Donnerstag, 11. Oktober 2007

Review: Hard Trail [ 1998 ]

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Dass auch die Schmiede Dream Movie Entertainment / Tonrock International Investment Ltd. sicherlich nicht alle tagelang die filmischen Goldnuggets aus dem Ärmel schütteln, vermerkt man an Hard Trail. Freilich lässt sich auch hierbei gut beflissener Funke und inspirierende Essenz hinter Produktion, Fabrikation und Distribution erkennen, das Pendeln an alten Traditionen entlang, die Sicherheit durch mehrere anerkannt bestätigte Mitwirkende vor und hinter der Kamera.

Dass allein dadurch noch lange kein Reißer für die nächste Generation herum kommt, dürfte klar und verständlich sein. Es geht um die seichte, eigengesetzliche, exotisch-fremde, unerforscht-fernstehende Unterhaltung fern des Einheitsbühnenbildes. Um das Wühlen, ja Suhlen im dunklen, feuchten, schwitzenden Sumpf abseits der tourismusverseuchten Blockbuster-Badestrände. Um die Essensaufnahme in der verwaisten, aber wenigstens individuellen Currybude mitten in der Einöde, statt nur die nächste Großküche anzupeilen und sich in die Schlange einzureihen. Natürlich braucht man noch zusätzlich das Hobbyfahnder-Faible für den Blick weg von den prunkend glitzernden Verlockungen, den vollmundigen Anpreisungen und den in monatelanger Werbestrategie entworfenen Überrumpelungstaktiken.

Hard Trail bietet diesen Kitzel der Attraktivität nicht, kann es auch nicht und leistet sich höchstens die kleine 08/15 Standardgeschichte voll privatem Ungemach, abgerundet mit einigen Ausflügen in die erwähnt versiffte Fast Food Stelle, einen sichtlich zerbombten Pferdestall, Hintergasse, engster Schmalspurbehausung und jeweils einer Büro- und einer Nachtclubhöhle. Bis auf die zwei Hauptdarsteller passt sich auch die äußere Erscheinung, speziell die Physiognomie der Figuren den lokalen Baracken an; außerdem tragen alle die Kleidung auf, die Michael J.Fox spätestens Ende der 80er vor Verschliss vom Leib abgeplatzt ist.
Die Handlung ist ähnlich neu:

Shenzhen, Huanggang.
Customs Officer Tang Chuen [ Chin Kar-lok ] regelt den Warenverkehr am Grenzübergang von China nach Hong Kong. Eigentlich ein rechtschaffener Mann, der nur die Einhaltung und Verteidigung der Gesetze und die bevorstehende Ehe mit Siu Fan [ Strawberry Yeung ] im Kopf hat, gerät Tang unfreiwillig in die Zwänge des Schmugglers Law Ching-yeung [ Mai Kee ] und seiner rechten Hand Wo [ Billy Ching ]. Diese erpressen Tang damit, dass er während eines Kampfes Lams jüngeren Bruder getötet hat und sie sich revanchieren, sollte er nicht wegen ihren Lieferungen ein Auge zudrücken.
Tang kommt ins Schwitzen.

Der Zuschauer nicht, dafür ist die Geschichte in seiner minimalen Vielfalt und der maximalen Einfalt zu lang gestreckt. Trotz aller finanziellen Auflagen und den Beschränkungen des damals sowohl gesättigten als auch baldig aussterbenden Marktes lässt sich ein eiserner Wille der Macher auf bestmögliche Ergebnisse immerhin registrierend schön reden, wenn nicht gleich komplett wohlwollender Betrachtung unterziehen. Nach einem gescheiten, wenn auch holprigen Start, bei dem ein blutiger Raubüberfall auf den Transport des Nationalschatzes vollzogen wird - [ = ein paar Schergen überwältigen ein paar Gepäckträger im Kulturpark, die gerade sichtlich leere Umzugskartons tragen ] - schweift die Handlung sinnigerweise erst einmal ab. Werden die großen Probleme ignoriert, so die Aufmerksamkeit auf weitere Dinge gelenkt und das Interesse durch narrative Umwege und der Herausstellung von Kontrasten statt dem geraden Gewaltmarsch erhöht. Wie der Mann vom Zoll an den Schmuggler gerät ist dabei gar nicht so ungeschickt gehandhabt, sogar mit einem kleinen zwischenzeitlichen Aha-Effekt und einem späteren Plottwist ausgestattet, die die Bonität kurzfristig verbessern. Das vielseitige Bemühen auf ein Mehr in Skript und Ausführung, in denen man gewisse Zutaten, Fähigkeiten und Entschlüsse zumindest im Vorsatz erkennen und in der beginnenden Ausführung erblühen sieht. Ist der Clou des unheilvollen Arrangements dann mal Anfang des dritten Viertels geknüpft, fehlt aber die frühherbstliche Zündung, der Druck aufs Gaspedal, das Schalten in die hochtourigen Gänge.

Gottseidank kürzt man die inneren Zweifel und überlegenden Gedankengänge von Tang Chuen auf einige ratschlagfragenden und tippgebenden Gespräche mit seiner angehenden Frau ab; auch die chinesische Bürokratie wird nicht über Maß strapaziert. Trotzdem vermisst man die Ausdrucksmöglichkeit hinter dem Geschehen, die Bedeutung und Bestimmtheit des Ganzen, die Momente von Bedrängnis und Gefahr, die Relevanz der moralisch widerstreitenden Kräfte und der beeinträchtigen Entscheidungsfreiheit. Dass sich Sachlage und Personenstatus unscheinbar schmächtig aufführen ist Eines. Dass Emphase, Energie und Intensität ähnlich pygmäenhaft kniehoch bleiben, eine andere.
Schnellere Abschnitte relativ rar, entwickeln sich aber ausdauernder und arbeiten dann gleichwohl mit der exakten Linie des gun fu Stils der 80er und 90er, sprich: Das meilenweit erkennbare Ärgernis, die pathetischen Ansprachen, das wilde Stürmen in die Deckung, die eigentlich unnötigen, hier auch etwas steif aussehenden Rollen vorwärts und seitwärts in die geeignete Schußposition, das insgesamt grobdynamische Bewegen, das wüste, ziellose Streufeuer, das gestrichene Nachladen, die deutlich auf Knopfdruck explodieren Blutpäckchen, die hohen Beinchen und fliegenden Fäuste beim infight.

Zum Teil schreiend lustig sind die typischen Logikklöpse nebenbei: Da wird so unpfleglich mit den entwendeten Dinosauriereiern umgegangen, als träge man nicht Darwins Erbe in der Sporttasche, sondern aufgepumpte Fußbälle mit sich herum. Die Polizei nimmt Telefongespräche mit einem verstaubten Tonbandgerät ähnlich dem DENON Tapedeck dr-m 11 auf und will dann noch weissmachen, dass man damit auch Hintergrundgeräusche heraus filtern kann.
Nicht nur da macht sich bemerkbar, dass mit Regisseur Heaven Yiu Tin-hung zwar dem Namen nach auch ein Fachmann für das ureigene Genre an Bord ist, dieser aber weder über die Filmographie noch das dahinter steckende Können eines Wong Jan-yeung verfügt und zackig exerzierte Action lieber mit unreifen Textpassagen zu geklautem Gary Chang Score ersetzt.

Yiu, dessen Karriere nie wirklich stagnieren konnte, da sie gar nicht richtig anfing, wurde mit der Zeit eher noch schlechter, gleichzeitig zu unbeholfen und zu statisch sicherer. Der Abstieg von Secret Police [ 1992 ] über Drugs Fighters [ 1995 ] zu Gold Rush [ 1998 ] zeichnet beispielhaft das rückläufige Nachlassen jeder speziellen Handschrift oder wenigstens einer spürbaren formalen Cleverneß hinsichtlich intrigantem Schwung auf. Die residierende Inszenierung mit linder Genauigkeit bleibt trotz aller vorhandenen Mobilität weitgehend gediegen, wie aus dem Episodenführer für angehende Telenovelas.
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Montag, 8. Oktober 2007

Review: To Kiss is Fatal [ 1998 ]

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Eine angenehme Überraschung, heimlich, still und leise, aber dafür mit Schleifchen aus dem Hause Dream Movie Entertainment / Tonrock International Investment Ltd präsentiert. Ein weitgehend unbekannter Vertreter ihrer durchweg anonymen, aber dafür zumeist erstaunlich gelungenen Produktionen, die im Subgenre der DTV Action oft kleine Glanzstücke darstellen. Da der symbolische Pfennig die nackte Wirklichkeit ist fließt auch bei Ihnen nicht Budget und Talent im Überfluss, aber das Haushalten und Wirtschaften mit den wenigen Penunzen gelingt häufiger und sicherer als üblich, und zudem zuweilen gar auf blendende Art und Weise. Sichtlich mit knappen Mitteln ausgestattet, verfügt man über den scheinbar unbedingten Willen, doch noch das Beste aus der allgemeinen Misere herauszuholen; es hilft natürlich auch, wenn man im Stabilitätspakt neben dienstbeflissener Energie und schöpferischer Kreativität bezüglich des geeigneten Skripts auch einen Regisseur vorrätig hat, der geradezu eine Ikone im Bereich des preiswerten Actioners darstellt: Wong Jan-yeung.

Für die Meisten ein großes Fragezeichen, aber besonders für die Anhänger derlei Arbeiten und deren einstweiligen Aushängeschilder Moon Lee bzw. Yukari Oshima durchaus einen anerkennenden Gruß wert, musste Wong wie Viele seiner Kollegen beim Niedergang des Filmgeschäfts auch mindestens eine Stufe hinabsteigen. Dass man auch hier in Wort, Bild und Ton eher an ein aufwendiges Heimvideo erinnert statt an einem Kinofilm ließ sich deswegen schwer vermeiden; aber im Gegensatz zu den anderen Nichtfachmännern und Scharlatanen kann Wong geradezu als prophetischer Heiliger auf seinem Gebiet zwischen Mangel und Mythos bezeichnet werden. Er bringt auch bei den Dialogszenen als besonders problematische Stellen durch flüssige Kamerawechsel, stramme Schnitte und interessante Bildeinstellungen Effektivität in das Geschehen, verhält sich auffällig betriebsamer und füllt den Raum statt mit den Klischees vom abgefilmten Theater und entsprechend trockenen Lückenfüllern tatsächlich mit einer Geistesblitz-Geschichte. Umrandet von einer fatalistisch-tragischen Liebe, die manch Zeit und Gelegenheit für asynchrone best of cantopop Karaokedarbietungen findet:

Kampfsportcrack Chen Xiong [ TVB semi-Star Frankie Lam ] kann es sich leisten, sein gesamtes Leben in der Turnhalle zu verbringen, wurde ihm doch von seinem mittlerweile verstorbenen Vater eine ganze Insel plus Villa vermacht. Als er seine Freundin Jin Li [ Jacqueline Law ] sowie seine Trainingskollegen zum Geburtstag in das Anwesen einlädt, passiert noch wesentlich mehr, als dass er nur die insgeheim in ihn verliebte Club-Partnerin Yi Hua [ Yukari Oshima ] vor dem Kopf stößt. Kaum auf der abgeschotteten Einöde angekommen, findet Chen Xiong mehrere Tote unter dem Dienstpersonal vor, auch sein Butler Fu [ Chan Lau ] wird bei einem Ausritt auf dem hauseigenen Motorrad durch ein quer über die Straße gespanntes Seil schwer verletzt. Die eilig herbeigerufene Inselpolizei kann allerdings keine Leichen finden. Und die Party fängt erst an...

Dabei ist die erste Hälfte der aktiven Liquiditätsauflockerung eindeutig die Geschicktere. Verbindet sie doch mehrere abweichende Elemente und standeswidrige Bräuche zu einem erfreulich stimmigen Ganzen, dass in Aufbau, Optik und Behandlung zuweilen gar an einen asiatischen Giallo erinnert und sich beileibe nicht hinter den artverwandten Death Curse oder Dating Death verstecken muss. Inhaltlich ein fortschreitendes Systematisieren, in der mehrere Spuren wie mit Brotkrumen ausgelegt verfolgt werden, die Praxis der Theorie vorauseilt und man sich rasch im Ungewissen verliert. Mysteriöses wie beim Wallace, incl. dem unheimlichen Schwarzen Kapuzenmann, der immer einige Schritte schneller ist und sein tödliches Katz-und-Mausspiel mit überlegener Allwissenheit zu treiben scheint. Und nebst dem subjektiven Blick, der den Zuschauer unweigerlich in die Täterposition zwingt.

Großartiges Setting - wie Schlosspark Pillnitz mit Pool - ,dass von außen schon den Eindruck der Sommerresidenz des sächsischen Hofes macht und sich alsbald reichlich Aufenthalt in einem geräumigen Salon verschafft, der wie viele Zimmer in diesem großherzoglichen Palais mit allen Schikanen der Innenarchitektur möbliert ist. Fein geschnitzte Rattanstühle, weitflächige Ölgemälder, Skulpturen, Gobelins und andere Ausstattungsgegenstände. Eine stabile Bar aus Eichenholz als angrenzender Zuschauermagnet, desweiteren klarweisse Marmorsäulen und edel gefüllte, mannshohe Pflanzenkübel quer durch die gesittete Arena verteilt, die in allen vier Enden mit jeweils einem ausgedehnten Treppenpodest versehen ist. Die für das sonstige Sujet komplett ungewohnte Mörderhatz verlagert sich einige Hilfeschreie, Grübeleien und Drohanrufe später in den Landschaftsgarten, wo man plötzlich kantige Martial Arts Eingebungen in den modernen Fulci speist und in die rapide Tritt- bzw. gar Schlag- und Nahdistanz wechselt.

Dergleichen waffenloser Zweikampf und Clinch-Situationen folgen dann noch häufiger, Plotteil #2 ist mit der handelsbeständigen Rachethematik formuliert, diesmal auch mitten in der Stadt angesiedelt und mit temporalen Ellipsen kreiert. Eine wesensfremde Abkehr von dem bisherigen Geschehen, nicht nur durch mehrere unvereinbare Rückblenden. Das nunmehr landläufige Einer gegen Alle wird durch einen knappen Hintergrund mit einem Juwelenraub, einer verbrecherischen Familiengeschichte und dem zurückliegenden Zwist zweier Gangster gefüllt. Mehrere logische Willkürlichkeiten, gar Idiotien sowie die gängige Bescheidenheit verwendeter Utensilien - die Juwelen sehen nicht nur auf den ersten Blick aus wie Glasperlen aus dem Kaugummiautomaten. Alle Figuren tragen unförmige Jeans sowie Polohemden aus dem Textildiscount - kann man leicht verschmerzen, wenn selbst die backflashs auf visuell temporeiche Anregungen konzentriert sind. Ein misslungener Geschäftsdeal sowie eine violente Polizeirazzia werden für Shootout, Minibömbchen und emsigen Sprüngen in die rettende Deckung benutzt, ein alter Kinosaal und dessen Hausdach für competitive catfights und Stürzen aus der Erhöhung. Auch wenn es technisch sicherlich auf eher mittlerem Niveau bleibt: Löblich die Cameos der Alteingesessenen Tony Liu Jun-guk und Robert Mak, der moderate Härtegrad, die Verwendung kompakter und gut organisierter Montagen, der Verzicht auf zu konventionelle Materialanordnung und damit die Herstellung einer intensiven rhythmischen Beziehung.
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Mittwoch, 3. Oktober 2007

Review: Fatal Attraction [ 2000 ]

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Die letzte Bastion ist gestürmt.
Die nach unten schon so sehr flexible Qualitätsskala im DTV-Bereich wurde gerade um ein weiteres Mitglied erweitert und scheint nunmehr gänzlich offen zu sein. Fatal Attraction beweist in seiner kleinkarierten Engherzigkeit alles Andere als eine Anziehung und wirkt vielmehr als abstoßende Kraft, als Abneigung, Widerwille und Mißbehagen.

Für eine Handvoll Renminbi Yuan in Shantou in der Provinz Guangdong produziert, verlässt sich das von konventionellen Funktionen entbundene Werk auf den allerniedersten Standard der Filmherstellung. Mit dem rudimentärsten Einsatz jeglicher Leistung, der hilfsbedürftigsten Sinnträchtigkeit und dem geringfügigsten Interesse an einem Gelingen.
Während die erbarmungswürdige Grundidee einer querköpfigen Handlung zumindest da ist, sei sie auch noch so wiedergekäut, kann man alles Andere in seiner benachteiligten Un-Kreativität komplett vergessen. Sogar in der eh schon wenig ruhmreichen Karriere von Philip Ko und seinen Handlangern sah man selten ein derart verkümmertes Werk geringster Impulse, zwischen Spott und Verachtung, Mitleid und amüsierter Duldung. Mehr missbraucht als gebraucht. Unter eigenen Schmerzen fremdes Elend sehen:

Ming [ Stephen Au ] hat wegen seiner Spielsucht Schulden beim Kleingauner Wong [ Philip Ko ], die sich dieser gerne mit einem Gefallen vergolden lassen möchte. Da Ming über Verwandtschaftsklüngel in der Chiu Chow Association angestellt ist, die ihr Geld mit Herstellung und Vertrieb von Video CDs verdienen, soll er die Firma intern ein bisschen in Bedrängnis bringen; was wiederum den Profit des Konkurrenten Wong steigert. Als Ming sich weigert, wird seine Großmama entführt und gefoltert. Doch die Manager und Mings engsten Freunde Wan Chung [ Vincent Wan ] und Chow Siu Lai [ Lily Chung ] bekommen Wind von dem schändlichen Treiben.

Mal etwas Anderes als der übliche Schmonzens um designierte Killer und Triadenfehden, eher ein schockierend substanzloser Tumult aus Soap, Krimi, Bloodshed und Drama. Fehlerhaft bis zur totalen Unglaubwürdigkeit und trotz der Sicht von Finanzabenteurern weder aufschlussreicher als gewohnt noch anderweitig faszinierender gehandhabt. Das hiesige Setting ist mit seinen drei Innenräumen scheinbar eigens dafür angelegt, noch mehr Geld als üblich zu ersparen, schließlich kann man sich jegliche Action und andere budgetverspeisende Glanztaten mit Hinweis auf die Schreibtischhengste und ihren Aktenbergen komplett verkneifen. Für adäquaten Ersatz als Lückenfüller wird aber so gar nicht gesorgt, in punkto Unterhaltung wurden alle ideellen Werte verraten und verkauft.

Darstellerisch wieder mal am Rande der Resignation entlang, ohne Feuer, ohne Lust, anscheinend gar aus Zwang. Tatsächlich fragt man sich beim Betrachten, warum die Teilnehmer der Städtereise im Wintermonat der Intelligenz überhaupt zur Arbeit kamen, oder ob sie ähnlich wie Oma Ming mit brühend heißen Wasser vor die Kameras überredet wurden und deswegen im törichten Unmut agieren. Action bis auf etwas Zunder im Finale komplett passé, es sei denn, man zählt ein wenig trostloses Getrete und Geschubse mit; noch zusätzlich nahezu durchweg in den finsteren Spelunken mit zugezogenen Vorhängen positioniert und mit hinterwäldlerisch-steriler Kameraarbeit fotografiert. Das Cat III Siegel ausnahmsweise nicht wegen nackten Frauenleibern, sondern einigen Gewalt- oder Foltertaten verliehen; zwar absolut nicht explizit oder anderweitig ausführlich, aber im kläglich jammervollen Kontext durchaus wirksam gehalten: Kaum Bewegung, reizlos leer, stetig dieselbe Einstellungen, die repetierend dröge Musik, das belanglose Umherschlendern zwischen Einkaufsbummel, Telefonaten und ein wenig Büroarbeit.

Ein verknöchertes Totschweigen wahrer Gefühle und reeller Emotionen, stattdessen das Festhalten an blindgläubigen Ritualen, steifen Bewegungen und trotziger Mimik. Lebensfremd, weltentrückt, wirklichkeitsfern. Selbst als anfangs neugierig machende Insidergeschichte funktioniert man nicht, da die Problematik der VCD Herstellung wie bei Lieschen Müller erklärt wird und man ausser reichlich abstrakten Geschäftstalk und Aktientransaktionen - "Panama, Mauritius und Nicaragua kaufen unsere Filme. Wir machen Millionen." - jedwede Einblicke und aufschlüsselnde Informationen schlichtweg vergessen kann. Immerhin reicht der Gesprächsnonsens über die kontinentevereinende Luxusmarke VCD zu Beginn noch einige humoristische Höhepunkte, aber da sich die Dialoge wie beim Tarantino ins Immense stapeln und es baldig zu elend wird, fällt auch dieser Vorzug schnell flach.

Punkten tut man sowieso nur in der haarsträubenden Absurdität; wenn man denn auf Wohlwollen der geneigten Zuschauer trifft, sich auf wirklich jeden Schwachsinn einzulassen.
Da greifen die gesellschaftsführenden Anteilseigner bei vertraulichen Bestrafungen hinter verschlossenen Türen zum Rohrstock, um die drohende Geschäftsschädigung mit 35 Schlägen auf den Allerwertesten auszutreiben.
Der alte Hausmeister der boomenden Firma wird beauftragt, den Besen gegen Messer und Taschenlampe zu tauschen und Nachts allein das offene Warenlager zu bewachen.
Oma Ming, die blind, krank und alt auf Nachkommen in letzter Sekunde wartet, tastet erstmal alle weiblichen Gäste ausführlich in Gesicht und Hintern ab - "round enough and elastic".
Ihr Enkel verzockt sein Gehalt bei einer staatlichen Lotterie, die live in Wongs Nachtclub übertragen wird und in ihrer bestimmt zehnminütigen Ziehung den wahrhaft aufregenden Einstieg des Filmes und die spannendste Sequenz gleich mit darstellt. Schließlich starren auch jeden Samstag Abend Abertausende Menschen auf Lottofee Franziska Reichenbacher.
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Samstag, 29. September 2007

Review: Blood on Bullet [ 2003 ]

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Ratten und Küchenschaben überleben einen Nuklearkrieg, Menschen nicht. Dass es der Hong Kong Filmindustrie nach der Jahrtausendwende arg schlecht ging, merkt man spätestens daran, dass sogar ein Philip Ko Fei von der Bildfläche verschwand. Wenn selbst das Unkraut vergeht, sind die letzten Stunden bereits gezählt.

Genuine Auteur Ko, der als Investor, Regisseur, Action Director und Darsteller von den frühen 70ern an bis knapp 2003 alle Auf- und Abstiege mitgemacht und spätestens ab 1990 auch entscheidend bestimmt hat, war lange Zeit so etwas wie der mutige Krieger der C-Action. Er lernte erst mit Weniger, dann mit Gar nichts auszukommen, agierte Energie sparend in mehreren Funktionen, sorgte für vermehrte Nachkommen mit identischer Handschrift und profilierte sich so weiterhin als Aushängeschild des Genres. Und er konnte sich scheinbar wie die Ratte vom falsch entsorgten Müll ernähren: Immer zur Stelle, um einen nicht mehr gefragten Schauspieler vor der Arbeitslosigkeit aufzufangen, ihm ein hübsches Heim im Billiglohnland der Republik der Philippinen zu besorgen und mit mehr oder weniger attraktiven Komparserien vom lokalen Hostessenservice zu umgeben.
Gerade im rapiden Sinkflug der Filmemacher um ihn herum stieg er zur Höchstform auf, brachte es auf etwa ein halbes Dutzend Werke pro Jahr und legte so einen gebunkerten Komposthaufen für den geneigten Liebhaber an; neben zahlreichen Sexschmonzetten im Softcoreverfahren auch die ermäßigte Actionware oder deren Zwitter. Handlung Nebensache:

Shantung guy Ma Fai [ Vincent Wan ] musste aus der Heimat flüchten, weil ihm Jemand bei einer Hilfsaktion fahrlässig ins Messer gerannt ist. Nun tut er Dienst für den Gangsterboss Master Lung [ Phillip Ko ], der gleich mehrere Probleme am Haken hat. Sein Sohn Prince [ Jin Xiang Xu ] soll zwar Nachfolger werden, kann sich allerdings noch nicht so richtig durchsetzen. Ziehsohn Jimmy [ Jimmy Ko ] praktiziert heimlich mit dem verstoßenen zweiten Ziehsohn Wing, der wegen Lug und Betrug in Ungnade gefallen ist. Als Ma Fais schwangere Frau durch Wing vergewaltigt und umgebracht wird, platzt ihm und Lily, der Schwester des Opfers [ Lily Chung ] der Wollkragen.

Wobei missverständlich zum reißerischen Titel kein Kugelballett geboten wird und die wenigen, an einer Hand abzählenden Schüsse gar nur im Off verpuffen und man weder Choreographie noch Mündungsfeuer noch Einschusstreffer zu sehen bekommt; das Thema wird bewusst flach gehalten, vor allem preislich. Das nicht vorhandene Geld lieber in Schwertkämpfe bzw. deren artverwandten Kompagnons gesteckt. Sollte die traditionelle Hieb- und Stichwaffe mal nicht vorrätig sein, tun es auch Knüppel, Rohre und Buttermesser.

Ähnlich sparsam ging man mit den aufgefahrenen Darstellern, den establing shots und ganz allgemein der Produktion an sich um, verlegte den Drehtermin gleich mitten in den Urlaub der Crew und filmte am Liebsten auch während dem Abklappern der touristischen Sehenswürdigkeiten, besonders der Restaurants. Dabei sollte sich als Glücksfall erweisen, dass neuerdings Korea als Reiseziel ausgesucht und mitten im Winter gebucht wurde.
Denn auch wenn die wenigen Pluspunkte schon bei der äußeren Veröffentlichung aufhören:
Sowohl die aufgeklarte Luft als auch die kalten Temperaturen bis hin zu leichtem Frost, die weißen Schneeflächen und das allgemein zugige Klima sorgen für ein Wechsel der Gangrichtung, für ein verändertes Aussehen und den Abwechslungsreichtum der frisierten Umgebung. Durch ihre Unbekanntheit erfrischende, saubere, untervölkerte Schauplätze und die allgemein teurer, da edler wirkende Aussicht verleihen dem von Budget verschmähten Projekt zumindest zeitweise den Anschein von Erhabenheit.

Der hiesige no name Regisseur David Leung weiß immerhin darum und baut darauf, die jeweilige Szenerie auch ansprechend in der Totalen zu präsentieren. Von einem vornehmen Setting zum nächsten. Wenn sich die warm eingepackte Triadenorganisation mitten in der abgeschiedenen Einöde am Ruhepol buddhistischer Tempel zum Gebet verabreden oder einen Drogendeal vor dem kristallklaren Fluss mit der Skyline im durchfrorenen Hintergrund durchführen, erweckt dies unweigerlich mehr Anmut und Eindruck als etwaige Begegnungen im verschwitzten Hinterhof direkt vor der eigenen Haustür. Auch lässt man Hawaiihemd und Pluder- bzw Trainingshose im Schrank und kleidet sich den Witterungen im Land der Morgenstille notgedrungen angemessen. Killer und Schergen in grau oder schwarz sind doch ernstzunehmender als im sonst beliebten schreiend bunten Kakaduoutfit.

All dies ist natürlich nur eine vorübergehende Sinnestäuschung, die als Halluzinogen der Fassade nicht lange verbergen kann, dass der große Rest der übliche dreck ist. Allein das Skript schert sich einen Deut um Interesse. Auch wenn man durchaus bescheinigen muss, dass man hier und da per Zweistufenschalter mehr Tempo als gewohnt in die Szenerie bekommt, sind angefangen von den Figuren bis über die Dialoge und Szenenbeschreibungen allesamt ungenügend, elend, ja stümperhaft gehalten. Die Geschichte klaut von vorn bis hinten, legt auch gut los, kommt aber trotzdem nicht über das Vorwort mit vielen Fragezeichen hinaus und verhaspelt sich dann schnell in wertmindernden Unsinn.

Personen werden irgendwann ab der Hälfte ausgetauscht, weiterhin wild addiert, bleiben aber nur für eine Duschszene mit Frontalunterricht über und sind ebenso rasch verschwunden wie gekommen. Die Macht-Fehde wird erst emsig betrieben, dann mittendrin ausgesetzt weil man auf einmal Beweise will und keine hat und sich prompt in ein ganz anderes Land mit neuen Schurken verlagert wird. Da stellen sich Leute der Polizei, die überhaupt Nichts mit der Angelegenheit zu tun haben, sondern nur die gänzlich unbeteiligte Freundin sind und man sich kein plausibleren Grund für das Ausscheiden ausdenken mag. Der bad guy rennt ständig mit einem rosaplüschigen Grinseschwein auf dem Arm durch die Gegend. Der Held lässt Alle Gegner fortwährend laufen, spielt aber daheim trauernder Samurai im Schneidersitz. Das Tin Cup Poster im Wohnzimmer wird andauernd derart ehrwürdig in Positur gesetzt, als wär es ein Original-Picasso aus dem Louvre. [Im Schlafzimmer hängt Fair Game.]
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Donnerstag, 27. September 2007

Review: Tequila Sunrise [ 2000 ]

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Heutzutage ist der kantonesische Filmausstoß so gering, dass man die Gattung der direct-to-video Action schlichtweg vergessen hat; entweder es rentiert sich überhaupt nicht mehr und wird deswegen gar nicht produziert. Oder es verhält sich dermaßen still, dass die Fabrikation und Distribution praktisch unsichtbar und nicht über gängigen Versandhandel zu beziehen ist. Wie so oft hat auch dieses zwei Seiten: Der geneigte Liebhaber notdürftigst lumpig wirkender und möglichst unbekannter Ware fern von Kostenaspekten geht mit aktuellem Nachschub leer aus. Dafür darf er sich allerdings daran erfreuen, dass der gescholtene cast mangels anderweitiger Beschäftigung anscheinend wieder den Weg zurück auf die große Leinwand geschafft hat.

Zumindest im Fall von Mark Cheng und auch Collin Chou ist dies so; beide mussten während der Krisenzeit die Stufen hinab in den Keller des Filmgeschäfts steigen und beide durften die letzten Monate auch wieder das Licht erblicken. Cheng bereitete in Election 2 ein Achtungszeichen, spielte sich souverän durch die Hauptrolle in Gong Tau und setzte in Invisible Target ein Gegengewicht zu den aufstrebenden Jungspunden.
Chou agierte sich in Nebenrollen in amerikanischen Blockbustern oder deren Möchtegernvarianten und wurde als direkter Kombattant in Flash Point eingefügt.
Sieben Jahre zuvor war dies noch ferne, rosig umrankte Zukunft.

Tequila Sunrise, nicht zu verwechseln und auch absolut nichts zu tun mit Robert Townes schwüler KrimiLiebelei, ist eines der Werke, die knapp um die Jahrtausende gesetzt den weitgehend allgemeinen Markt bevölkerten. Für Großproduktionen war wenig Geld über und keine Risikobereitschaft vorhanden, talentierte Jungregisseure noch nicht herangereift und vom Comeback alter Hasen ebenfalls noch nichts zu sichten. Die vermeintliche Elite war nach Hollywood abgewandert bzw. kam gerade irritiert, schikaniert, verstimmt wieder von dem Erlebnis zurück; für die Daheimgebliebenen hieß es Warten, die Zeit vertreiben und die Büros in Sozialwohnungen umwandeln. Der vorliegende Film scheint seine Handlung samt Inszenierung auch exakt auf diesem Nickerchen-Motto aufzubauen und gestaltet sich über das Meiste der eh schon arg knappen Laufzeit auch als ein bisschen sehr ausgebrannt. Behaglich und erstarrt, etappenweise mit vielen eingelegten Pausen, still, stoisch und stockend bewegt man sich voran; mühsam den abgeschlafften Leib vom Start bis ins Ziel in fußläufiger Entfernung schleppend.

Eine Reise durch Thailand – Lohnfertigung in fernen Ländern und Endmontage sowie Vertrieb daheim –, wobei der peppig kolorierte Urlaubsort eine derart lethargische Anziehungskraft haben muss, dass die Strahlen des Phlegmas Jeden und Jedes in Besitz ziehen und etwaige vorhandene Kraft unweigerlich inhalieren.
Nach zwei flinken, nichtsdestotrotz äußerst dämlichen Attentaten zu Beginn ist deswegen auch schnell die Luft aus der zerlesenen Geschichte um drei Killer, die mit der Gegenwart unzufrieden in aller olympischen Ruhe ein neues Leben suchen:

Sunny [ Mark Cheng ] und Coco [ Irene Wan ] fahren mit ihrem Zögling Sam [ Dond ] nach Bangkok, um ihren alten Freund Rocky [ Collin Chou ] zu treffen und sich die Augustsonne auf den Pelz scheinen zu lassen. Während Sunny sich noch mit Drogen betäubt und Sam der Inaktivität überdrüßig mit Rockys Schergen abhängt, schnappt sich Coco den Landwirtschaftsstudenten Joe [ Chris Cheung ]. Der mit ihr die Zukunft im Gewächshaus planen möchte, aber von der tödlichen Vergangenheit nichts weiß.

Spannend ist das in seiner raubdruckerischen Praxis nicht; da hilft keine rapide Verkürzung auf lediglich 75min und auch keine anwesende Schauspielerschar, die vorher und nachher schon viel bessere Tage gesehen hat. Vor allem die Hauptakteure haben sichtlich keine Lust auf die bornierte Aberwitz-Mär vom Ausstieg aus dem Killerdasein, der von den alten Kollegen gehindert wird und verhalten sich analog zur arbeitsscheuen Aufführung ebenso bequem eingewurzelt. Cheng, der immerhin aussieht wie ein altersschwaches Drogenwrack, verlässt sich auch beizeiten auf die hoffentlich nicht im method acting erprobte Erscheinung und schleppt sich meist nur bedächtig auf dem Sofa oder gleich am Erdboden herum. Chou dagegen bereitet sich während dem Dreh sichtlich nur auf seine noch folgenden Matrix-Auftritte vor; sprich: Er trainiert seinen eh schon formidablen Körper noch weiter zur Höchstleistung und konzentriert sich bei den wenigen postulierten Textzwischenträgern allein auf seine Eisen-, Calcium- und Phosphordiät.
Anders lässt sich jedenfalls nicht erklären, warum ihm vor jedem gesprochenen Satz immer ein Teller geschnittener Pitahayas bereitgestellt wird; sowieso hat die nahrhafte Drachenfrucht mehr Präsenz in der Handlungsebene als jede andere vorkommende Figurenzeichnung.

Irgendwelche Fortschritte im Plot werden mit ominösen Hintermännern begründet oder ganz einfach aus den Fingern gesaugt. Da werden während eines Autotelefonats von außen schnell mal ganz unauffällig alle Türen mit Paketband verklebt, um die Flucht vor einer Bombe zu verhindern. Der eigentlich streng geheime Aufenthaltsort einfach dem Nächstbesten Anrufer verraten, weil man denkt, es sei der Klempner dran, der die defekte Toilette reparieren soll. Fangnetze der Beschränktheit. Verwahrlosung der Wahrnehmung. Eine leere Anwesenheit von bleierner Schwere, Desinteresse, Schneckentempo, noch zusätzlich gepeinigt von schaudervollstem Thai Rap, der in seiner jämmerlichen Grausamkeit die Ohren zum Ausbluten bringt. Die gestörte Metrik und Verflachung des Ausdrucks nur mühsam mit manchen Außenaufnahmen der ewig gleichen Bangkok-Silhouette, Ausflügen des Gärtners in die belaubte Biokultur und einigen abrupten Gewaltausbrüchen gefüllt; vor allem Letztere sind nicht ohne und pumpen in ihrer plötzlich überraschenden Drastik kurzzeitig durchaus drakonisches Leben in den sonstigen Dornröschenschlaf. Ein Waffelhörnchen im Auge und Essstäbchen durch die Wange sieht man dann doch nicht alle Tage. Wer lieber richtige Action haben möchte schaut dafür umso mehr in die habsüchtige Röhre, darf sich aber wie als Entschuldigung an so richtig sinnlosen Geschwätz und unvernünftiger Torheit in allen Bereichen erlaben.
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Dienstag, 25. September 2007

Review: The Last Duel [ 18/05/1989 ]

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Bei seinem vorherigen The Big Brother [ 1987 ] noch wegen seiner unpersönlich erscheinenden, seltsam energielos-entkräftet wirkenden Inszenierung geschmäht, legt Regisseur Tommy Fan im Nachfolgeprojekt umso williger mit fliegendem Parallelstart los. Im ergrimmten Durcheinander auf belebter Straße werden Menschen von Autos angefahren, durch Glasscheiben geschleudert und Treppen hinunter gestürzt. Ohne Rücksicht auf die unbeteiligte Umwelt. Alles im Namen des Volkes und mit dem Gesetzbuch legitimiert.

Es sind nämlich Polizisten, die dort wie die Axt im Walde agieren. Keine Ritter der Gerechtigkeit auf dem Weg der Tugend. Und auch nicht so zielsetzend wie die hasserfüllten, scheinbar skrupellosen Einzelkämpfer im amerikanischen Dirty Harry / French Connection, die mit dem Allgemeinwohl im Hintersinn die fragwürdigen Mittel dem Zweck und der Nemesis anpassen. Sondern eine wild gewordene Rabaukentruppe mit starken Korporativismus, die im Versagen der Zivilisation noch so manche Male schneller zur Waffe greifen als in der Dienstvorschrift geboten ist. Und sich zusammen mit Pistole und Ausweis sowieso zu Allem ermächtigt und berechtigt fühlen.
Fernab von to protect and to serve wird die selbstverständliche Autorität dazu benutzt, mit scheinbarer Narrenfreiheit den eigenen Instinkten nachzugehen, die Dienstvorschriften zu missachten und das law enforcement business nach Gutdünken zu manipulieren. Traumjob Polizist. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit.

CID Inspector Ken [ Karel Wong ] verhaftet hier und da auch richtige Verbrecher, hat es aber ansonsten aus strikt persönlichen Gründen vor allem auf den Ex-Knacki Suen Man-kwong [ Alex Man ] abgesehen, der ihm schon einmal in die Quere kam und trotz offensichtlicher Unschuld und Verfahrensfehler auch bereits die Lehren ziehen musste: Ken hat ihn wegen Totschlags einer Hochschwangeren festgenommen, obwohl er diese selber bei einem Gerangel mit einem flüchtenden Autodieb lebensgefährlich verletzt hat. Nach drei Jahren Gefängnis möchte Suen ein neues Leben anfangen, mit seinem Bruder Tit Muk-chuen [ Dicky Cheung ] und dessen Freundin Tan [ Joanna Chan ] ein kleines Geschäft eröffnen und vielleicht noch bei der hübschen Nachbarin Pok Mei-li [ Rosamund Kwan ] landen. Unwissend, dass diese bereits von Ken umgarnt wird, der auch in der Angelegenheit kein Nein akzeptiert.

Ein einfaches Muster mit hohem Wiedererkennungswert und viel rhetorischem Kugelhagel:
Der disziplinlose Schutzmann setzt den Polizei- und Justizapparat für seine Zwecke ein, ermittelt so Gefahrenquellen und sorgt für deren prompte Beseitigung. Schneidet mit dem "Schuld bei Verdacht" - Motto, dem seltsamen behördeninternen Berufsethos und der vollzogenen Selbstjustiz dem nunmehr weitgehend Schutzlosen Suen den einzigen Ausweg der institutionellen Kontrollmöglichkeiten ab. Das gebrochene Vertrauen in die Exekutive wirft den Bürger entrechtet und ohnmächtig auf die Straße zurück, auf der er sich selber mit allen Mitteln wehren muss, um nicht unter die Räder zu kommen.

Auf der einen Seite die harmlose Gesellschaft, die eigentlich nur ihr Leben im beengten, besitzlosen, aber trotzdem trauten Heim und mit ehrlicher Arbeit verbringen möchte, das Geld für die Zukunft in einem Sparschwein sammelt und sich bis dahin mehr schlecht als recht, aber immer mit moralischem Anspruch durch die Gegenwart schlägt.
Auf der anderen der institutionalisierte Ombud, der Beauftragte zur Wahrung staatlicher Interessen, der sich mit seinen ebenso frevlerischen Kollegen im Hauptquartier als Vereinigung von Personen eines Berufes und einer Gesinnung trifft und sein Sold bevorzugt damit verdient, jenseits von Liberalismus und Sozialismus unliebsame Konkurrenten zu schikanieren. Deutlich faschistische Züge trägt und Werte wie den Sinn für Ordnung und den Respekt vor Hierarchien zum eigenen Gunsten verdreht.
In der Mitte, weitgehend zweck- und hilflos, der brave Polizist Inspector Lee [ Tommy Wong ], der trotz gleichem Rang nichts zu sagen und schon gar nichts zu bewegen hat, weil er der Domäne der blauen Mauer des Schweigens als Subjektivist und damit Verfemter außen vorsteht.

Unterstützt von einem aufbrausend offensivem Schnittrhythmus, angriffslustigen Dialogen, cholerischen Einstellungen und abseits von explorativen Expertengesprächen und Sekundäranalysen wendet man sich besonders an das Ehr- und Unrechtsgefühl des Zuschauers. Die Diskrepanz zwischen missachtender Eigenmächtigkeit und rechtmäßiger Legitimität wird bereits vor Titel und credits derartig extrem angesprochen, dass man sich bis zur nächsten Steigerung eine ganze Weile Zeit lassen kann. Der Aufbau gleicht einer Kampfbereitschaft demonstrierenden Frontenbewegung. Eine intensiv / defensiv / aggressiv Struktur, die fern von Spiel und Spaß auch nur begrenzt Action und Gewaltausbrüche braucht, um das Gefühl von Bedrohung und Gefahr heraufzubeschwören. Höhepunkte sind mit Absicht sparsam ge- und mit einer aufsteigenden Spannungslinie, kontrastierender Spielphasen und intensivierter Reflexion ersetzt. Mehrere Male sieht man das Unheil von Faustrecht und Willkür bereits kommen, scheut die Konsequenzen, die Quelle des Chaos, möchte warnen und wird dann trotzdem unerbittlich mit den Folgen provoziert: Die finale Konfrontation als folgerichtige Eruption der aufgestauten Unannehmlichkeiten, ein erbitterter Kampf um die Rückerlangung freiheitlicher Grundrechte, mit tödlichen Feuersbrünsten, schmerzhaften Autostunts und alles klärenden Schießereien.

Natürlich wird dies offenkundig polemisch und in aller trivialen Brachialität behandelt, nicht im unterschwelligen Zwischen-den-Zeilen-Schreiben und auch nicht mit anklagenden oder aufklärenden Absichten im Hintergrund. Sondern mit kontrastreichem Akzentmuster über dem Grundpuls. Großspurig und indiskret, geistlos, ein wenig ungalant, aber nicht ungelenk. Mit genug plakativen Klischees und pathetischen Überhöhungen, um auch den letzten Zweifelnden von dem Heraufbeschwören gefährlicher Feindbilder zu überrumpeln. Ohne Schönfärbung und Glättung, mit starkem Beharren auf der umgekehrten Gut - Böse - Pattsituation und der strikten Trennung zwischen beiden Mächten; die jeweils wenig Figurenzeichnung und auch keine ausführliche programmatische, soziologische und politische Charakteristika abbekommen, sondern einfach im Kontext funktionieren müssen. Ein publikumsbezogenes Vorderbühnenspiel gewisser Stereotypen.
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Donnerstag, 20. September 2007

Review: The Good, the Bad and the Bandit [ 14/11/1991 ]

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Der erste und gleichzeitig auch der letzte Film von Regisseur Lam Ji-Yan, der auch nicht über weitere credits in vielleicht anderen Tätigkeiten verfügt und sich hiermit auch nicht wirklich das Recht erarbeitet hat, eine Karriere im Filmgeschäft fortzuführen. Die alleinige Schuld mag ihn nicht treffen, aber als Hauptbuhmann für sein doch eher maues Handwerk muss er trotzdem herhalten. The Good, the Bad and the Bandit ist leider ein weitgehend appetitloses Tretmühlen-Produkt der damaligen Überfluss- und Überdrußgesellschaft und verhält sich trotz frischem Wind hinter Mikrofon und Kamera auch genauso verwerflich verunstaltet.

Das beginnt als schlechtes Omen bereits bei der schummrigen Einführung, die doch tatsächlich mit einem misslungenen Drogendeal auf einem Schrottplatz beginnt und dann nur seelenruhig die weiteren Normmaß-Stationen derlei einfallslos gehaltener C - Klopper abschreitet. Erst die Bösen, dann die Guten, ein wenig Mischpoke und zuletzt der Showdown. Neues im Bereich des kommerziellen Schunds ebenso wie hohes künstlerisches oder publizistisches Niveau erwartet man durch die Serienfabrikation sicherlich nicht, aber das Wie als zentrales Marketinginstrument sollte schon stimmen, wenn man sich von dem Rest der genauso aussehenden Masse des genügsam-Brauchbaren absetzen möchte. Lam hat dabei mitsamt seiner Besetzung alle leicht auszuschlachtenden Zutaten, macht das Nützliche aber zur Nebensache, möchte viel zu viel ohne es annähernd zu beherrschen und betreibt statt einer Konzentration auf Aufregung, Tempo und Tension lieber indolente Informationsüberlastung.
Optisch dazu noch so extrem schäbig, als wenn man location scout, Ausleuchter und Standfotographen bei Nacht durch die Kloake gepeitscht hätte:

Undercover-Cop Lau Chia Tin [ Ray Lui ] hat sich zur rechten Hand von Gangsterboss Li Yun Tai [ Wong Yung ] empor-, dessen Vertrauen erarbeitet und bekommt sogar seine Hauptfrau Maggie [ Tien Niu ] als Bettdame angeboten. Unvorsichtig geworden lässt er sich bei der Spionage in der Buchhaltung erwischen und wird prompt von Killern aufgelauert, die er zwar abwehren kann, dabei aber eine vorübergehende Amnesie erleidet. Nur mühsam genesend sieht er sich von ihm unbekannten Menschen behelligt, darunter auch den Kleinkriminellen Chin [ Simon Yam ], der sich ebenfalls von anderem Gesindel bedroht ist und deswegen überlegt, ob er sich mit dem ahnungslos gesuchten Lau nicht frei kaufen soll.

Wäre dies schon das alleinige Problem könnte man ja vielleicht einen Zwiespalt zwischen Freundschaft und Geld, Loyalität und Materialismus und Gewinn vereinbart mit Gewissen aus dem Stoff entwickeln. Und sich so mitsamt der Relativierung der Moral vermehrt an den Grundzügen des allgemeinen Heroic Bloodshed Genres entlanghangeln, wobei man verwandte Strömungen der Polizei- und Kriminalthematik miteinfliessen lässt. Tatsächlich wird diese Problematik der durchkreuzten Entschlüsse, dem Zwang unvorhergesehener Ereignisse und dem entsprechenden Widerspruch zu den ursprünglichen Absichten für einige Einstellungen angerissen, verbleibt allerdings bei diesem losen Entwurf und hält wie so vieles Anderes im Skript nur als ungeschicktes Fragment her.
Zwischendurch bekommt man durch eine unverhältnismäßige Vielzahl an Figuren, Konstellationen und Szenerien eher den Eindruck, dass man insgeheim ein gesamt überblickendes Porträt des alltäglichen Kampf ums Überleben in den Mittelpunkt stellen und anhand diverser sich überschneidender Einzelschicksale analysieren wollte. So aufgepumpt die Gruppierungen, kompliziert die Begleitumstände und stetig wiederholend die Begebenheiten auch sind, so wenig wird eine Aussage dahinter deutlich. Letztlich bekommt man durch die verpflichtende Schwarzweisskonvention nur sich repetierende Déjà-vus geboten, die wie wahllos addiert den Blick aufs Wesentliche verbergen und die Handlung mindestens 20min länger als nötig gestalten.

Schon der phantasielose Gimmick mit dem zeitweiligen organischen Hirnschaden und einem mysteriösen Mikrofilm sind nutzlose Bremsen im dramaturgischen Geflecht. Die anfängliche Erregung komplett in Abwechslungslosigkeit, Dumpfheit und Einerlei umwandelnd und es dem Betrachter nicht leicht machend, dieser außengeleiteten Überlebensorientierung bar philosophischer Gedanken oder wenigstens halbherziger Nächstenliebe zu folgen. Da fehlt nicht nur jegliche Chemie zwischen den doch so zahlreichen Personen und die gemeinsamem Wissensebenen, sondern auch die Neugier hinter all den Dialogen, das Interesse auf Fortgang und Entwicklung; eher bleibt nach einigen missgestaltenen Charakterisierungen ein Gefühl von Erschöpfung und Widerwille zurück. Als wäre man in die Dimension der Ewigkeit verloren. Die Welt von beharrlich lästigem Chaos, gleichgültigen Vertröstungen, pedantischen Vertagungen und flau abgestandenem Phlegmata statt einem selbstmörderischen Ordnungsprinzip mit unzweideutiger Hierarchie bestimmt.

Seltsam erwischen tut es Simon Yam, der hierbei zwar löblicherweise in eine andere, erfrischende Maskerade als üblich schlüpfen darf und eher einen niederen Luftikus spielt, der nichts zu sagen und nur als Spielball widerstreitender Mächte her zuhalten hat. In dieser Kostümierung aber nicht überzeugend aufgehen kann und in seiner immer während passiven Demütigung und dem unkreativen Stehaufmännchen-Martyrium nahezu als Metapher für den aufwallenden Frust des Filmes herhalten muss.

Da macht es nicht besser, dass Kompagnon Ray Lui mit der Darstellung von sowohl einem handfesten Prügeltypen als auch dem zwischenzeitlichen Alzheimer schlichtweg überfordert ist. Das Beinchen heben und die Arme gegen wilde Horden Angreifer schwingen gelingt ihm mit etwas Abstrichen und dem Hinweis auf mangelnde Ausbildung und bescheidenem Trainingsfleiß vielleicht noch. Aber es reicht sicherlich nicht dafür aus, ihn wie weiland Jackie Chan auf einem Kinderspielplatz, Yuen Biao in ein Parkdeck oder Frankie Chan vor eine Kirmesbude zu positionieren und die entsprechenden Police Story 2 / Righting Wrongs / Burning Ambition nachahmen zu wollen. Warum dann überhaupt die Aufmerksamkeit ausgerechnet auf etwas ungelenken fistfights in immerhin formschönen Trainingsanzügen liegt, vermag wohl nur der Finanzvorsteher der ausführenden Hatract Films zu erklären; ein wenig Gerangel und Gebolze ist sicherlich preiswerter als aufwendiges Bleigewitter. Dafür wurde auch sprechen, dass man sicher wieder einmal an den ästhetisch unvorteilhaftesten Arealen befriedigt und neben der lokalen Karaokebar, den miefigen Nachtclubs, leer gewirtschafteten Warenhäusern und Einraumwohnungen auch bevorzugt die Kiesgrube als auch den anliegenden Steinbruch heimsucht. [ Nicht ohne im Letzteren für die hochgestochene Triadensociety noch zwei Gartenstühle, ein Plastiktisch und knallbunten Sonnenschirm zu positionieren.]
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