from secret service Ronnie [ Donnie Yen ] auf die Seite der Guten, die anfachende Verstärkung auch dringend nötig haben.
Die diversen Polizei- und Räuberaktionen werden von Beginn weg ohne weitere Erläuterung eingespeist. Eine Mordgeschichte mit Totschlagsargumenten. Beginnend mit einer abrupt eröffnenden Straßenschlacht, in der die Vigilanten aus allen Löchern eines quer stehenden Lasters gesprungen, gehangelt, geschlüpft kommen und den Verkehrsknotenpunkt in der Rush Hour mit breit dahinströmenden Feuersalven und hastig geworfenen Staubbomben eindecken. Der sonstige Explosionsradius bleibt zwar oft auf kleinerem Rahmen - [Eigenheim, Aquädukt, Wiese, Park- und Lagerhaus] - beschränkt, verzichtet dort aber ebenfalls nicht auf hohem Munitionsverbrauch; die Blei- und Schrotspritzende Schusswaffe als alleinig herrschendes Fetischmotiv. Getoppt wird diese heillose Prasserei nur mit der absichtlich verschwenderischen Vielzahl grob-rastloser Schnitte, einer fachmäßig kunstgerecht wirbelnden Kamera und beherzten Stuntmännern, die in ihrer paritätischen Mitbestimmung kurz vor der Berufung zum Kanonenfutter stehen. Die finale Aggressionsentladung als hektisch überrumpelnder Gewaltstreich, bei dessen stetigen Dauerfeuer und den allgegenwärtigen Detonationen schon einige Male Tag- und Nachtgleiche eintreten oder sich der Hintergrund der general offensive auch mal malerisch zärtlich rosa färben kann. Eine militäraffine Repräsentation ohne neumodischen Schnickschnack. Massig Tamtam ohne revolutionäre Ideen, aber mit Schmackes, Effet, Lust und Laune.
Dankend zur Kenntnis genommen wird das brachiale Ausgangstempo, der derbe Härtegrad, der Rückzug in Schlichtheit und Askese, die Entsagung ausschweifender Textbeilagen und die allgemeine Diskretion:
Schon vor dem Wegtreten aus der entfesselten Kommunikationsgesellschaft in die sumpfigen Weiten Thailands und einem anliegenden Söldnerbuschdorf wird viel Sorgfalt auf Takt, Treue, Zurückhaltung, Zuverlässigkeit zu Genre und Erwartung gelegt. Ja den Zuschauer nicht zu sehr und schon gar nicht überfordern, ihn mit rudimentären, allerhöchsten nebensächlicher und deswegen wenig weiter helfender Nullinformation und stattdessen mit folglich ablenkenden Blickfängen und seinem eigens gewollten Gusto zu versorgen. Im Detail bedeutet dies unheimlich ungeschickte Schauspielleistungen, nur auf Posen verstehende Mitarbeiter, die einem übertriebenen Comicuniversum entstammen. Nicht nur so agieren, sondern auch so reden und aussehen, was neben der steifen, wie im abgewetzten Rohzustand befindlichen Optik, den dumpfen Bässen und der umfassenden Hässlichkeit für Auge und Ohr natürlich auch die Kleidung, die Frisuren und ganz stilecht auch die englische Synchronisation einschließt.
Während Yen seine eigensinnige Platzhirsch-Mentalität bevorzugt mit halb runter gelassener und gleichzeitig an den Ärmeln aufgerollter Jacke zum Ausdruck bringt, und Gegenspieler Gordon Liu mit seinen schwarzen Locken samt Pferdeschwanz aussieht wie ein angebrannter Pumuckel, sind es noch die formschönen Babyjogger - Trainingsanzüge der Polizeieinheit, die stechend auffallen. Dialoge sind ähnlich edel, hier und da auch ein wenig kafkaesk mysteriös angelegt, oder wofür steht ?:
- "Our mission is to find that chip. That might tight us to the killers."
- "Hmmmmmm. I see you haven't forgotten thats all you brand caughten standen yet, u hebben het."
- "Yeah, i gotten proof."
Ähnlich wie auch bei den Vorgängern und den artverwandten Angel Force oder auch Golden Nightmare kommt das Beste hier erst spät zum Schluss; der Schritt aus der mehr oder minder urbanen Zivilisation in die abgeschiedene Einöde, in der sämtliche soziale Regeln beim Eintritt abgegeben werden und der Kampf um den McGuffin sowie einhergehend auch Leben und Tod erst richtig beginnen kann. Die gute Stunde vorher erfolgt nur die anbahnende Präparation; der Einklang auf spätere Geschehnisse, die in einer Art narrativem Riesenslalom erst lang und breit umkreist werden, um dann mit Schwung bergab umso schneller auf das Ziel aufzustocken. Ein Prozedere, dass beim nachhaltigen Betrachten tatsächlich an einen Flash Point ohne köstlicher Prunksucht mahnt. An dessen rückwirkend kühlen Schatten der hiesige Film und besonders auch die Donnie Yen-Rolle mit seinem disziplinlosen Groll gegen das bürokratische Monster, der folglich bornierten Holzhammermethode und der schon in die Parodie rutschenden physischen Überpräsenz zeitweise so enorm wie ein Probelauf erinnert.
Derartig ursächlich, beinahe fundamental wirkt hier vor allem der Aufbau um die verschiedenen Interessen, die Anreicherung der Konflikte mit den entsprechend violenten Konfrontationen und der Verzicht auf dem Ballast von Charakterisierung und Motivation.
Sicherlich mittlerweile auch beweiskräftig nachgewiesene Theorie, dass die neueren HK Exponate wie eben der Wilson Yip als auch Benny Chans Invisible Target oder Alexi Tans Blood Brothers viel der Anknüpfung und Einstimmung auf die 80er und anfänglichen 90er zu verdanken haben und das bekannte Material aus dem Speicherkollektor nur mit wesentlich besserer Technik, aktuell heran- oder aus dem Ruhestand gezogenen Darstellern und im besten Fall auch dem aufgefrischten Wissen um Grundkonzept und Kalkül in eben reorganisierter Sanierung erzählen. In der nichts spannender als die gekonnte Wiederholung in siebengescheiter Verblendung ist.
