Mittwoch, 17. Oktober 2007

Review: Big Job [ 1998 ]

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Es gibt auch Filme, bei denen kein Flattieren hilft, bei denen man noch so sehr säuseln, schmeicheln, sie aber dennoch nicht glaubhaft schönreden kann. Big Job ist eine große Aufgabe für die ganz Hartgesottenen. Für Diejenigen, die uneinsichtig, unbußfertig und wider besseren Wissens den Gang in das Übel wagen, sehenden Blickes noch jedem Schrecken trotzen und sich nicht zu schade dafür sind, zugunsten des Abklapperns der zu Recht unbekannten Werke auch mal herbe Niederlagen einzustecken. Zwar macht auch diese Dream Movie Entertainment / Tonrock International Investment Ltd. Produktion auf die ersten Meter und besonders den Ausgangs- und Eckdaten alles richtig, aber verliert dann schnell den Halt und fällt ungebremst ins filmische Aus.
Zumindest das Wissen um die weitere Karriere von sowohl Darsteller Chin Siu-ho als auch Regisseur Lee Chiu wurde hiermit ergänzend gdehnt und ein erneuter Schritt in Richtung Vervollständigung getan, wenn auch mit Schmerzen. In guten wie in schlechten Tagen.

Beide haben in den 80ern und frühen 90ern das kantonesische Actionkino vielleicht nicht erweitert, aber zumindest bereichert, auch da schon von der zweiten Reihe aus schießend die B-pictures veredelt und sich allgemein einen würdigen Namen mit kleinen, aber schnellen und knackigen Mittelklassereissern erworben. Die nunmehrige Tragödie im Wandel vom Qualitäts- zum Billigprodukt lässt nur noch wenig von der ruppigen, aber wenigstens effektiven inszenatorischen Kraft eines A Punch to Revenge [ 1989 ], Mission of Condor [ 1991 ] oder Marked for Murder [ 1992 ] anmerken, auch Akteur Chin ist hiesig weit davon entfernt, direkt neben Jet Li platziert auf der breiten Leinwand herumzuturnen. Das ernüchternde, vielleicht auch frustrierende Sichgehenlassen nach dem stetigen Hinabsinken in das trübe Loch der Gegenwart macht sich gerade bei ihm auch körperlich bemerkbar; neben einem losen Haarschnitt, der mit seinem flauen Pferdeschwanz höchstens einem small-time crop zur Ehre gereicht, hat man auch sichtlich Kummerspeck und unreine Haut angesetzt. Die ruhmreiche Vergangenheit formuliert ihn trotzdem zum Zugpferd des vorliegenden Geschehens; abseits dessen lassen weitere anreizende Lockmittel allerdings auch lang auf sich warten. Ein Masochistischer Behelfsplan für den Notstand, zwischen Abrissbirne, Verputzplatten und Brachland:

Als sein als Undercover-Cop tätiger Bruder von den Gangstern Lung [ Leung Hak-Shun ] und Wan [ Suen Kwok-Ming ] aufgedeckt und getötet wird, sucht der gerade aus England zurückgekommene A-Jei [ Chuek Wai-Man ] blutdurstige Rache. Dazu schmeißt er sich erst an die Tochter von Lung heran, werkelt sich dann in dessen Organisation nach oben und erschleicht sein Vertrauen. Währenddessen versucht Chang Jiaming [ Chin Siu-ho ], head of serious criminal events, sein Glück von offizieller Seite aus.

Der Film selber probiert es mit göttlicher Hilfe, experimentiert mit dem Heil in die Flucht und hält sich darüber hinaus noch schadlos an Bewährtem fest. Zu Beginn darf man noch frohen Mutes auf ein asketisch enthaltsames, aber die züchtigen Möglichkeiten zumindest ausnutzendes Sparprodukt aus dem Discounter-Regal sein, sich an strammen Einstiegstempo, rapide abgeschnittenen establing shots und kompromisslos verkürzten Dialogen erfreuen. Ein fliegender Start, der Hoffnung auf unkomplizierte, beweglich-agile, knochentrockene Basiswartung verspricht und für einige Minuten auch erfüllt. Die Handlung mitsamt einem Bandenkrieg und einer rabiaten Chinagang für Genre und Zunft fortdauernd bewährt; zwar jenseits jeder ingeniösen, kreativen oder sonstwie intellektuellen Anarchie am Rande des Bankrottes angesiedelt, aber wenigstens an ungebrochener Heimatpflege interessiert: Hemmungslos wird sich bei Andrew Laus To Live and Die in Tsimshatsui [ 1994 ] bedient; nicht einmal so sehr in der Gedankenlinie selber, aber in der Direktübernahme prägnanter Szenen, die unkollegial im regelrechten 1:1 übernommen wurden.

Die erste Ernüchterung kommt dann nicht einmal durch das hereinbrechende stock footage, dass sich zwar anfangs auch einer einleitenden Actionszene bedient - [könnte gar aus Mission of Condor sein, aber Schießereien auf Containerplätzen gibt es wie Sand am Meer] -, aber baldig darauf ausruht, einfach nur die Aussenlocation zu sparen. Das Budget lag wohl möglich so niedrig, dass wahrhaftig die Schauplätze aus anderen Filmen einspeisend vorgegaukelt werden; die Sicht auf das Polizeiquartier sowie eine Lagerhalle und ein Blick aufs Meer hinaus stammen aus einem schon von der Bildqualität und dem aspect ratio überdeutlich verschiedenen Material. Dass die Innenaufnahmen nun auch nicht gerade vor Anmut und Schönheit übersprudeln, sich die Oberen Triaden in etwas aufhalten, was wie ein sehr schmales Jugendclubhaus mit Plastiktisch und grünen Ledersesseln aussieht und man sich auch sonst nur in den schummrigsten, lumpigsten, beengtesten Orten aufhält, verwundert dann wohl Niemand mehr. Wenigstens konnte man sich mehrmals etwas Gutes für Leib und Seele tun: Dampfbad, Sauna und Massageparlour zählen ebenso zu den aufgesuchten Wirkstätten wie auch die anliegende Nachtbar, incl. der traditionellen Schlägerei.

Action selber ist dann auch so sporadisch gar nicht; spärlich in Bezug auf Quantität und Qualität im Vergleich zu finanziell und schöpferisch vorteilhafter versorgten Fabrikaten sicherlich, aber für Zweck und Herkunft erfüllt man trotzdem seine Mittel. Gleich als Opener stürzt Jemand durch einen Glastisch, weiter geht es mit einem missglückten Waffendeal, der Beseitigung des Spitzels, einer Kanaillenhaue, Attentat und Razzia; sogar der anonyme Hauptdarsteller beweist sich in den aktiven Einstellungen als halbwegs fähiger Könner, der sich in Aktion und Reaktion gewandt durch die gegnerischen Mauern schlägt. Schade nur, dass man dort die Kamera zu ungeschickt, widerspenstig, übermotiviert herum schleudert und der Ton + Toneffektschnitt nicht nur stetig gleich bleibend, sondern auch in heilloser Übersteuerung innehält. Diese Art der komplett verhunzten digitalen Nachbearbeitung kann man nur als Armutszeignis bezeichnen, selbst für einen schlechten Scherz reicht es nicht mehr.

Schlimmer erwischt es nur die Optik, die offensichtlich von behelfsmäßig arrangierten Streikbrechern arrangiert wurde und dem Begriff Zelluloidmüll seine wahre Daseinsberechtigung gibt. Natürlich wurde auch hier die DV-cam benutzt, allerdings bekommt man nicht die übliche steril-aseptische Klarheit, den unfilmischen Naturalismus ähnlich einem heißblütigen Heimvideo geboten. Sondern eine Sicht wie durch die verdreckte Milchscheibe, alles recht stumpf, dunkel, ausgebleicht und blass. Mit kaltem, unvorteilhaft verschandeltem Licht, ohne Glanz, ohne Klasse, mitten rein in die Bedürftigkeitsfalle.
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Dienstag, 16. Oktober 2007

Review: Blood Brothers [ 23/08/2007 ]

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Ein Neuanfang verbunden mit der Rückkehr in die Heimat. Ein Debüt, dass gleichzeitig ein Comeback darstellt, die Antrittsrede mit einer Wiederbelebung beginnt und den gesamten Erstauftritt auch als Regenerierung erscheinen lässt. Kein wirklich frischer Wein in die alten Schläuche, die nach der Haushaltsregel dann nur vor Vitalität zerreißen würden. Sondern eine Absicherung durch Erbe und Gepflogenheit, die einzig mit modernen Mitteln noch einmal und durch veränderte Zeit, Umstände und Blickwinkel auch noch einmal neu erzählt werden. Kein stures Nachempfinden vergangener Geschichten und verstorbener Bräuche, sondern das bewusste Ausruhen auf einstmals gebettete Lager, um mit wohlauf erhohlter Kraft eine unverbrauchte Vertrautheit mit Worten und Vorstellungen herzustellen.
Derartig kann man das momentane Hong Kong / China Kino am Besten, vielleicht ein wenig zu idealisierend umschreiben. Blood Brothers ist ein Musterexemplar.

Die Geschehnisse gab es Alle schon, auch die Bilder zehren von überlieferten Begebenheiten, von Hörensagen, Weitergabe durch die Alteingesessenen, von Alt zu Jung. Regisseur Alexi Tan, der zuvor als commercial director für Marketing und Promotion tätig und somit als ästhetisch kultivierter Gourmand beschäftigt war, hat sich dabei gleich von mehreren Quellen inspirierende Unterstützung geholt. Der Ausgangspunkt des Projektes, dass bereits vor drei Jahren seinen Anfang nahm, dürfte dabei durchaus in der anregenden Erleuchtung durch John Woos Bullet in the Head [ 1990 ] gelegen haben. Die impulsive pathologische Studie um drei fest verschworene Jugendfreunde, die auf ewig miteinander und für einander da sein wollen, selbst durch den Krieg nicht zerrissen werden, aber letztlich aufgrund unterschiedlicher Ziele und Werte doch verschiedene Wege gehen, war Woos persönlichstes, wütendstes, unversöhnlichstes und zerbrechlichstes Werk. Dass direkt durch reale Ereignisse und an eigenem Leib erlebter Erfahrung ausgelöst wurde und all den Grimm, Aufbegehren und Schmerz im Rahmen einer ausgeliehenen Genregeschichte mit eruptiver Brachialität regelrecht auf die Leinwand stiess. Obwohl bisweilen als Remake dessen propagiert und mit Woo selber als Produzent beworben hat Blood Brothers außer der Ausgangsidee ebenfalls dreier Männer, die sich seit frühester Kindheit kennen, einander vertrauen und gemeinsam in eine bessere Zukunft aufmachen, überhaupt nichts damit zu tun.

Der hiesige Film, in der direkten Übersetzung des chinesischen Originaltitels "Doorstep to Heaven" oder "Gate to Heaven" lautend, stellt vielmehr eine so stark variierte Übertragung dar, dass ihm die unnötigen und offenkundig einzig für die Verkaufsförderung addierten Querverweise bei einem strengen Blick nur schaden müssen. Tan hatte sich in privater Natur von den Erzählungen Woos animieren lassen, aber nicht nur den Schauplatz ins Shanghai der 30er verlegt, sondern auch die Handlung komplett umgruppiert, sie jeder gesellschaftspolitischen, sozialkritischen, [anti]militärischen Komponente und ihrem undogmatisch offenen Bau entledigt. Und sich statt eigenem Wissen und Wollen vielmehr auf die Grundzüge der Gattung verlassen. Heraus kam ein Gangsterdrama, das für sich alleinstehend gesehen immerhin visuell alles richtig macht, optisch auch blendend ausstaffiert, lieblich besetzt und in seiner geschmackvollen Schöngeistigkeit auserkoren makellos ist. Aber weder etwas Originales noch Individuelles oder zumindest Kreatives besitzt.

Kein eigenes Risiko. Kein eigener Gewinn.
Gesetzmäßigkeiten, die Grenzen setzen und man nicht überschreiten kann, solange man nicht den revolutionären Akt der Selbstbefreiung vollzieht.
Gleichfalls Motto für den Film als auch in ihm:
Jiaoli, in der Provinz Shaanxi. Der Fischer Ah Feng [ Daniel Wu ] wird von seinen Freunden Da Gang [ Liu Ye ] und dessen jüngeren Bruder Xiao Hu [ Tony Yang ] überredet, zusammen der Heimat den Rücken zu kehren, nach Shanghai zu gehen und dort etwas zu werden. Feng lässt sich durch die Aussicht auf Geld - die Freundin hat Schulden, die Mutter ist krank - überzeugen, muss aber schnell feststellen, dass auch in der Großstadt einem nicht alles zu Füßen liegt. Zwar findet er mitsamt den Brüdern bald eine Anstellung beim Gangsterboss Brother Hong [ Sun Honglei ], wird aber schnell mit der skrupellosen Brutalität und kaltschnäuzigen Erbarmungslosigkeit der Unterwelt konfrontiert. Dass er sich in die Nachtclubchanteuse Lulu [ Shu Qi ] verliebt, die sowohl Hongs Leibeigene als auch die heimliche Geliebte des Killers Mark [ Chang Chen ] ist, macht die Konstellation nicht leichter.

Das beehrende Spiel mit den strukturkonservativ-systemimmanenten Materialien gereicht dem Film genauso zum Vor- wie zum Nachteil; die Konzession an die Tradition erleichtert nicht nur den Einstieg, sondern auch die Übersicht über den desöfters kurzatmig stockenden Aufbau. Geschehnisse werden nicht in langwieriger Vorbereitung ausgebreitet, sondern im jeweiligen Jetztzustand angerissen; ein oftmals abruptes Hineinwerfen in die spezielle Situation, die auf zusätzliche Erläuterungen und detaillierte Entwicklung verzichtet und das wenige Gezeigte als Ausreichend betrachtet. Aktuelle Unannehmlichkeiten, Schwierigkeiten, Schwachheiten, Versagen, Probleme oder Verwirrungen werden abstrahiert von Bisherigen, nicht nahtlos miteinander verbunden, vielmehr mit harten Übergängen in Augenschein genommen. Ein vielleicht nicht diskontinuierliches Verfahren, dass aber recht gebrochen und unartikuliert, wie im Nachhinein stark abgekürzt wirkt und auch die ätherisch fragilen Figuren immer autark von den Anderen versiegelt. Dass man keine Probleme hat, der teuren Augenschmaus-Handlung voll weihevoller Noblesse zu folgen liegt an der Kenntnis der nahezu urkundlich beglaubigten Substanz und der ausreichenden Hinweise. Aber ein tieferes Eindringen in die apart fotogene Masse, hin zu Seele und Herz der Figuren, und ein Ausdrücken von elegischer Emotionalität und melancholischer Exzessivreflektionen gelingt damit allein nicht.

Wie auch in Woos Bloodshed-Werken, an die man einerseits erinnert, werden Vertrauen, Freundschaft, Brüderlichkeit, Loyalität, Integrität und ihre Antonyme als entscheidende Auslöser für den späteren Kampf um Leben und Tod herangezogen, allerdings nur in der rhetorischen Behauptung. Der Missbrauch von Glaube, Verlass und Sicherheit bleibt ein ebensolch hypothetisches Statement. Eingefroren in der edlen Ausstattung, dem formvollendeten Doktrin von Ritus und Zeremonie und dem Verstecken des inneren Seins hinter dem äußeren Schein erinnert man zuweilen mehr an das shakespearianische Drama der vorprogrammierten Existenzweise; zuletzt mit seiner "Konstante statt Selbstbestimmung" Formel in den vorjährigen The Banquet und Curse of the Golden Flower nachexerziert. Das komplette Gegenteil von zähnefletschend und zornentbrannt, eher Ungemein theoretische Gesten und Monolog und Dialog wie Amtshandlungen als rein funktionale Vorgänge gehalten. Mit genau inspiziertem Schematismus, der längst nicht nur zur Gewohnheit, sondern regelrecht zur majestätischen Selbstverständlichkeit geworden ist.

Auffällig dabei auch die Überschneidungen mit der damals beginnenden Filmindustrie, die immer wieder als gleichnishaftes Sinnbild, ja als schwärmerische Generalmetapher hinzugezogen wird. Brother Hong stellt in den Augen der Öffentlichkeit grosses Kino her. Lulu, die schon so zumeist vor dem Glitzervorhang parliert, möchte gerne ein Filmstar werden. Ah Feng lädt sie zum ersten Date in ein Atelier, in dessen sichtlich künstlicher Fantasielandschaft sie das einzige Mal unbeschwert sein kann. It's all in the movies statt it's all about love. Analog dazu das perfekte, aber ebenso ernüchternd artifizielle Setting von costume and image designer Tim Yip und production designer Alfred Yau, mitsamt Exaltierter Erzählweise und hochgezüchteter Inszenierung, die selbst die wenigen Actionszenen nach Theaterkunde aussehen lässt. Der unbedingte Stilwillen und die immerhin entsprechende Beherrschung der Festivaldramaturgie sind mittlerweile gängig, aber dennoch beeindruckend. Man verzichtet auf eine trockene Überanstrengung, einen übertrieben hartnäckig steifen Trott und den ewig wiederholenden Kreislauf, und konzentriert sich neben der annähernden Monochromatik der Bilder [eine gigantische Brau-in-Grau-Installation] immens auf den gnadenlosen Konkurrenzkampf von Licht und Schatten.
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Donnerstag, 11. Oktober 2007

Review: Hard Trail [ 1998 ]

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Dass auch die Schmiede Dream Movie Entertainment / Tonrock International Investment Ltd. sicherlich nicht alle tagelang die filmischen Goldnuggets aus dem Ärmel schütteln, vermerkt man an Hard Trail. Freilich lässt sich auch hierbei gut beflissener Funke und inspirierende Essenz hinter Produktion, Fabrikation und Distribution erkennen, das Pendeln an alten Traditionen entlang, die Sicherheit durch mehrere anerkannt bestätigte Mitwirkende vor und hinter der Kamera.

Dass allein dadurch noch lange kein Reißer für die nächste Generation herum kommt, dürfte klar und verständlich sein. Es geht um die seichte, eigengesetzliche, exotisch-fremde, unerforscht-fernstehende Unterhaltung fern des Einheitsbühnenbildes. Um das Wühlen, ja Suhlen im dunklen, feuchten, schwitzenden Sumpf abseits der tourismusverseuchten Blockbuster-Badestrände. Um die Essensaufnahme in der verwaisten, aber wenigstens individuellen Currybude mitten in der Einöde, statt nur die nächste Großküche anzupeilen und sich in die Schlange einzureihen. Natürlich braucht man noch zusätzlich das Hobbyfahnder-Faible für den Blick weg von den prunkend glitzernden Verlockungen, den vollmundigen Anpreisungen und den in monatelanger Werbestrategie entworfenen Überrumpelungstaktiken.

Hard Trail bietet diesen Kitzel der Attraktivität nicht, kann es auch nicht und leistet sich höchstens die kleine 08/15 Standardgeschichte voll privatem Ungemach, abgerundet mit einigen Ausflügen in die erwähnt versiffte Fast Food Stelle, einen sichtlich zerbombten Pferdestall, Hintergasse, engster Schmalspurbehausung und jeweils einer Büro- und einer Nachtclubhöhle. Bis auf die zwei Hauptdarsteller passt sich auch die äußere Erscheinung, speziell die Physiognomie der Figuren den lokalen Baracken an; außerdem tragen alle die Kleidung auf, die Michael J.Fox spätestens Ende der 80er vor Verschliss vom Leib abgeplatzt ist.
Die Handlung ist ähnlich neu:

Shenzhen, Huanggang.
Customs Officer Tang Chuen [ Chin Kar-lok ] regelt den Warenverkehr am Grenzübergang von China nach Hong Kong. Eigentlich ein rechtschaffener Mann, der nur die Einhaltung und Verteidigung der Gesetze und die bevorstehende Ehe mit Siu Fan [ Strawberry Yeung ] im Kopf hat, gerät Tang unfreiwillig in die Zwänge des Schmugglers Law Ching-yeung [ Mai Kee ] und seiner rechten Hand Wo [ Billy Ching ]. Diese erpressen Tang damit, dass er während eines Kampfes Lams jüngeren Bruder getötet hat und sie sich revanchieren, sollte er nicht wegen ihren Lieferungen ein Auge zudrücken.
Tang kommt ins Schwitzen.

Der Zuschauer nicht, dafür ist die Geschichte in seiner minimalen Vielfalt und der maximalen Einfalt zu lang gestreckt. Trotz aller finanziellen Auflagen und den Beschränkungen des damals sowohl gesättigten als auch baldig aussterbenden Marktes lässt sich ein eiserner Wille der Macher auf bestmögliche Ergebnisse immerhin registrierend schön reden, wenn nicht gleich komplett wohlwollender Betrachtung unterziehen. Nach einem gescheiten, wenn auch holprigen Start, bei dem ein blutiger Raubüberfall auf den Transport des Nationalschatzes vollzogen wird - [ = ein paar Schergen überwältigen ein paar Gepäckträger im Kulturpark, die gerade sichtlich leere Umzugskartons tragen ] - schweift die Handlung sinnigerweise erst einmal ab. Werden die großen Probleme ignoriert, so die Aufmerksamkeit auf weitere Dinge gelenkt und das Interesse durch narrative Umwege und der Herausstellung von Kontrasten statt dem geraden Gewaltmarsch erhöht. Wie der Mann vom Zoll an den Schmuggler gerät ist dabei gar nicht so ungeschickt gehandhabt, sogar mit einem kleinen zwischenzeitlichen Aha-Effekt und einem späteren Plottwist ausgestattet, die die Bonität kurzfristig verbessern. Das vielseitige Bemühen auf ein Mehr in Skript und Ausführung, in denen man gewisse Zutaten, Fähigkeiten und Entschlüsse zumindest im Vorsatz erkennen und in der beginnenden Ausführung erblühen sieht. Ist der Clou des unheilvollen Arrangements dann mal Anfang des dritten Viertels geknüpft, fehlt aber die frühherbstliche Zündung, der Druck aufs Gaspedal, das Schalten in die hochtourigen Gänge.

Gottseidank kürzt man die inneren Zweifel und überlegenden Gedankengänge von Tang Chuen auf einige ratschlagfragenden und tippgebenden Gespräche mit seiner angehenden Frau ab; auch die chinesische Bürokratie wird nicht über Maß strapaziert. Trotzdem vermisst man die Ausdrucksmöglichkeit hinter dem Geschehen, die Bedeutung und Bestimmtheit des Ganzen, die Momente von Bedrängnis und Gefahr, die Relevanz der moralisch widerstreitenden Kräfte und der beeinträchtigen Entscheidungsfreiheit. Dass sich Sachlage und Personenstatus unscheinbar schmächtig aufführen ist Eines. Dass Emphase, Energie und Intensität ähnlich pygmäenhaft kniehoch bleiben, eine andere.
Schnellere Abschnitte relativ rar, entwickeln sich aber ausdauernder und arbeiten dann gleichwohl mit der exakten Linie des gun fu Stils der 80er und 90er, sprich: Das meilenweit erkennbare Ärgernis, die pathetischen Ansprachen, das wilde Stürmen in die Deckung, die eigentlich unnötigen, hier auch etwas steif aussehenden Rollen vorwärts und seitwärts in die geeignete Schußposition, das insgesamt grobdynamische Bewegen, das wüste, ziellose Streufeuer, das gestrichene Nachladen, die deutlich auf Knopfdruck explodieren Blutpäckchen, die hohen Beinchen und fliegenden Fäuste beim infight.

Zum Teil schreiend lustig sind die typischen Logikklöpse nebenbei: Da wird so unpfleglich mit den entwendeten Dinosauriereiern umgegangen, als träge man nicht Darwins Erbe in der Sporttasche, sondern aufgepumpte Fußbälle mit sich herum. Die Polizei nimmt Telefongespräche mit einem verstaubten Tonbandgerät ähnlich dem DENON Tapedeck dr-m 11 auf und will dann noch weissmachen, dass man damit auch Hintergrundgeräusche heraus filtern kann.
Nicht nur da macht sich bemerkbar, dass mit Regisseur Heaven Yiu Tin-hung zwar dem Namen nach auch ein Fachmann für das ureigene Genre an Bord ist, dieser aber weder über die Filmographie noch das dahinter steckende Können eines Wong Jan-yeung verfügt und zackig exerzierte Action lieber mit unreifen Textpassagen zu geklautem Gary Chang Score ersetzt.

Yiu, dessen Karriere nie wirklich stagnieren konnte, da sie gar nicht richtig anfing, wurde mit der Zeit eher noch schlechter, gleichzeitig zu unbeholfen und zu statisch sicherer. Der Abstieg von Secret Police [ 1992 ] über Drugs Fighters [ 1995 ] zu Gold Rush [ 1998 ] zeichnet beispielhaft das rückläufige Nachlassen jeder speziellen Handschrift oder wenigstens einer spürbaren formalen Cleverneß hinsichtlich intrigantem Schwung auf. Die residierende Inszenierung mit linder Genauigkeit bleibt trotz aller vorhandenen Mobilität weitgehend gediegen, wie aus dem Episodenführer für angehende Telenovelas.
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Montag, 8. Oktober 2007

Review: To Kiss is Fatal [ 1998 ]

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Eine angenehme Überraschung, heimlich, still und leise, aber dafür mit Schleifchen aus dem Hause Dream Movie Entertainment / Tonrock International Investment Ltd präsentiert. Ein weitgehend unbekannter Vertreter ihrer durchweg anonymen, aber dafür zumeist erstaunlich gelungenen Produktionen, die im Subgenre der DTV Action oft kleine Glanzstücke darstellen. Da der symbolische Pfennig die nackte Wirklichkeit ist fließt auch bei Ihnen nicht Budget und Talent im Überfluss, aber das Haushalten und Wirtschaften mit den wenigen Penunzen gelingt häufiger und sicherer als üblich, und zudem zuweilen gar auf blendende Art und Weise. Sichtlich mit knappen Mitteln ausgestattet, verfügt man über den scheinbar unbedingten Willen, doch noch das Beste aus der allgemeinen Misere herauszuholen; es hilft natürlich auch, wenn man im Stabilitätspakt neben dienstbeflissener Energie und schöpferischer Kreativität bezüglich des geeigneten Skripts auch einen Regisseur vorrätig hat, der geradezu eine Ikone im Bereich des preiswerten Actioners darstellt: Wong Jan-yeung.

Für die Meisten ein großes Fragezeichen, aber besonders für die Anhänger derlei Arbeiten und deren einstweiligen Aushängeschilder Moon Lee bzw. Yukari Oshima durchaus einen anerkennenden Gruß wert, musste Wong wie Viele seiner Kollegen beim Niedergang des Filmgeschäfts auch mindestens eine Stufe hinabsteigen. Dass man auch hier in Wort, Bild und Ton eher an ein aufwendiges Heimvideo erinnert statt an einem Kinofilm ließ sich deswegen schwer vermeiden; aber im Gegensatz zu den anderen Nichtfachmännern und Scharlatanen kann Wong geradezu als prophetischer Heiliger auf seinem Gebiet zwischen Mangel und Mythos bezeichnet werden. Er bringt auch bei den Dialogszenen als besonders problematische Stellen durch flüssige Kamerawechsel, stramme Schnitte und interessante Bildeinstellungen Effektivität in das Geschehen, verhält sich auffällig betriebsamer und füllt den Raum statt mit den Klischees vom abgefilmten Theater und entsprechend trockenen Lückenfüllern tatsächlich mit einer Geistesblitz-Geschichte. Umrandet von einer fatalistisch-tragischen Liebe, die manch Zeit und Gelegenheit für asynchrone best of cantopop Karaokedarbietungen findet:

Kampfsportcrack Chen Xiong [ TVB semi-Star Frankie Lam ] kann es sich leisten, sein gesamtes Leben in der Turnhalle zu verbringen, wurde ihm doch von seinem mittlerweile verstorbenen Vater eine ganze Insel plus Villa vermacht. Als er seine Freundin Jin Li [ Jacqueline Law ] sowie seine Trainingskollegen zum Geburtstag in das Anwesen einlädt, passiert noch wesentlich mehr, als dass er nur die insgeheim in ihn verliebte Club-Partnerin Yi Hua [ Yukari Oshima ] vor dem Kopf stößt. Kaum auf der abgeschotteten Einöde angekommen, findet Chen Xiong mehrere Tote unter dem Dienstpersonal vor, auch sein Butler Fu [ Chan Lau ] wird bei einem Ausritt auf dem hauseigenen Motorrad durch ein quer über die Straße gespanntes Seil schwer verletzt. Die eilig herbeigerufene Inselpolizei kann allerdings keine Leichen finden. Und die Party fängt erst an...

Dabei ist die erste Hälfte der aktiven Liquiditätsauflockerung eindeutig die Geschicktere. Verbindet sie doch mehrere abweichende Elemente und standeswidrige Bräuche zu einem erfreulich stimmigen Ganzen, dass in Aufbau, Optik und Behandlung zuweilen gar an einen asiatischen Giallo erinnert und sich beileibe nicht hinter den artverwandten Death Curse oder Dating Death verstecken muss. Inhaltlich ein fortschreitendes Systematisieren, in der mehrere Spuren wie mit Brotkrumen ausgelegt verfolgt werden, die Praxis der Theorie vorauseilt und man sich rasch im Ungewissen verliert. Mysteriöses wie beim Wallace, incl. dem unheimlichen Schwarzen Kapuzenmann, der immer einige Schritte schneller ist und sein tödliches Katz-und-Mausspiel mit überlegener Allwissenheit zu treiben scheint. Und nebst dem subjektiven Blick, der den Zuschauer unweigerlich in die Täterposition zwingt.

Großartiges Setting - wie Schlosspark Pillnitz mit Pool - ,dass von außen schon den Eindruck der Sommerresidenz des sächsischen Hofes macht und sich alsbald reichlich Aufenthalt in einem geräumigen Salon verschafft, der wie viele Zimmer in diesem großherzoglichen Palais mit allen Schikanen der Innenarchitektur möbliert ist. Fein geschnitzte Rattanstühle, weitflächige Ölgemälder, Skulpturen, Gobelins und andere Ausstattungsgegenstände. Eine stabile Bar aus Eichenholz als angrenzender Zuschauermagnet, desweiteren klarweisse Marmorsäulen und edel gefüllte, mannshohe Pflanzenkübel quer durch die gesittete Arena verteilt, die in allen vier Enden mit jeweils einem ausgedehnten Treppenpodest versehen ist. Die für das sonstige Sujet komplett ungewohnte Mörderhatz verlagert sich einige Hilfeschreie, Grübeleien und Drohanrufe später in den Landschaftsgarten, wo man plötzlich kantige Martial Arts Eingebungen in den modernen Fulci speist und in die rapide Tritt- bzw. gar Schlag- und Nahdistanz wechselt.

Dergleichen waffenloser Zweikampf und Clinch-Situationen folgen dann noch häufiger, Plotteil #2 ist mit der handelsbeständigen Rachethematik formuliert, diesmal auch mitten in der Stadt angesiedelt und mit temporalen Ellipsen kreiert. Eine wesensfremde Abkehr von dem bisherigen Geschehen, nicht nur durch mehrere unvereinbare Rückblenden. Das nunmehr landläufige Einer gegen Alle wird durch einen knappen Hintergrund mit einem Juwelenraub, einer verbrecherischen Familiengeschichte und dem zurückliegenden Zwist zweier Gangster gefüllt. Mehrere logische Willkürlichkeiten, gar Idiotien sowie die gängige Bescheidenheit verwendeter Utensilien - die Juwelen sehen nicht nur auf den ersten Blick aus wie Glasperlen aus dem Kaugummiautomaten. Alle Figuren tragen unförmige Jeans sowie Polohemden aus dem Textildiscount - kann man leicht verschmerzen, wenn selbst die backflashs auf visuell temporeiche Anregungen konzentriert sind. Ein misslungener Geschäftsdeal sowie eine violente Polizeirazzia werden für Shootout, Minibömbchen und emsigen Sprüngen in die rettende Deckung benutzt, ein alter Kinosaal und dessen Hausdach für competitive catfights und Stürzen aus der Erhöhung. Auch wenn es technisch sicherlich auf eher mittlerem Niveau bleibt: Löblich die Cameos der Alteingesessenen Tony Liu Jun-guk und Robert Mak, der moderate Härtegrad, die Verwendung kompakter und gut organisierter Montagen, der Verzicht auf zu konventionelle Materialanordnung und damit die Herstellung einer intensiven rhythmischen Beziehung.
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Mittwoch, 3. Oktober 2007

Review: Fatal Attraction [ 2000 ]

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Die letzte Bastion ist gestürmt.
Die nach unten schon so sehr flexible Qualitätsskala im DTV-Bereich wurde gerade um ein weiteres Mitglied erweitert und scheint nunmehr gänzlich offen zu sein. Fatal Attraction beweist in seiner kleinkarierten Engherzigkeit alles Andere als eine Anziehung und wirkt vielmehr als abstoßende Kraft, als Abneigung, Widerwille und Mißbehagen.

Für eine Handvoll Renminbi Yuan in Shantou in der Provinz Guangdong produziert, verlässt sich das von konventionellen Funktionen entbundene Werk auf den allerniedersten Standard der Filmherstellung. Mit dem rudimentärsten Einsatz jeglicher Leistung, der hilfsbedürftigsten Sinnträchtigkeit und dem geringfügigsten Interesse an einem Gelingen.
Während die erbarmungswürdige Grundidee einer querköpfigen Handlung zumindest da ist, sei sie auch noch so wiedergekäut, kann man alles Andere in seiner benachteiligten Un-Kreativität komplett vergessen. Sogar in der eh schon wenig ruhmreichen Karriere von Philip Ko und seinen Handlangern sah man selten ein derart verkümmertes Werk geringster Impulse, zwischen Spott und Verachtung, Mitleid und amüsierter Duldung. Mehr missbraucht als gebraucht. Unter eigenen Schmerzen fremdes Elend sehen:

Ming [ Stephen Au ] hat wegen seiner Spielsucht Schulden beim Kleingauner Wong [ Philip Ko ], die sich dieser gerne mit einem Gefallen vergolden lassen möchte. Da Ming über Verwandtschaftsklüngel in der Chiu Chow Association angestellt ist, die ihr Geld mit Herstellung und Vertrieb von Video CDs verdienen, soll er die Firma intern ein bisschen in Bedrängnis bringen; was wiederum den Profit des Konkurrenten Wong steigert. Als Ming sich weigert, wird seine Großmama entführt und gefoltert. Doch die Manager und Mings engsten Freunde Wan Chung [ Vincent Wan ] und Chow Siu Lai [ Lily Chung ] bekommen Wind von dem schändlichen Treiben.

Mal etwas Anderes als der übliche Schmonzens um designierte Killer und Triadenfehden, eher ein schockierend substanzloser Tumult aus Soap, Krimi, Bloodshed und Drama. Fehlerhaft bis zur totalen Unglaubwürdigkeit und trotz der Sicht von Finanzabenteurern weder aufschlussreicher als gewohnt noch anderweitig faszinierender gehandhabt. Das hiesige Setting ist mit seinen drei Innenräumen scheinbar eigens dafür angelegt, noch mehr Geld als üblich zu ersparen, schließlich kann man sich jegliche Action und andere budgetverspeisende Glanztaten mit Hinweis auf die Schreibtischhengste und ihren Aktenbergen komplett verkneifen. Für adäquaten Ersatz als Lückenfüller wird aber so gar nicht gesorgt, in punkto Unterhaltung wurden alle ideellen Werte verraten und verkauft.

Darstellerisch wieder mal am Rande der Resignation entlang, ohne Feuer, ohne Lust, anscheinend gar aus Zwang. Tatsächlich fragt man sich beim Betrachten, warum die Teilnehmer der Städtereise im Wintermonat der Intelligenz überhaupt zur Arbeit kamen, oder ob sie ähnlich wie Oma Ming mit brühend heißen Wasser vor die Kameras überredet wurden und deswegen im törichten Unmut agieren. Action bis auf etwas Zunder im Finale komplett passé, es sei denn, man zählt ein wenig trostloses Getrete und Geschubse mit; noch zusätzlich nahezu durchweg in den finsteren Spelunken mit zugezogenen Vorhängen positioniert und mit hinterwäldlerisch-steriler Kameraarbeit fotografiert. Das Cat III Siegel ausnahmsweise nicht wegen nackten Frauenleibern, sondern einigen Gewalt- oder Foltertaten verliehen; zwar absolut nicht explizit oder anderweitig ausführlich, aber im kläglich jammervollen Kontext durchaus wirksam gehalten: Kaum Bewegung, reizlos leer, stetig dieselbe Einstellungen, die repetierend dröge Musik, das belanglose Umherschlendern zwischen Einkaufsbummel, Telefonaten und ein wenig Büroarbeit.

Ein verknöchertes Totschweigen wahrer Gefühle und reeller Emotionen, stattdessen das Festhalten an blindgläubigen Ritualen, steifen Bewegungen und trotziger Mimik. Lebensfremd, weltentrückt, wirklichkeitsfern. Selbst als anfangs neugierig machende Insidergeschichte funktioniert man nicht, da die Problematik der VCD Herstellung wie bei Lieschen Müller erklärt wird und man ausser reichlich abstrakten Geschäftstalk und Aktientransaktionen - "Panama, Mauritius und Nicaragua kaufen unsere Filme. Wir machen Millionen." - jedwede Einblicke und aufschlüsselnde Informationen schlichtweg vergessen kann. Immerhin reicht der Gesprächsnonsens über die kontinentevereinende Luxusmarke VCD zu Beginn noch einige humoristische Höhepunkte, aber da sich die Dialoge wie beim Tarantino ins Immense stapeln und es baldig zu elend wird, fällt auch dieser Vorzug schnell flach.

Punkten tut man sowieso nur in der haarsträubenden Absurdität; wenn man denn auf Wohlwollen der geneigten Zuschauer trifft, sich auf wirklich jeden Schwachsinn einzulassen.
Da greifen die gesellschaftsführenden Anteilseigner bei vertraulichen Bestrafungen hinter verschlossenen Türen zum Rohrstock, um die drohende Geschäftsschädigung mit 35 Schlägen auf den Allerwertesten auszutreiben.
Der alte Hausmeister der boomenden Firma wird beauftragt, den Besen gegen Messer und Taschenlampe zu tauschen und Nachts allein das offene Warenlager zu bewachen.
Oma Ming, die blind, krank und alt auf Nachkommen in letzter Sekunde wartet, tastet erstmal alle weiblichen Gäste ausführlich in Gesicht und Hintern ab - "round enough and elastic".
Ihr Enkel verzockt sein Gehalt bei einer staatlichen Lotterie, die live in Wongs Nachtclub übertragen wird und in ihrer bestimmt zehnminütigen Ziehung den wahrhaft aufregenden Einstieg des Filmes und die spannendste Sequenz gleich mit darstellt. Schließlich starren auch jeden Samstag Abend Abertausende Menschen auf Lottofee Franziska Reichenbacher.
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Samstag, 29. September 2007

Review: Blood on Bullet [ 2003 ]

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Ratten und Küchenschaben überleben einen Nuklearkrieg, Menschen nicht. Dass es der Hong Kong Filmindustrie nach der Jahrtausendwende arg schlecht ging, merkt man spätestens daran, dass sogar ein Philip Ko Fei von der Bildfläche verschwand. Wenn selbst das Unkraut vergeht, sind die letzten Stunden bereits gezählt.

Genuine Auteur Ko, der als Investor, Regisseur, Action Director und Darsteller von den frühen 70ern an bis knapp 2003 alle Auf- und Abstiege mitgemacht und spätestens ab 1990 auch entscheidend bestimmt hat, war lange Zeit so etwas wie der mutige Krieger der C-Action. Er lernte erst mit Weniger, dann mit Gar nichts auszukommen, agierte Energie sparend in mehreren Funktionen, sorgte für vermehrte Nachkommen mit identischer Handschrift und profilierte sich so weiterhin als Aushängeschild des Genres. Und er konnte sich scheinbar wie die Ratte vom falsch entsorgten Müll ernähren: Immer zur Stelle, um einen nicht mehr gefragten Schauspieler vor der Arbeitslosigkeit aufzufangen, ihm ein hübsches Heim im Billiglohnland der Republik der Philippinen zu besorgen und mit mehr oder weniger attraktiven Komparserien vom lokalen Hostessenservice zu umgeben.
Gerade im rapiden Sinkflug der Filmemacher um ihn herum stieg er zur Höchstform auf, brachte es auf etwa ein halbes Dutzend Werke pro Jahr und legte so einen gebunkerten Komposthaufen für den geneigten Liebhaber an; neben zahlreichen Sexschmonzetten im Softcoreverfahren auch die ermäßigte Actionware oder deren Zwitter. Handlung Nebensache:

Shantung guy Ma Fai [ Vincent Wan ] musste aus der Heimat flüchten, weil ihm Jemand bei einer Hilfsaktion fahrlässig ins Messer gerannt ist. Nun tut er Dienst für den Gangsterboss Master Lung [ Phillip Ko ], der gleich mehrere Probleme am Haken hat. Sein Sohn Prince [ Jin Xiang Xu ] soll zwar Nachfolger werden, kann sich allerdings noch nicht so richtig durchsetzen. Ziehsohn Jimmy [ Jimmy Ko ] praktiziert heimlich mit dem verstoßenen zweiten Ziehsohn Wing, der wegen Lug und Betrug in Ungnade gefallen ist. Als Ma Fais schwangere Frau durch Wing vergewaltigt und umgebracht wird, platzt ihm und Lily, der Schwester des Opfers [ Lily Chung ] der Wollkragen.

Wobei missverständlich zum reißerischen Titel kein Kugelballett geboten wird und die wenigen, an einer Hand abzählenden Schüsse gar nur im Off verpuffen und man weder Choreographie noch Mündungsfeuer noch Einschusstreffer zu sehen bekommt; das Thema wird bewusst flach gehalten, vor allem preislich. Das nicht vorhandene Geld lieber in Schwertkämpfe bzw. deren artverwandten Kompagnons gesteckt. Sollte die traditionelle Hieb- und Stichwaffe mal nicht vorrätig sein, tun es auch Knüppel, Rohre und Buttermesser.

Ähnlich sparsam ging man mit den aufgefahrenen Darstellern, den establing shots und ganz allgemein der Produktion an sich um, verlegte den Drehtermin gleich mitten in den Urlaub der Crew und filmte am Liebsten auch während dem Abklappern der touristischen Sehenswürdigkeiten, besonders der Restaurants. Dabei sollte sich als Glücksfall erweisen, dass neuerdings Korea als Reiseziel ausgesucht und mitten im Winter gebucht wurde.
Denn auch wenn die wenigen Pluspunkte schon bei der äußeren Veröffentlichung aufhören:
Sowohl die aufgeklarte Luft als auch die kalten Temperaturen bis hin zu leichtem Frost, die weißen Schneeflächen und das allgemein zugige Klima sorgen für ein Wechsel der Gangrichtung, für ein verändertes Aussehen und den Abwechslungsreichtum der frisierten Umgebung. Durch ihre Unbekanntheit erfrischende, saubere, untervölkerte Schauplätze und die allgemein teurer, da edler wirkende Aussicht verleihen dem von Budget verschmähten Projekt zumindest zeitweise den Anschein von Erhabenheit.

Der hiesige no name Regisseur David Leung weiß immerhin darum und baut darauf, die jeweilige Szenerie auch ansprechend in der Totalen zu präsentieren. Von einem vornehmen Setting zum nächsten. Wenn sich die warm eingepackte Triadenorganisation mitten in der abgeschiedenen Einöde am Ruhepol buddhistischer Tempel zum Gebet verabreden oder einen Drogendeal vor dem kristallklaren Fluss mit der Skyline im durchfrorenen Hintergrund durchführen, erweckt dies unweigerlich mehr Anmut und Eindruck als etwaige Begegnungen im verschwitzten Hinterhof direkt vor der eigenen Haustür. Auch lässt man Hawaiihemd und Pluder- bzw Trainingshose im Schrank und kleidet sich den Witterungen im Land der Morgenstille notgedrungen angemessen. Killer und Schergen in grau oder schwarz sind doch ernstzunehmender als im sonst beliebten schreiend bunten Kakaduoutfit.

All dies ist natürlich nur eine vorübergehende Sinnestäuschung, die als Halluzinogen der Fassade nicht lange verbergen kann, dass der große Rest der übliche dreck ist. Allein das Skript schert sich einen Deut um Interesse. Auch wenn man durchaus bescheinigen muss, dass man hier und da per Zweistufenschalter mehr Tempo als gewohnt in die Szenerie bekommt, sind angefangen von den Figuren bis über die Dialoge und Szenenbeschreibungen allesamt ungenügend, elend, ja stümperhaft gehalten. Die Geschichte klaut von vorn bis hinten, legt auch gut los, kommt aber trotzdem nicht über das Vorwort mit vielen Fragezeichen hinaus und verhaspelt sich dann schnell in wertmindernden Unsinn.

Personen werden irgendwann ab der Hälfte ausgetauscht, weiterhin wild addiert, bleiben aber nur für eine Duschszene mit Frontalunterricht über und sind ebenso rasch verschwunden wie gekommen. Die Macht-Fehde wird erst emsig betrieben, dann mittendrin ausgesetzt weil man auf einmal Beweise will und keine hat und sich prompt in ein ganz anderes Land mit neuen Schurken verlagert wird. Da stellen sich Leute der Polizei, die überhaupt Nichts mit der Angelegenheit zu tun haben, sondern nur die gänzlich unbeteiligte Freundin sind und man sich kein plausibleren Grund für das Ausscheiden ausdenken mag. Der bad guy rennt ständig mit einem rosaplüschigen Grinseschwein auf dem Arm durch die Gegend. Der Held lässt Alle Gegner fortwährend laufen, spielt aber daheim trauernder Samurai im Schneidersitz. Das Tin Cup Poster im Wohnzimmer wird andauernd derart ehrwürdig in Positur gesetzt, als wär es ein Original-Picasso aus dem Louvre. [Im Schlafzimmer hängt Fair Game.]
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Donnerstag, 27. September 2007

Review: Tequila Sunrise [ 2000 ]

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Heutzutage ist der kantonesische Filmausstoß so gering, dass man die Gattung der direct-to-video Action schlichtweg vergessen hat; entweder es rentiert sich überhaupt nicht mehr und wird deswegen gar nicht produziert. Oder es verhält sich dermaßen still, dass die Fabrikation und Distribution praktisch unsichtbar und nicht über gängigen Versandhandel zu beziehen ist. Wie so oft hat auch dieses zwei Seiten: Der geneigte Liebhaber notdürftigst lumpig wirkender und möglichst unbekannter Ware fern von Kostenaspekten geht mit aktuellem Nachschub leer aus. Dafür darf er sich allerdings daran erfreuen, dass der gescholtene cast mangels anderweitiger Beschäftigung anscheinend wieder den Weg zurück auf die große Leinwand geschafft hat.

Zumindest im Fall von Mark Cheng und auch Collin Chou ist dies so; beide mussten während der Krisenzeit die Stufen hinab in den Keller des Filmgeschäfts steigen und beide durften die letzten Monate auch wieder das Licht erblicken. Cheng bereitete in Election 2 ein Achtungszeichen, spielte sich souverän durch die Hauptrolle in Gong Tau und setzte in Invisible Target ein Gegengewicht zu den aufstrebenden Jungspunden.
Chou agierte sich in Nebenrollen in amerikanischen Blockbustern oder deren Möchtegernvarianten und wurde als direkter Kombattant in Flash Point eingefügt.
Sieben Jahre zuvor war dies noch ferne, rosig umrankte Zukunft.

Tequila Sunrise, nicht zu verwechseln und auch absolut nichts zu tun mit Robert Townes schwüler KrimiLiebelei, ist eines der Werke, die knapp um die Jahrtausende gesetzt den weitgehend allgemeinen Markt bevölkerten. Für Großproduktionen war wenig Geld über und keine Risikobereitschaft vorhanden, talentierte Jungregisseure noch nicht herangereift und vom Comeback alter Hasen ebenfalls noch nichts zu sichten. Die vermeintliche Elite war nach Hollywood abgewandert bzw. kam gerade irritiert, schikaniert, verstimmt wieder von dem Erlebnis zurück; für die Daheimgebliebenen hieß es Warten, die Zeit vertreiben und die Büros in Sozialwohnungen umwandeln. Der vorliegende Film scheint seine Handlung samt Inszenierung auch exakt auf diesem Nickerchen-Motto aufzubauen und gestaltet sich über das Meiste der eh schon arg knappen Laufzeit auch als ein bisschen sehr ausgebrannt. Behaglich und erstarrt, etappenweise mit vielen eingelegten Pausen, still, stoisch und stockend bewegt man sich voran; mühsam den abgeschlafften Leib vom Start bis ins Ziel in fußläufiger Entfernung schleppend.

Eine Reise durch Thailand – Lohnfertigung in fernen Ländern und Endmontage sowie Vertrieb daheim –, wobei der peppig kolorierte Urlaubsort eine derart lethargische Anziehungskraft haben muss, dass die Strahlen des Phlegmas Jeden und Jedes in Besitz ziehen und etwaige vorhandene Kraft unweigerlich inhalieren.
Nach zwei flinken, nichtsdestotrotz äußerst dämlichen Attentaten zu Beginn ist deswegen auch schnell die Luft aus der zerlesenen Geschichte um drei Killer, die mit der Gegenwart unzufrieden in aller olympischen Ruhe ein neues Leben suchen:

Sunny [ Mark Cheng ] und Coco [ Irene Wan ] fahren mit ihrem Zögling Sam [ Dond ] nach Bangkok, um ihren alten Freund Rocky [ Collin Chou ] zu treffen und sich die Augustsonne auf den Pelz scheinen zu lassen. Während Sunny sich noch mit Drogen betäubt und Sam der Inaktivität überdrüßig mit Rockys Schergen abhängt, schnappt sich Coco den Landwirtschaftsstudenten Joe [ Chris Cheung ]. Der mit ihr die Zukunft im Gewächshaus planen möchte, aber von der tödlichen Vergangenheit nichts weiß.

Spannend ist das in seiner raubdruckerischen Praxis nicht; da hilft keine rapide Verkürzung auf lediglich 75min und auch keine anwesende Schauspielerschar, die vorher und nachher schon viel bessere Tage gesehen hat. Vor allem die Hauptakteure haben sichtlich keine Lust auf die bornierte Aberwitz-Mär vom Ausstieg aus dem Killerdasein, der von den alten Kollegen gehindert wird und verhalten sich analog zur arbeitsscheuen Aufführung ebenso bequem eingewurzelt. Cheng, der immerhin aussieht wie ein altersschwaches Drogenwrack, verlässt sich auch beizeiten auf die hoffentlich nicht im method acting erprobte Erscheinung und schleppt sich meist nur bedächtig auf dem Sofa oder gleich am Erdboden herum. Chou dagegen bereitet sich während dem Dreh sichtlich nur auf seine noch folgenden Matrix-Auftritte vor; sprich: Er trainiert seinen eh schon formidablen Körper noch weiter zur Höchstleistung und konzentriert sich bei den wenigen postulierten Textzwischenträgern allein auf seine Eisen-, Calcium- und Phosphordiät.
Anders lässt sich jedenfalls nicht erklären, warum ihm vor jedem gesprochenen Satz immer ein Teller geschnittener Pitahayas bereitgestellt wird; sowieso hat die nahrhafte Drachenfrucht mehr Präsenz in der Handlungsebene als jede andere vorkommende Figurenzeichnung.

Irgendwelche Fortschritte im Plot werden mit ominösen Hintermännern begründet oder ganz einfach aus den Fingern gesaugt. Da werden während eines Autotelefonats von außen schnell mal ganz unauffällig alle Türen mit Paketband verklebt, um die Flucht vor einer Bombe zu verhindern. Der eigentlich streng geheime Aufenthaltsort einfach dem Nächstbesten Anrufer verraten, weil man denkt, es sei der Klempner dran, der die defekte Toilette reparieren soll. Fangnetze der Beschränktheit. Verwahrlosung der Wahrnehmung. Eine leere Anwesenheit von bleierner Schwere, Desinteresse, Schneckentempo, noch zusätzlich gepeinigt von schaudervollstem Thai Rap, der in seiner jämmerlichen Grausamkeit die Ohren zum Ausbluten bringt. Die gestörte Metrik und Verflachung des Ausdrucks nur mühsam mit manchen Außenaufnahmen der ewig gleichen Bangkok-Silhouette, Ausflügen des Gärtners in die belaubte Biokultur und einigen abrupten Gewaltausbrüchen gefüllt; vor allem Letztere sind nicht ohne und pumpen in ihrer plötzlich überraschenden Drastik kurzzeitig durchaus drakonisches Leben in den sonstigen Dornröschenschlaf. Ein Waffelhörnchen im Auge und Essstäbchen durch die Wange sieht man dann doch nicht alle Tage. Wer lieber richtige Action haben möchte schaut dafür umso mehr in die habsüchtige Röhre, darf sich aber wie als Entschuldigung an so richtig sinnlosen Geschwätz und unvernünftiger Torheit in allen Bereichen erlaben.
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