Samstag, 16. Februar 2008

Review: Angel's Project [ 1993 ]

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Im vorläufigen Abschlussjahr des girls with guns Genres von SLG Film Productions (HK) Ltd. bereitgehaltener Durchschnitts-Vertreter, der in zeitgenauer Abrechnung dem damals noch gut bestückten Konkurrenzkampf ein wenig die Federn lassen musste. Zumindest heutzutage, ausschlaggebend sicherlich auch durch offizielle Distribution sind ganz ähnlich gesinnte Arbeiten wie Angel Terminators 2, Avenging Quartet, Madam City Hunter und Way of the Lady Boxers mehr im Munde der entsprechenden Klientel, auch wenn sie selber keine handwerklichen Meisterstücke darstellen. Leider Gottes kann Angel's Project die jahrelange Vernachlässigung auch nicht reaktiv wiedergutmachen, das Unterschätztwerden nicht umkehren, keine Sonderausgabe in Gold erlangen.

Etwaige Versprechen aufgrund der Mitwirkung durch die beiden battle queens Sibelle Hu und Moon Lee sowie der üblichen Belegschaft und die Andeutungen eines Kleinkriegsfilmes im Dschungelmilieu treffen alle nicht in dem Maße ein, um das Fabrikat auffällig aus der Masse entsprechend gleichartiger, geradezu verwandter Werke vereinfachender Gleichsetzung herauszuheben. Eine geschlossene Mannschaftsleistung im Mittelmaßbereich, die scheinbar so gar nicht vom allgemeinen Wettbewerbsdruck behelligt wird. Sich eher recht lässig statt hochgradig verhält, in traulicher Zugewandtheit viel mit Füllszenen hantiert, nicht wirklich Interesse für den eigenen Fortgang, eine autarke Dynamik oder Dramaturgie zeigt, sich scheinbar nicht den nötigen Einsatz zutraut und eigentlich auch die Action bis auf die explosive Endausscheidung nicht effektiv genug durchskandiert. Eine derangierte, auf Dauer etwas ermüdende Wahrnehmung mit gekünstelter Mobilität und versäumter Entwicklung.

Cheung Ho Taks Regiedebüt [ diverse Quellen setzen noch Phillip Ko und Lo Bo Saan als Mitwirkende ein ] ist statt einer Neukonstruktion mit erweiterten Qualitäten und Fortschritten in den wichtigen Belangen, die dann auch das Negative verdrängen vielmehr eine aufrichtig arglose Rückversetzung in den grundlegendsten Urzustand. Eine schon soweit gefällige Akkorde, aber fern narrativer Dichte und Genauigkeit. Eine Entzauberung, ein lediglich trügerisches Glück, ein theoretisches Bereithalten aller Voraussetzungen, die aber noch nicht und später bedauerlicherweise auch nicht mehr in die Praxis umgesetzt werden. So geht es hier getreu der Expansion des Organisierten Verbrechens auch mal in den Urwald, statt einem Reiseausflug in Gewalt und Tod aber eher die Kaffeefahrt per 25km/h Tempo mit dem fliederfarbenen Überlandbus; eine Szene, die so tatsächlich vorkommt und ebenso symptomatisch für das Drehbuch auch mit mehreren Haltestellen flankiert ist.

Unnötige Opfer der ausdehnenden Langsamkeit, da man sich nicht bloß im schnöden Dialog ergeht, sondern auch noch Witze Marke buddy picture einstreut und ganz allgemein die Szenerie von Malaysia viel zu sehr in Richtung touristischem sightseeing nebst anschließendem Waldspaziergang ausnutzt. Das moderne Südostasien mit lebhafter Mischung von chinesisch, portugiesisch, niederländisch und britisch beeinflusster Kulturen, Sitten und Gebräuchen stellt sicherlich gegenüber der sonstig verwendeten Republik der Philippinen die besserere geographische Alternative dar, wird allerdings auch nur zum Abklappern von Verkaufsmärkten, Bahnhof und anderweitiger Infrastruktur in das so nicht weiter visuell reiche Bild gesetzt. Als Ausrede, als Alibi für eine mild attraktive Hohlweltirrealität, als Anlass für vergleichsweise stetige Zänkereien, Haareraufen und Prügelszenen gilt dann auch die Einführung des erzählerischen MacGuffin:

Als zwei HK Cops [ Cliff Lok & Jue Gong ] einen Waffendeal sprengen und die mutmasslichen Täter festnehmen, sollen sie die aufgegriffene Susanna samt einer Diskette nach Malaysia abschieben; den Auftrag bekommen die vermeintlich am Schlechtesten im Distrikt Arbeitenden [ Sibelle Hu & Moon Lee ]. In Kuala Lumpur angekommen werden sie bereits von Inspector Tsui [ Lung Fong ] sowie dem Verbrecherkönig Ma Ko [ Cheng Chu-Fung ] und dem Schergen Chan Wai [ Benny Lai Keung-Kuen ] sehnsüchtig erwartet. Bald brennt die Boomtown.

Schön wäre es zumindest, stattdessen wird sich mangels exzessivem Geldvorrat ein wenig auf den zwar bevölkerten, aber nicht gerade edel glänzenden Straßen eher weitab vom Verkehrsknotenpunkt duelliert; vorzugsweise per Handkante und Fußtritt auf rohe Weise blutige Nasen geholt und die zahlenmäßig überlegenen Gegner in die anliegenden Straßenstände getrieben. Größere Einlagen oder gar Kettenreaktion und Breitseiten an Durchschlagskraft halten sich gemäß des eher begrenzten Budgets notgedrungen in Grenzen und weichen allezeit bereitem empty-handed struggle ohne wirkliche stilistische Ambitionen. Einige eingespeiste Verfolgungsjagden sind nicht der Rede wert und hätten dank holprigen Schnitts, Anschlußfehler en masse und mangelndes Können mit dem ungewohntem Technikaufwand auch lieber beiseite gelassen werden sollen. Ruhmreiche Ausnahme im fist combat Allerlei stellt das viertelstündige Finale, ein unnachgiebig überfallartiger Showdown dar: Der verstiegen überspannten Attacke einer paramilitärischen Miliz auf die lokale Drogenfarm; einer verwaisten Plantagenanlage mit zugewuchertem Gutshaus.

Bis dahin springt die Handlung, bzw. die herumgeisternden Überbleibsel davon ein wenig ziellos zwischen den nur kurz ins Auge gefassten Parteien hin und her und konzentriert sich nach anfänglich eifrigem Hickhack schnell auf die unfreiwillige Partnerschaft von Polizist und Dieb.
Kampfzwerg Benny Lai, der bis dahin nur als thug, extra oder in Nebenrollen unter Jackie Chan ran durfte, formuliert hier nicht bloß das Augenmerk auf ihn höchstpersönlich in der Action Choreographie, sondern setzt sich – wohl um sich seiner selbst zu vergewissern – auch darüber hinaus am liebsten direkt in den Mittelpunkt des lückenhaft ausbalancierten Geschehens. Da er mit counterpart Sibelle Hu per Handschellen aneinander gekettet wird, fällt der am Ende ihrer Karriere bereits empfindlich aus der Form gekommenen älteren Actrice die zweite Hauptrolle, der des Stichwortgebers für allerlei primitiv-kindliche Gags um absichtliche und ungewollte Annäherung zwischen den Gefesselten und die aufgesetzte großstädtische Verzicktheit zu. Während Moon Lee als der strenggenommen primäre und wesentlich feschere Anreiz relativ schnell die Relevanz verliert, aus dem paradigmatischen ready for a fight mit verspätetem Rhythmusgefühl genommen und zwischendurch ganz zur Erholung auf das Hotelzimmer geschickt wird.
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Mittwoch, 6. Februar 2008

Review: Deadly Deal [ 07/02/1991 ]

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Langsam schließende Türen, versperrte Blicke, Fotos, die die Erinnerung begleiten und die Vergangenheit bereits als Reliquie kennzeichnen. Die Veränderung unter sich nahe stehenden Menschen, die sich im Hier und Heute zwar noch die grundlegendsten inneren Gefühle zueinander bewahrt haben, aber dennoch verschiedene Wege eingegangen sind und sich darüber und über die verstrichene Zeit eben doch voneinander entfernt haben. Ein nutzloses Festklammern an alten Gewohnheiten auf der einen Seite, ein stetiges, wenn auch teils ungewolltes Nachlassen auf der anderen, die Unzulänglichkeit im Angesicht ernst zunehmender Herausforderungen. Der Zwiespalt zwischen Wert und Wichtigkeit, zwischen Bedürfnis und Belange, und zwischen Schwäche und Sympathie ist der Grundkern vom bleihaltigen Deadly Deal. Einem weitgehend unbekannten, da auch gerade in der Verbreitung eingeschränkten Heroic Bloodshed Drama, das in seiner Unversöhnlichkeit verharrt. Erst die Chronik einer Liebe, dann der Kampf zweier Seelen, im Eifer des Gefechts von Druckwelle und Pulverexplosion.

- "I never thought it would come to this."
- "That's life. I believe in love, you believe in money. Two different roads."

Die Ummantelung der gewichtig gespannten Angelegenheit besteht aus Standardsituationen, wie man sie in jedem handelsüblichen Vertreter der Gattung vorfindet, sogar auch mit entsprechenden Darstellern geschmückt, die nicht nur in dem Jahr eng mit dem Genre verbunden waren, sondern geradezu als Ikonisierung im Milieu verwachsen sind. Der Prolog gibt die Marschrichtung in bereits eindeutiger Manier vor, dreht dann ab der Hälfte dennoch leicht ab, ohne gleich ganz die Kurve aus dem Klima von Mord und Totschlag zu nehmen, sondern sich nur vorübergehend in einen illusorisch besseren Lebensumstand auszuquartieren.
Dass die verträumte Sicht aufs Meer hinaus, innige Umarmungen, Schwüre und Prophezeiungen einer vermeintlich rosigen Zukunft nur der Anfang vom Ende und so nur ein kleiner Ausweg aus der trist-desolaten Mitwelt sind, ist dem Zuschauer eher und eindeutiger bewusst als den zu sesshaften Figuren, die die Momente des Scheiterns nur hinauszögern, aber nicht verdrängen können und stärkeren Widerstand als erwartet überwinden müssen. Mithoffen und Mitbangen kann man ja dennoch, auch wenn die Konflikte schnell an den Siedepunkt getrieben werden:

Die beiden Konkurrierenden Drogenhändler Steven Tsang [ Stuart Ong ] und Boss Kuen [ Lau Siu Ming ] haben jeweils unabhängig voneinander das gleiche schwerwiegende Problem. Ihre Verkäufe stagnieren, bzw. wird bei der jeweiligen Übergabe immer unplanmäßig aus dem Hinterhalt das Feuer eröffnet, die Schergen wie Fliegen getötet und das teure Gut entwendet. Dahinter steckt Kuens rechte Hand Ricky [ Ricky Yi ], der nicht nur seinen Leitwolf ausbooten und sich selber die goldene Nase verdienen, sondern auch dessen besten Mann Raymond [ Ray Lui ] als Sündenbock für die auftauchenden Probleme verantwortlich machen möchte. Als dieser in den eigenen Reihen auf die Abschussliste gerät, schlägt er sich auf die Partei vom scheinbar nobleren Tsang und dessen rechter Hand Ken [ Kenneth Chan ] und entledigt sich der nunmehrig gegnerischen Organisation. Dort winkt zwar erstmal das schnelle Geld. Allerdings bandelt Rays bester Freund Simon [ Simon Yam ] ausgerechnet mit Eliza [ Elizabeth Lee ], Tsangs properer Mätresse an.

- "I'll tell you this for old time's sake: Money never counts for much. No matter how much it's never enough."
Personen, die im wahren Leben und im filmischen diesselben Namen tragen tun Dinge, die man zumindest auf der Leinwand von Ihnen schon hundertmal gesehen hat und sagen auch die folglich nahezu flüsternd mitlesbaren Sätze auf. Überraschungen gibt es vom souflierten Drehbuch her keine, eher werden absolute Vorgänge in halbherziger Lektüre suggeriert. Abweichungen vielleicht nur in der leicht unüblichen Konzentration auf das eher außenstehende Liebespaar statt dem dezentralen Verhältnis der autonomen blood brothers Ray und Simon, die seit jeher durch dick und dünn gegangen sind, und nur die letzten Jahre durch einen Auslandsaufenthalt getrennt waren. Und in der zeitweilig aufkommenden Intensität des eigentlich doch schon dutzendweise vorgelegten, nicht gerade verschleißfreien Geschehens, dass durch eine eigentümliche Beobachtung einer wie unter der Glasglocke gehaltenen und mit eingebautem Mikrofon abgehörten Artenkultur auffällt.

Sind felsenfest beharrende Taten und Worte sowie Figuren der brutalisierten / kapitalisierten Männerwelt bis in das kleinste Detail vertraut, so wirken ihre Handlungen gleichzeitig abgestumpft, gleichmütig und unterstreichend hervorgehoben. Die Betonung hinsichtlich Aussprache und auch Ausdruck einschließlich Gesten, einschließlich gar des Klangs vom Trommelfeuer plus den einschlagenden hit squibs erwecken den Anschein einer Fülle aufschlussreicher Akzentuierungen, die gar nichts Neues formulieren, aber das Traditionelle schärfer erfassen und sparsamer koordinieren.
Eine unterschiedliche Betrachtungsebene, eine Frage der Aufnahmetechnik, der Bedachtsamkeit der Montage, der geruhsamen Ebenmäßigkeit von Dialog und Ambiance. Wie eine neue ereignisgesteuerte Abtastung, die das alte Material voll postmoderner Identitäten buchstäblich impulsgebend vertieft und aus dem gewohnten flüchtigen Erzählstil und der schon eher schemenhaften Erzählung erfrischende, fast originalverpackte Facetten von verdrängten Gedanken und unterbewussten Gefühlen zum Vorschein bringen kann.

Universelle Einschnitte, die die bisherigen Denk- und vor allem Empfindungsstrukturen und die sinnfällige Wahrnehmung der dann doch speziellen Situation ebenso kundenspezifisch erweitern; dicht an der Isolation, der Desillusionierung, der Abstraktion und Vereinfachung angesiedelt und zwischen trivial Plakativen und perspektivisch Verzerrten schwebend. Vor Jahren, als Beide noch jung und unschuldig waren, hat Simon seinen Gegenpart Ray in die kriminelle Szene eingeführt, kurz bevor er sich in die USA absetzte und dort mit einer von Ray zum Abschied geschenkten Kamera seine berufliche Laufbahn als Modephotograph begann. Jeder hat den Anderen entscheidend beeinflusst und ihm quasi nicht nur das Leben zu verdanken, sondern auch wie er seine Existenz und wohin sie ihn führt. Einmal als Segen und einmal als Fluch.
Nun ist es an der Zeit, die damalige partners in crime Parallelität und das derzeitige Auseinanderliegen sowie die differierende Vorstellung vom Sein und der Realität zusammenzufügen, sich entgegen ihrem Charakter oder ihrem Vorleben erneut dem Bündnis von unabdingbar brüderlicher Freundschaft und emotionaler Kollegialität zu vergewissern und gemeinsam statt getrennt in die Gefahr zu begeben. Zu zeigen wie seelisch belastbar sie tatsächlich sind, auch wenn sie schon hinlänglich viel erlitten haben.

Ein Gang Seite an Seite aus dem Waffenstillstand hinaus, die letale Abwärtsspirale hinab, in den finalen Schießstand, der von namenlosen Handlangern mit Mordauftrag und Unterschallmunition bevölkert wird.
Auf ihre eigene losgelöste Art inszenatorische Kabinettstückchen dann die Shootous: Wie beim kaltblütig überlegten Blitzschach. Kleine, knappe, taskbasierte Auszüge eines dekomponiertes Strategiespiels. Rapides Einschlagen der noch zischenden Projektile. Sekundenpartien an Gewalt und Vernichtung, deren fehlende Bedenkzeit nur von souveränen point shooting Offensivfanatikern beherrscht wird.
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Montag, 4. Februar 2008

Review: A Fiery Family [ 1989 ]

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Blut ist dicker als Wasser.
Was der Volksmund schon lange weiß, ist auch auf ewig die Maxime im Heroic Bloodshed Genre, einstmals und heutzutage, wo ebenfalls wieder erneut oder noch immer die Verwandtschafts- und besonders Bruderbeziehungen [ Brothers, Who's Next ] im engsten Zusammenhang mit der präsentierten Geschichte und ihren Verwicklungen stehen. Wenn es hart auf hart geht, wenn nichts mehr hilft, wenn Schon alle Anderen weg sind oder Freundschaft längst Vergangenheit ist, hält man in der Familie zusammen, egal ob man gleiche Interessen, Ziele, Motive hat oder sich überhaupt oder eher so gar nicht leiden kann. Ein nicht nur scheinbar statischer Zustand von alturistischem Einsatz, ein ewiger Zusammenhalt, ein status quo im menschlichen Kontakt, der durch [fast] nichts zu durchbrechen ist. Verschworen auf Leben und Tod als einigendes Kompositionsdoktrin.

A Fiery Family, eine Art Nachfolger zum vorjährigen A Bloody Fight, nimmt sich diese Devise in sonstig paranoider Gesellschaftsstimmung ebenfalls als Quellentext zur Brust und strickt daraus sein Manuskript eines beruflich verqueren, aber familiär geraden Lebensweges mit überlegener moralischer Autorität. Ein Gangsterepos auf kleinem Rahmen, dass sich geschickt den Anschein einer vermeintlichen Ausdehnung gibt, dadurch aber auch riskiert, sein eigentliches Dilemma ebenfalls selber zu erschaffen. Man bricht die in wunderbarer Rücksichtslosigkeit funktionierende Dramaturgie mittig eigenhändig auf und entwirft spontan eine narzisstische Rückblende mitsamt Prophezeiender Selbsterfüllung und zusätzlichem Nocebo-Effekt. Ein Stolpern durch die Historie, die die bisherigen Ereignisse vielleicht in aller Deutlichkeit noch einmal vom Ausgangspunkt her zeichnen vermag, aber weder bahnbrechende Erweiterungen im Wissenstand beifügt, noch die Charaktere durch den Überfluss an Informationen schärfer konfigurieren kann. Blind für die eigentlichen Belange wesentlicher Bestandteile wird durch die abrupte Arbeit an der eigenen Monumentalisierung vielmehr druckvolle Schnelligkeit und hitziges Gemüt aus der Handlung entzogen, sie direkt vom unprätentiös wildbeuterischen Fortgang mit vielen Risikofaktoren in den abgebremsten Schwung der Großen Reden gedrängt und auch noch Melodrama und beginnende Tragik eingespeist. Ein Trugschluss, mit plötzlich dämmerndem Verlustgeschäft:

Als die beiden nur nach außen hin legalen Gangsterbosse Law Chung Lit [ Lo Lieh ] und Cheung Tai Kuen [ Richard Cheung ] von Inspector Yeung [ Yeung Chak Lam ] und Kam [ Tai Bo ] wegen Drogenhandel verhaftet werden, bekommen die Gebrüder Ching [ [size=11]beim gleichen Frisör:[/size] Norman Chu und Eddie Kwan ] den Auftrag, den Solicitor Murest [ Ken Boyle ] umzulegen. Der ausgeführte Anschlag wird allerdings von einem Zeugen [ Ng Man Tat ] beobachtet, der den Killern ebenfalls die Polizei auf den Hals hetzt. Als die Chings trotz erbitterter Gegenwehr festgenommen werden, entschließt sich ihre Schwester Ming [ Che Ling ] samt ihrem schwer verschuldeten Ehemann Wei [ Gordon Liu ] zur Gefangenenbefreiung.

Ein ungestümes Formen und Vernichten von Individuen.
Wem hierbei schon der Kopf raucht, kann entweder mit den genannten Darstellern – allesamt Haudegen alter Schule – nichts anfangen oder ist der gewohnt holprigen Personen- und Themenbestimmten Erzählführung kantonesischer cheap crime thriller ungeübt und besitzt somit auch kein bewusstes Erinnerungsvermögen. Fern einem wirklich ordnenden Prinzip mitsamt einer einzelnen dominierenden Figur und auch abseits einer dramatisch totalitären Geschlossenheit beruht das hiesige Intrigenspiel wie gehabt mehr auf dem Erahnen kausaler Konsequenzen aus der allgemein gültigen Besinnung als dem Mitvollziehen jedes einzelnen Schritts.

Bittere Restriktionen im Präpotenz-Drehbuch und gezielter Einsatz von meist handgreiflich professioneller / resourcenkundiger Action kürzen zwar den narrativen Dschungel, lassen in diesem radikalen Abbau allerdings auch viele lose Fäden zurück, die dann auf einmal mit dem Großmut der viertelstündigen Rückschau ins Vergessen gedrängt werden sollen. Zusätzlich zu dem unnötigen Einblick, der nur unwesentlich mehr Tiefe als einzigen Vorteil herausschlagen kann, ist auch noch der schlagkräftig-derbe Prolog recht kryptisch und wie verspätet dran gehangen wirkend, fast ein anarchistisches Labyrinth der Verwüstung. Die nunmehrige Kette von streit- und rauflustigen Episoden zwischen Auflösung und Aufregung, Aneinanderreihung und Einreihung, Entwirrung und Kopflosigkeit wird allerdings gut unter das alles überschattende Arrangement des desorientierendes Überlebenskampfes auf der einen Seite und der gemeinschaftlichen Familie voll Fürsorglichkeit und Solidarität auf der anderen gesetzt. Die Sippe als Klammer der Abwehr von Unbill.

Ein eisern kooperativer Sozialverband mit umgreifend ethischen Sinnzusammenhang, in einer unversöhnlichen Welt voll Hass und Abscheu. Die Betonung dessen, die tief verwurzelte Geschwisterliebe, die genetische Berechnung [ [size=11]Schwager Wei ist mitverantwortlicher Auslöser der ganzen Unannehmlichkeit, wird aber für etwaige Nachkommen mitgeschleppt. Auch Verwandtschaft wird mittlerweile zum knappen Gut [/size]] als das vertrauenswürdige Motivationssystem, als unabdingbar verlässlicher Schutz gegen die unmittelbare Bedrohung von Außen. Regisseur Wilson Tong inszeniert dies unberührt von kultureller Sensibilität, auch abseits von Trauer, Wehmut oder gar Melancholie. Hingegen als Resignation, als Fluchtreflex, als Getriebensein ohne Licht am Ende des Tunnels, mit stetig spürbarer Gefahr, schnörkelloser Nüchternheit, kaum emotionalen, eher uninspirierten, manchmal auch plumpen Beschwörungen zwischen Verdruss, Überbelastung, Ärgernis. Eine unruhige, aber nicht hektische und dadurch effizient artikulationsfähige Montage mit rascher Schnittarbeit, waidwund-steifem Schauspiel, eindeutigen Gesten, verbalen Faustregeln, affektiver Teilnahmslosigkeit, unstilisierten Szenenbildern.

Ein emblemartig verallgemeinerndes Reglement, dass sich statt dem krakenhaften Gangstertum an der Machtspitze bevorzugt in verwahrlosten Gegenden rund um Schiffsfriedhof, zugigen Bretterbuden, beengten Ein-Apartment-Behausungen in der kargen Mitwohnzentrale oder gleich komplett in ausgebombt leer stehenden Totenackern totaler Zerstörung ansiedelt, öfters selbst aufs Tageslicht verzichtet und auch in Sachen Kleidung, Aussehen und Benimm wenig spendabel zeigt. Die vermeintliche Realität eher zur negativen Fabel mit parabelhaften Zügen aufgewertet, fern trügerischer Idylle sich nicht lange mit Vor- und Anrede aufgehalten, der Konflikt nicht erst etabliert. Die schieß- und prügelwütige Polizeiarbeit als großkalibrige Ergänzung und gleichzeitig Kontrast zum Triadenmilieu genutzt, dass im Finale auch ungewöhnlich für das Metier mit Straßen-Martial Arts und Machetenkampf angeheizt wird.
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Donnerstag, 17. Januar 2008

Review: Bullet and Brain [ 15/11/2007 ]

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2007 war kein gutes Jahr für Wong Jing, dessen verspannte Burlesken Niemand mehr sehen und schon gar Keiner darüber lachen konnte. Als löbliche Ausnahme in seinem sonstigen Komödienstadl und deswegen als letztes Residuum der einstmals treuen Fans wurde Späten Ende des Jahres immerhin der Hauch von Willen und Kreativität gezeigt, den man die letzte Zeit so schmerzhaft vermisst hat.
Bullet & Brain, Überbleibsel einer einstmals vielleicht doch so viel besseren Ära. Ehrensalut im anhaltenden Überlebenstrainung. Der Blick über den humoristischen Tellerrand hinaus ist sicherlich keinen brandenden Applaus oder anderweitig ausschweifende Beifallsbekundung wert, dennoch gehört der Film zu den immerhin Ansehnlichsten im trüben Herbst. Rein visuell in aufführungspraktischen Anforderungen allerdings nur, mit überreichlicher Erhabenheit, Erlesenheit, Herrlichkeit, allerdings nicht inhaltlicher Fülle ausgestattet. Ein edel blinkender Angelhaken ohne Köder.

Reiz ist Schönheit in Bewegung. Dieses Motto scheint sich Erstlingsregisseur Venus Keung Kwok-man bei seinem Einstand zur Brust zu nehmen, mit Fug und Recht auch, wenn man seine bisherige Karriere als director of photography bei z.b. Protégé, Seven Swords, One Nite in Mongkok oder Inner Senses betrachtet. Keung hat gelernt, aus Wenig Viel herauszuholen, das etwaig mangelnde Budget mit richtiger Bildgestaltung und der Lichtführung zu übertünchen und durch eigen schöpferische Ausdrucksmittel die optische Auflösung, die Dramaturgie und Inszenierung zu unterstützen. Unter formell künstlerischen und damit technischen Gesichtspunkten ist er seit Langem wohl der Talentierteste Reproduzent unter Wongs persönlich angeheuerten Marionetten, kann sein angelerntes Wissen auch gewinnbringend anwenden statt nur Befehle auszuführen und sorgt im alleinigen Verdienst für die grazile Wohlgestalt seines scheinbar voluminösen Projektes. Ein quod erat demonstrandum des Profilierens, dass seine überraschend hold selige Gestalt in imposanter Pracht dafür ausnutzt, den Film in die letzte Zuflucht organisatorischer und fachlicher Effizienz auch ohne gleichwertig respektables Drehbuch voranzubringen. Quasi ein Gleiten auf der Hymne der Bewunderung, mit mehreren Portionen Farbenkraft. Mit dem naiven Vertrauen auf die Bilder zum Sattsehen, nur ohne Geist, dem Lohn des Wissens und dem Genie der Materie:

Triadenführer Principal [ Ma Shu-Chao ] wird von seiner rechten Hand und auserkorenem Nachfolger Winston [ Andrew Wu ] betrogen und versteckt sich im Asyl. Da seine Enkelin Rain [ Tiffany Tang Yan ] trotz des Schutzes des Polizisten Fred Wong [ Alex Fong Lik-Sun ] vor Angriffen des unehrenhaften Emporkömmlings gefährdet ist, werden die beiden legendären Bullet [ Francis Ng ] und Brain [ Anthony Wong ] aus dem Ruhestand abkommandiert. Nur leider kennen sowohl Winston als auch sein neuer Geschäftspartner Simon Chung [ Eric Tsang ] deren Schwächen.

Interessanterweise sind dies genau die gleichen Blößen, die dann auch abträglich auf den Film selber zurückfallen und wohl eher die seines traumatisierten Autors Wong Jing sind.
Die Routine alltäglicher Verrichtungen. Das Faible für Althergebrachtes, dass sich im Abhaken phrasenhaft abgedroschener Nachahmungsprinzipien ergeht; die tragische Unzulänglichkeit, über die Synopsis hinaus zu interessieren oder etwas Unvorhergesehenes abseits von entbehrlichen Verschachtelungen zu implizieren. Die beizeitige Spannungsarmut aufgrund der Widerstandslosigkeit gegenüber Klischees und dem ewigen Wartespiel von weithin überschaubaren Konflikten schlägt sich in der rasch selbstvergessenen Verzögerungsdramaturgie nieder, die sich bezeichnend für das momentane Hongkong Kino in einem Aufsuchen der Stationen der Vergangenheit niederschlägt. Dabei spielt man eigentlich in einer säkualisierten Moderne, der Film ist in neun Jahren ab Jetzt gesetzt, also ein Once Upon a Time in Triad Society 2016. Trotzdem man in einer Welt der nahen Zukunft angesiedelt ist, so auch eine spürbare Aura des Kommenden um sich herum trägt und dies auch mit einigen entsprechenden Effektszenen dekoriert, ist man kein Projekt der Vorschau, sondern wieder eines der erinnernden Reminiszenz.

Ein eigentlich schöner Umblick, auch mit innovativem Charakter tief drinnen, aber ohne Fernsicht. Gefangen im Machtvakuum der derzeitigen Regeneration, die sich statt in rein erfrischender Wiederbelebung oder strikten Ausnutzung des verwirrendem Chaos in kinematographische Gewalt oftmals nur in eine instandsetzende Reparatur formuliert.
Bullet & Brain, ein Herz und eine Seele und trotzdem ein Widerspruch in sich, leiden stellvertretend für das Filmgeschäft an begangenen Fehlern, die zwar weit zurückliegen, aber sie immer noch plagen und so fürderhin auf die falsche Spur lenken. Die Absurdität des Willens verwandelt die äußerlich posierenden Machismo-Ikonen [ Wong und Ng vollziehen ihren vollkommenen, schon ins Blut übergangenen Exiled-Stil, dessen kleiner Bruder in Schräglage der Film dann auch zuweilen ist ] in empfindsame Neurotiker, die sehendes Blickes stur in ihr Verderben rennen. Der eine aus Schuld gegenüber einer Frau [ Liu Yuan Yuan ] und der Andere aus Liebe zu einer [ Liu Yang ]. Klassisch-romantische Motive sind das ja, aber hier dann doch zu kalt gefühllos arrangiert um über das bloße Vorhandensein zum Leben erweckt zu werden, ein wiederholter Rückschritt ins unnötige Nirgendwo anstelle eines Neuanfangs. Übermüdung aufgrund des Festhaltens an verblassten Regularien, ein häufiges Nichtstun, mit fehlenden Besinnungswandel und ausbleibendem Lerneffekt, dafür aber mit angewandtem Bewusstsein für Szenenstruktur, Timing und zumindest dem oberflächlichen Rhythmus.

Action ist mitsamt dem feschen Einsatz realer statt bloß getrickster Explosionen, elegant-kurzer Shootouts und leicht trockenem Martial Arts de facto gut gesetzt, aber trotzdem relativ enntäuschend rar, da es sich nie zu geräumigen Materialschlachten ausweiten möchte oder kann. Wenn allerdings Granatwerfer selbst für Kleinstziele wie Briefkästen eingesetzt oder die Schergen gleich bergeweise vom Hochhausdach geworfen werden verhilft dies der sonst ökonomisch-kleinhändlerischen Produktion zu einem willkommen rüstigen Sinn für trashige Auswüchse und entsprechende no nonsense - Unermeßlichkeit.

Ein eigentümlich Koketterierendes Requiem, dass sich nicht nur symbolisch auf drohendem Halbmast zurückverwandelt, aber dennoch seinen eigenen sympathischen Charme als rührigen Rettungsanker besitzt. Hervorstechend das sinnenhafte Prisma aus ständig verändernden Mustern punktueller oder weitflächiger Beleuchtung, Schimmer und Schatten, extremer Schnelligkeit und gedehnter Saumseligkeit, hautnah miterlebt in direkten Großaufnahmen oder distanziert unter Verwendung rund blickender Totalen. Eine ausgefeilt geschliffene Totengedenkmesse, die sich das hoffentlich nächste Mal trotzdem unbedingt mehr auf mentale Beweglichkeit fixieren sollte als nur darauf zu konzentrieren, welcher Bildausschnitt aus welchem Winkel und ob aus Front-, Seiten- oder doch Gegenlicht gefilmt wird.
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Dienstag, 15. Januar 2008

Review: Beauty and the 7 Beasts [ 26/09/2007 ]

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Womit ein Wong Jing mittlerweile sein Geld verdient und wie lange er sich mit seinem Konzept noch finanziell über Wasser halten kann, bleibt bis zur drohenden Insolvenz sein eigenes kleines Geheimnis. Die Strategie, sich wie die Jahre zuvor mit dem Kopf voller fremder Ideen an Altbewährten zu vergehen und die üblichen Elemente einfach noch einmal neu zu verrühren geht jedenfalls nicht mehr ewig auf. Fast jede frisch angekündigte Wong - Produktion hat bereits von vornherein den abgestandenen Geruch längst welk gewordener Beschwörungsformeln; ein flauer Nachgeschmack x-mal durchgekauter Themen und Motive, der mittlerweile auch nicht einmal mehr über die sonst überraschend flotte Besetzung gerettet werden kann. Ein unappetitliches Lameng, dass so gestrig ist wie der einstige Box Office Magnet selber. Die versiegende Dynamik und nachlassende Mobilität eines Haudegens, der früher auf zehn Filmsets gleichzeitig war und heute als müder Betrachter fast immer entsprechende Handlanger für sich arbeiten läßt. Kein Wunder, dass im inaktuell-fortschrittsfeindlichen Produktionsplan in der zweiten Hälfte des Jahres 2007 auch eine Fabrikation anstand, die das veraltet unzeitgemäße Support-Dilemma mit Verliererstatus ganz dick in allen Lettern ausstrahlt: Beauty and the 7 Beasts.
Gefangen in den 70ern.

Dem Anschein und verbreitetem Glauben nach eine ehrerbietige Wiedererzählung von Richard Yeung Kuens Lucky Seven [ 1970 ], der zu damaliger Zeit als Riesenerfolg prompt wenige Wochen später die obligate, ebenfalls im kristallklaren Schwarzweiss gezeichnete Fortsetzung Lucky Seven Strike Again nach sich zog.
In Wahrheit dient diese Vorlage aller höchstens als assoziatives Bonmot, als möglicherweise adelnder Aha-Effekt. Ein Service des ungetrübten Andenkens, der mitsamt dem Klassikerbonus die eigentlich vorhandene Exspiration und folglich Rückwärtsorientierung von Revierförster Wong verbergen soll. Sowohl dieser als auch Zweitproduzent Eric Tsang haben das anschließende Subgenre mit der Chasing Girls - Formel bereits eifrig in den Achtzigern beackert; How To Pick Up Girls oder Perfect Girls noch als die bezeichnendsten Titel.
Per Zeitmaschine heimwärts in die ruhmreiche Vergangenheit, zusammen mit der rhetorischen "Erkennen Sie die Melodie?" - Frage und einer Handvoll Binsenweisheiten, die handwarm wieder aufbereitet die Traditionslinien publikumsfreundlicher Übersetzung für das Hier und Jetzt weiter spinnen. Eine Dublette der bestehenden Situation, verdoppelt bei einer Begegnung mit sich selbst. Erinnerungsphantasie, zurückgekehrt aus der Zukunft:

Der alternde Filmstar Teddy Tam [ im Roy Orbinson-Look: Eric Tsang ] hat den Höhepunkt seiner Karriere längst hinter sich und lebt jetzt nur noch vom Ruhm vergangener Zeit. Die heimlich in ihn verliebte Haushälterin und Sekretärin Wendy [ Jo Kuk ] kümmert sich mühsam um das Nötigste; Teddy selber hat nur noch Mädels im Kopf, weswegen er sich ständig wechselnd diverse Stewardessen einfliegen lässt. Als das Geld knapp wird beschließt er, Fünf wissbegierigen Männern aus Tai Kok Tsui Nachhilfeunterricht im scheinbaren Prominentenmilieu zu geben. Tony [ Eddie Cheung ], Bruce [ Wong Cho-Nam ], Broke-back [ Gordon Lam ], The Preacher [ Chin Kar-Lok ] und Casanova [ Alex Lam ] zahlen auch fleißig für die Lehrstunden; vor allem, als Teddys uneheliche Tochter Pearl [ Natalie Meng Yao ] die illustre Runde betritt. Probleme tauchen erst auf, als Teddy vom einstigen Berufskollegen Rocky [ Nat Chan ] heimgesucht und erheblich unter Druck gesetzt wird.

Die Standards von gestern in digitaler Retrokultur, mit viel Entstellung, überhöhtem Extrem und second hand Vintage Oldies, die das Spaßmobil der Altherrenkutsche trotz allem Ballast auf die Überholspur bringen und das bereits imaginäre Publikum anlocken sollen. Ein für den Moment durchaus klassisch anmutendes Ambiente, die zwar die Illusion eines Freudenhauses verbreitet, allerdings mehr puritanisch als frivol und kindisch statt erwachsen formuliert ist. Wie auch bei den bisherigen Arbeiten des ausführenden Strippenziehers Chung Shu-Kai [ Nine Girls and a Ghost (2002), Feel 100% 2003 (2003) ], der als Wongs Handpuppe dessen wenige Ideen in provinzieller Langeweile bebildert, findet ein schlichtes, scheinbar wahlloses Ausschöpfen einer Reprise statt. Ein brüchiges, gleichzeitig konstrukthaft und konstruktionsloses Echo glorreicher Tage. Ein poussierendes Recyceln der Vergangenheit, dass seinen Spagat zwischen altersschwach hochbetagt und angesagt jung bloß mit der schillernd artifiziellen Einrichtung, farbkrachend balzenden Modeerscheinungen und dem Bedienen am Repertoire längst aussortierter Stile schaffen möchte. Ein Kokettieren mit der Gleichzeitigkeit von Alt und Neu, einer fälschlich abgeschabten Pseudo-Glaubwürdigkeit, in der Dekoratives und Verspieltes schon die halbe Miete darstellen sollen; und man sich trotzdem nur zwei Schauplätze leisten kann, die sich entsprechend schnell auch in dieser Mikrohistorie satt sehen lassen.

Eine bassinartige Kartonschachtel mit massig Sperrholzplatten stellt sowohl Teddys Heim als auch seinen Arbeitsplatz am Filmset dar; ein Schöntun in der Form, dass keinen direkten Bezug auf eine außermediale Wirklichkeit werfen vermag und mit Perücke, Schlaghose, Plastik, Glimmer und Glitter die üblichen Mängel im Inhalt und Zweifel an der Authentizität nur zeitweise überbrücken kann. Um beizeiten in einer Montage unlustiger, unter der Gürtellinie zielender, bisweilen geschmackloser Momente voll Zudringlichkeiten und Spott anzufallen; wie sie Wong seit eigentlich jeher, auch in derselben additiv kolorierten Mischung aus den Grundtönen Orangerot, Grün und Violettblau gestaltet hat.
In der anhaltenden Krise der Kreativität folgt Wongs gewohnte Überlebensstrategie: Eine Kopie privater Lieblingsnummern, deren Quellen sich trotz eventuell satirisch verzerrtem Bezug auch rasch im Fremdmaterial identifizieren lassen; obwohl man keine reine Parodie darstellt, ist der übernommene Anteil an Verknüpfungen, Verstrickungen und Verknotungen mit dem Themenkomplex von sowohl Stephen Chows King of Comedy als auch Neil Simons The Sunshine Boys zu offensichtlich entlehnt, um nicht aufzufallen.

Sobald es zu dem folgenschweren Zusammentreffen der einstigen Verbündeten im Filmbusiness kommt und es für ein geplantes Comeback zurück an den streitumwitterten Drehort geht, wird aus der gar nicht so nostalgischen Privatfehde eine konkret einbezogene Kintoppillusion mit dem anführenden Leitmotiv vom Sein und Schein. Eine plötzlich überraschend treffende Überschneidung von Dichtung und Wahrheit. Wie auch in derzeitig trauriger Realität werden die Lebenslügen, die Verblendung und Verwirrung der Beteiligten deutlich, eine radikale Demontage des eigenen Selbstbildes: Ein abgetakelter Produzent [ gespielt von Wongs Vater Wong Tin-lam ], der händeringend einen Hit braucht. Zwei bejahrte Schauspieler, deren Glanztaten längst passe sind und die dem Ruhm retour trotzdem krampfhaft weiter nachjagen. Mehrere schon sympathische Nebenfiguren, die gewiss auch etwas dazulernen wollen, denen aber sichtlich schon die Grundvorausetzungen für das Scheinwerferlicht fehlen. Ein Regisseur, der sich vom Endergebnis distanziert und aus Scham ein Pseudonym zulegt.
Die Welt ist eine Bühne, aber das Stück ist schlecht geschrieben und besetzt. Das bewusste Rollen- und Verkleidungsspiel ist im Film und vom Film eine steif formelle Knochenarbeit, spürbar nach Ansage und Probe und trotzdem mit missratenem Timing und ungeschickter Pausensetzung statt lebhafter Improvisation gehalten.

Trotz Potenzierung der Figurenzahl und Beschleunigung des Spieltempos kommt es zu keiner fortschreitenden Intensivierung auf der materiellen Ebene; aus der sensiblen Nachdenklichkeit über das Altern und dem versperrten Zukunftstraum im jeweiligen Original wird hier eine Varietéshow mit possenhaften Hofnarren an der Grenze zur Debilität. Ein zwischen Theaterklamotte und Maskeradenkomödie schwankende, rein mechanisch äußerliche Unterhaltungswelt mit unfreiwilligem Vorführcharakter. Ein durch anspruchslose Funktionalität auszeichnendes Skript, dass in seiner ebenbürtigen Inszenierung ohne die Verwechslungssituationen zu verinnerlichen rein oberflächliche Hindernisse auf türmt, und daraus folgend auch weder die Auflösung der Anspannungen erreichen noch ein Leben in Erinnerung und Sehnsucht, dem entgegen vielmehr nur einen Kehraus-Trauermarsch formulieren kann.
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Freitag, 11. Januar 2008

Review: Who's Next [ 26/10/2007 ]

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Who's Next geht unabhängig von Brothers genau den umgekehrten Weg. Eine verhältnismäßig gesehen ewig lange Vorlaufzeit, die die ersten festen Ankündigungen bereits ein halbes Jahr vor dem Kinostart verbuchte. Ohne sich überhaupt in die Köpfe der etwaig angepeilten Käuferschar zu brennen und nicht einmal wirklich die Voraussetzungen zu erfüllen, die eine Ausstrahlung vor zahlenden Publikum auf großer Leinwand gerechtfertigen würde. Auch hier zwar mit einer Handvoll vielleicht dem Eingeweihten bekannterer Namen versehen, die aber anders als die rüstigen Vorruheständler samt erlangtem Edelrentnerbonus keinen wirklichen Ruf im Geschäft und schon gar keine Anziehungskraft auf das Auditorium haben. Ein vielleicht etwas besser gestelltes b-picture mit betont unperfekter Illustration, dem es offensichtlich nicht nur finanziell an vielen Ecken und Enden fehlt und sich wohl deswegen auch in nur einer Idee mit repetierend wiederholenden Schauplätzen verbirgt.

Trifft man dabei sogar einige Deckungspunkte mit dem weit später entwickelten, aber zeitgleich an die Öffentlichkeit entlassenen Konkurrenzprodukt, dessem box office Erfolg man erwartungsgemäß rein gar nichts entgegensetzen konnte, und fährt man auch das gleiche Sujet ans Tageslicht, so unterscheidet sich vor allem der gebrochene Ton samt bearbeitender Behandlung. Hier findet man nicht den üblich prächtig erhabenen Akzent, den sinnlich verspielten oder pathetisch deklarierenden, nicht einmal den wuchtig entschlossenen vor, sondern vorwiegend nur den von Fax und Jux und Tollerei, noch zusätzlich in bleichsüchtiger low budget Manier und stumpfer Mitt-Neunziger-Optik.
Man möchte gerne eine trivial-unreale Satire sein, in gefakter Konstruktion und mit den Utensilien von Maskerade und Narrenkappe. Ein künstlich erarbeitetes, mit dem Zwiespalt von Inhalt und Reflexion auch etwas krampfhaft wirkendes Machwerk.

Das Spottgedicht gemäßigt greller Schimpfreden im kleinen Laienspielhaus ist schon vom Äußeren weithin erkennbar; der selbst gewählte Aufzug ist bevorzugt kunterbunt mit extra torrhaften Anstrich aus der Farbspritzpistole gehalten, das Schauspiel mild boshaften Gewitzels schweift von gelangweilt über uninteressant kalkulierbar bis hin zu grotesk überzogen, wobei besonders das letztere Merkmal auch öfters der drechselnden Dramaturgie einen Schlag von hinten auf den Kopf verpasst. Filmemacher Rico Cheung, der schon seit jeher Mädchen für Alles in der Laufbahn war und auch hier die Aufgaben von producer / writer / director in Personalunion übernimmt, hat sich augenscheinlich an seinem anamorphotischen Grundgedanken übernommen, dehnt ihn auf das ganze materielle Streckennetz aus und verliert deswegen nicht nur den Überblick, sondern unabsehbar die Spannung zuungunsten von Müßiggehen und Mutwillentreiben gleich mit. Fern von Verstand, Scharfsinn und moralischer Beurteilung bleibt der unsubtile Versuch einer treuherzig einfältigen Travestiere mit irre geleiteter Hingebung, eines entstelltes Zerrbildes in komischer Einkleidung, eines Festivals an Verhöhnung und Übertreibung.

Aufgrund der langwierigen Aufwärmphase und der scheinbar entsprechend vielen Proben sind die Teilnehmer der eher lächerlich als tragischen Privatrache immerhin schon vor dem Überqueren der Startlinie in Bewegung:
Hung Yua-choi [ Austin Wai ] hat sich die letzten Jahre ein wenig aus dem zunehmend hinterhältiger und tödlicher werdenden Triadengeschäft zurückgezogen, und es mit seiner Frau [ Kiki Sheung ] etwas ruhiger angehen lassen. Nicht mehr der Jüngste ist er mehr um sein Erbe beschäftigt. Sein ältester Sohn Ben Hung [ Gordon Lam ] soll nach manchen Fehlern in der Vergangenheit und dem noch wenige Tage dauernden Gefängnisaufenthalt ein neues Leben beginnen. Der jüngere Bowie Hung [ Tsui Tin Yau ] wurde komplett aus dem kriminellen Milieu herausgehalten, auch über die wahre Identität seines Vaters im Unklaren gelassen und befindet sich seit frühester Kindheit wohl behütet in den USA, wo er gerade das Studium absolvierte.
Als nach dem Ableben des bisherigen Gangsterführers die neue Wahl zum Oberhaupt ansteht, Hung zugunsten des aufstrebenden Sean [ Jordan Chan ] den Weg freimacht, allerdings durch einen Unfall von einem von Seans Schergen lebensgefährlich verletzt wird, brodelt es in der Hak Se Wui.

Der noch beim Dreh verwendete Arbeitstitel The Funeral gab die Problematik und die Szenerie gleich mit bereits ausdrücklich wieder; nicht nur, dass die Geschichte voll mühsamer Hektik und Kurzatmigkeit mit einer Beerdigung einsteigt, auch die gesamte Narration dreht sich um die Austragung einer Trauerfeier. Sean, der zwar überhaupt nichts mit Hungs Tod zu tun hat, aber sofort in Verdacht und entsprechende Erklärungsnot gerät, möchte die Sache samt Leiche am liebsten schnell vom Tisch haben und drängt die nicht gerade befreundete Familie Hung zum Feuerbegräbnis. Diese wäre auch im Sinne von Inspector Dai [ Patrick Tam ] vom Anti-Triad Bureau, der ebenso so wenig Aufregen und Aufwand wie möglich haben will. Die Ehefrau und die Söhne sind allerdings gegen den Abschied im Krematorium und möchten eine angemessene Totenfeier mit ehrwürdiger Grablegung.

Einige weitschweifige Wendungen später, die mehr ein penetrant inkonsequentes Hin und Her mit naiven menschlichen Gebaren statt einem wirklichen Fortschritt darstellen, hat man ein emsiges, aber ungelenkes Aussitzen auf kleinem Raum zwischen Klappstuhl, Styropor, Notausgängen und Warenkartons gesichtet. Mit offenkundigen, aber nicht gleich gravierend niederschlagenden Mangelerscheinungen an Ausstattung, Figurenzeichnung, Kreativität und Talent. Auch wenn man die belanglose Fragwürdigkeit / kuriose Würdelosigkeit der Charaktere nicht weiter beleuchten kann, einen gewissen Sinn für das Schräge bezüglich fixierter Abstraktion mit etwaigen Trashflair mag man der recht kleinkrämerisch-unmodernen Gaunerfabel aber nicht abstreiten. Zeitweise blitzt tatsächlich das Absurde in der regelkonformen Tradition, dem im entscheidenden Momenten verlangten, aber eigentlich völlig unlogischen Ethos auf. Zwischen dem normalen Verhalten, dass ständig auf seine Zweckmäßigkeit hin verifiziert wird und der gebräuchlichen Sinnesart, die sich aufgrund ihrer formellen Korrektheit schon nahe an versteinerten Interpretationsmustern befindet:
Das verlangte Die-letzte-Ehre-erweisen gegenüber Jemandem, dem man bei Tageslicht verfeindet gegenüber gestanden oder noch nicht einmal respektiert hat. Der Kontrast, der zwischen der Erkenntnis zum Handeln steht. Die Abweichung von Vernunft, Geschmack, Tugend, sowohl im Film als auch von ihm aus.

Dabei nimmt man sich der in Election präzisierten Wahl durch Abstimmung und der dahinter stehenden Funktionsweise samt des Zahnradgetriebes der Triadenorganisation an, begründet mit den stillen Hintermännern, viel niedrigen Pöbel und ihren stetigen Schwankungen zur jeweilig gewinnbringend erscheinenden Machtseite eine gleichfalls verwickelte, nicht automatisch ähnlich geistreiche Geschichte, in der Irrtümer, falsche Schlussfolgerungen und zeitlich ungünstige Entscheidungen die Figuren reichlich durcheinander bringen. Überzieht dies generell auch mit den gewohnten Stilen und Motiven der entsprechenden Gattung, mischt aber Verharmlosungen und stetig karikierendes Spottbild darunter, auch wenn dies zuweilen nur aus albernen Kleiderwechseln und schalkhaften Versteckspielchen statt verächtlicher Beleidigung oder ernsthafter Bosheit besteht. Gerade Sean führt sich nicht nur wie ein harlekinisch lamentierender Diktator einer phantasierten Bananenrepublik auf, sondern zieht sich auch aus zusammengewürfelten Bestandteilen verschiedenen Uniformen an, wobei er seinen Possenreißer-Aufmarsch öfters wie Revolutionär Castro auf Kriegsübung in olivgrün mit Zigarre hält.
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Dienstag, 8. Januar 2008

Review: Brothers [ 18/10/2007 ]

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Zwei Monate von der Ankündigung bis zum Kinostart, zwei weitere bis zum Erscheinen auf DVD. Brothers vollzieht zumindest in der Produktion die altbewährte Ex-und-hopp Formel im selbstgewählten Schnelldurchlauf. Ein in aller Hast Einprägen, dass durch rasches, aber umso eindrückliches Aplomb seine Wirkung nicht verfehlt. Ein sicheres Auftreten mit gehörigem Nachdruck, dass in der Erinnerung kramt und längst Vergangenes wieder zum Vorschein holt: Der Film als die Reunion der TVB Five Tigers; einer Gruppe Schauspieler, die gemeinsam in den Achtzigern im kantonesischen Fernsehen für Furore und entsprechend hohe Einschaltquoten gesorgt haben, eigentlich bereits 1991 mit The Tigers wieder vereinigt auf die Kinoleinwand gebeten wurden, aber nun doch noch einmal ihren zweiten, wenn nicht gleich dritten Frühling feiern dürfen.

Als Produzent des wallfahrenden Comebacks der wahrlich nicht immer erfolgreichen und in den letzten Jahren doch eher vernachlässigten, bzw. immer noch oder erneut auf der Mattscheibe gestrandeten Altherrenriege legte sich verstärkt ihr fruchtbarstes Mitglied Andy Lau ins Zeug. Lau, der seit den ehemaligen Tagen eigentlich ununterbrochen Kassenmagnet Nummer Eins und Liebling aller Printmedien ist, sorgte durch seine als Cameo gedachte Teilnahme im Film auch gleich für das nötige Prestige und den entsprechenden Rummel um das verspätete Klassentreffen mit Stufenfestcharakter. Der Gastauftritt wurde gebührend der bankability Prominenz zur eminenten Nebenrolle ausgebaut; auch um von der Tatsache abzulenken, dass einstiges Mitglied Tony Leung Chiu-wai nicht nur nicht in Erwägung für eine Rolle, sondern auch nicht einmal kameradschaftlich zur Premiere eingeladen wurde. Um böses Blut unter einstigen Gesinnungsgenossen, um die Veränderung der Gegenwart zur vermeintlich glorreichen Vergangenheit und um die im Kollektiv verhandelten Debatten über Machtstrukturen und Diskurshoheiten geht es dann auch im Prozessions-Film:

Gangsterboss Yiu [ Miu Kiu Wai, der schon im Ruhestand war und sein Geld im Optikergeschäft verdiente ], der nach dem Rücktritt seines Vaters Tin Tam [ Wang Zhiwen ] die Geschäfte übernommen und sie zumindest nach außen hin in die Legalität gezogen hat, hat mehrere Probleme am Hals. Nicht nur, dass ihm ein Gehirntumor im Spätstadium zu schaffen macht, auch die Konkurrenz mit Uncle Nine Yim [ Henry Fong Ping ], dessem Sohn Kui [ Ken Tong ] und Scherge Chacha [ Teddy Kin ] wagt sich sehr dreist in den offenen Aufruhr. Dazu nutzen sie auch die Mithilfe der Polizei, dessen ständigen Durchsuchungen durch Inspector Lau [ Andy Lau ] und Sergeant Lam Sun [ Gordon Lam ] der empfindlich genervte Yiu bloß abgespannt durch seine Freundin und Anwältin Chong Ching [ Betty Huang Yi ] niederschlagen kann. Als sein Vater durch ein Attentat schwer verletzt ins Krankenhaus kommt und die an Alzheimer leidende Mutter [ Elaine Kam ] auf sich allein steht, holt Yiu seinen die letzten zwanzig Jahre in den USA lebenden Bruder Shun [ Eason Chan ] zurück; um gemeinsam mit Adoptivbruder Ghostie [ Felix Wong ] die Vergeltung zu starten.

Ein mit sichtlich Personenaufwand gestütztes Handlungsgerüst, dessen narrativer [Dialog]Vorbau auch gut und gerne für eine weit ausschweifende Abhandlung als hiesig vorgestellt ausreichen würde. Wenn man denn Intuition und Konzeption besitzt, aus dem Umfeld voneinander losgelöster, aber stetig überschneidender Herrschaftsverhältnisse auch das Eigenleben dieses undurchschaubaren Soziotops zu erforschen und beschreiben.
Geschickt sind die Verweise auf die Historie der Tang-Dynastie, speziell dem "Aufruhr am Tor des dunklen Kriegers", eine tödliche Rivalität unter Brüdern am 02.07. 626.
Das Drehbuch Selbsterfüllender Prophezeiung gibt sich allerdings nicht die Mühe, die Ursachen des Seins, die über das Erfahrbare und Wahrnehmbare hinausgehen in dem nun vorliegenden Fall zu entschlüsseln, sondern ruht sich mit vermeintlich gutem Gewissen auf der ebenfalls innerhalb zweier Dekaden geschaffenen historischen Überlieferungen, der Denkmalpflege im Gänsemarsch und seinen folgerichtigen Ellipsen aus. Nicht zum Verständnis erforderliche Dramenteile werden einfach weggelassen und ergeben so eine verkürzte Satzkonstruktion.

Wenn man schon in der Besetzung mit Institutionen allerorten aufwartet – selbst Kleinstrollen sind mit Blickfängen wie Wong Ching, Yu Rong Guang, Lam Suet und Eddie Cheung vertreten – kann man das Sichbewegen innerhalb von Organisationen auch per Weitergabe und Wiedergabe von Traditionen ausstaffieren. Sowohl die Problematik als auch Anlass, Motiv, Handhabe sind demnach wie weiland 1987 gehalten: Dem Beginn des Heroic Bloodshed- und des Triadenfilmes im ausdrücklichen, zumindest auch auf den Auslandsmarkt einwirkenden Sinn. Rein thematisch schon ein relativ eingeschränktes Subgenre. Ein Intarsienkabinett, dass sich gattungsmässig um die Konfrontation von Loyalität, Solidarität, Zuverlässigkeit und Anständigkeit gegenüber der Gruppe, der man sich verbunden fühlt und den eindeutig materiell bestimmten Werten und Zielen dreht und viel Augenmerk auf Durchgliederung, Rangordnung, Staffelung legt. Eine Auffächerung an widerstreitenden Individuen mit selten demselben Leitgedanken, noch seltener dem gleichen Beweggrund und schon gar nicht den identischen Arbeitsmethoden. Die Unterscheidung der Subjekte sowie die beginnende Reibung der Interessen und die handfeste Verdeutlichungsfunktion nimmt hier wie gewohnt den ersten Teil der Laufzeit ein. Das Ausleben des aufgestauten Grolls den zweiten.

Vom Einfachen das Beste, obzwar in Anachronismen, mehr Schau- als Überraschungseffekt und der schleichenden Erkrankung am sättigenden Überdruss. Ein reiner Demonstrationszug, in verlangsamt zerdehnten Blickwinkel. Ein leicht biederes Fernsehspiel mit Drang zur sterilen Stagnation. Zu erhaben, zu erlaucht, vielleicht auch zu selbstgefällig für die oberflächliche Aktion, die sich in einer späten Autojagd und kurzen Schusswechsel im Treppenhaus und Freien schon wieder erschöpft. Mit der überhand nehmenden Tendenz zum bürokratischen Formalismus, fern von Einsichten, Gemütsbewegung und Erregung.

Größere Facetten hat diesem schon in Stein gehauenen Material eigentlich nur Johnnie Tos Election - Zweiteiler abgewonnen, während der zahlenmäßig weit überlegene Rest sich genauso eng an die einstmals vorgebenden Gesetzmäßigkeiten hält. Das Verbindende in fast allen Entwürfen erleichtert für den Kundigen den Einstieg und bringt ihn um so manche inhaltliche Verlegenheit herum, bereichert ihn allerdings auch nur marginal. So wie der Film gedacht ist, als vorübergehende Wiederbelebung alter Recken, als kurzzeitige Besinnung auf einen Klassiker, so ist er auch formuliert und inszeniert. Mit stets wiederkehrenden Formen, zahlreichen Auftrittsankündigungen, die die Anhaltspunkte und Triebfedern eher vervielfachend hektographieren statt sie zu reinterpretieren oder gar zu brechen. Eine Arbeit der Restauratoren, die das über die Jahre verdunkelte Gemälde mit abermaligem Anstrich Aufputzen; unter Aufsicht von Museumsdirektor Lau, der als Finanzier neben der Beigabe von Wissen und Bekanntheitsgrad auch dafür sorgt, sich bei der Abwägung der Renovierungskosten gegen Neukosten für das Richtige zu entscheiden. Verdienen statt Ausgeben. Untergänge statt Aufbrüche. Ein leises Scheitern ohne Revolte.

Beschäftigt mit Richtlinien, Regelungen und der versuchten Glorifizierung sowie wiederholten Neuerfindung und auch dem Widerstreit zwischen Vergangenem und Jetztgefragtem, aber ohne Zukunft wirkt das Projekt ein wenig zu geräumig, zu überzentralisiert, zu leer und zu träge, um richtig Fahrt aufzunehmen. Zwar kommen vor allem gerade in einigen Massenszenen die momentan entscheidenden Emotionen auch zum Tragen und ist das Geschehen selbst im Stillen mit mehr Temperament als vielleicht ein Wo Hu - Operation Undercover gefüllt, so stellt sich die Regieführung dennoch mehr als ein routinierter und auch distanzierter Versuchsablauf längerer Plansequenzen als eine mutwillige Inspiration dar. Das starre System von monokausalen Abhängigkeiten, das meist passive Spielball-Verhalten, der spröde Kampf gegen die Mythen und die wie erschöpftes Desinteresse wirkende Mimik und Gestik der Darsteller bremsen die bestechende Professionalität immer wieder in Richtung geläufiger Gewohnheitsarbeit mit Durchschnittspraxis aus. Der Film ist nicht klein, aber auch beileibe nicht verschwenderisch und fern von opulenten Extremsituationen oder enthemmten Bildphantasien gehalten; das Meiste der glockenrein gepflegten Optik schlägt sich in der Ausstattung nieder. Ein regelmäßig zwischen brauner Holztäfelung, ergänzt mit Schattierungen, Gravuren, Einfärbungen und schneeweiß-glasklarer Technikfassade abwechselnden Architektur, die die verschiedenen Ebenen der dramatischen Bühnenplattform voneinander abtrennt. Eine zweidimensionale Illusion in konventioneller Filmsprache. Hell und dunkel. Gut und böse. Selbsterkenntnisprozesse und leidige Erfahrungen. Weissagung und Erfüllung.
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