Mittwoch, 2. Januar 2008

Review: Seeding of a Ghost [ 29/12/1983 ]

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Nach der Pflicht die Kür.
Die folgerichtige Weiterführung von Richard Yeung Kuens Hell has no Boundary, der ein Jahr zuvor zwar nicht den Inhalt, aber die Thematik und auf jeden Fall die Machart samt konzeptueller Grundlinien und Aufmerksamkeitsraster bereits mit sicherer Hand vorexerzierte. Ohne auch nur annähernd den beinahe schon legendären sagenumwobenen Ruf von Seeding of a Ghost zu erreichen. Ein unvoreingenommenes Herangehen an das Produkt ist aufgrund der Schauermärchen um den lange Zeit nur unter der Hand zu habenden Film und der entsprechend traditionsreichen, aber eben weltabgeschiedenen Aufbahrung in den idealisiert verherrlichenden Erinnerungen nahezu unmöglich. Bis in die hintersten Ecken der Hörensagens nehmen die zu enormen Auswüchsen verklärten subjektiven Bühnenerlebnisse vor allem bezüglich der prädigitalen Gewalteskalationen "Zerstückelung, Ausweidung, Verwesung" mehr die Form einer andenkenden Empore als eine bloße retrospektive Sicht ein.

Das Heraufbeschwören im schönen Schein und das Ausrufen der absoluten Maxime im Splatterpunk nimmt der ansonsten durchaus würdigen Erzählung um die Zersetzung einer bestehenden Ordnung im üblich bunten Videogramm leider ein wenig die Überzeugungskraft. Nach alldem Tamtam ist ein konsequentes Die Dinge zurecht rücken mit eigenen Augen allerdings nicht nötig; besonders im Inneren des damals aktuellen Horrorgenres nimmt das Werk dennoch herausragende Stellung und fast schon einen Platz auf der alles überschaubaren Galerie ein.
Auch wenn Regisseur Yeung auf stark tradierte Genremuster zurückgreift, die ebenfalls gewohnte Sakralarchitektur derlei gefragter Arbeiten wie seine Artkollegen Kuei Chi-hung und Ho Meng-hua nutzt und ein gleicherweise böses Märchen von den modernen Ansprüchen einander widerstrebender Prinzipien formt.

Vor allem gelingt ihm Einschnitt und Einsturz der orakelhaft spiritistischen Welt in das Alltagsleben der Figuren überzeugender als bei den anderen Vertretern. Die Zeichnung vom Hier und Heute nimmt trotz konsequenter Reduktion nicht nur wesentlich mehr Raum als sonstig ein, sondern vollzieht sich tatsächlich an nachempfindbaren Gefühlen und Situationen von Befangenheit und Unfreiheit, die abseits vom sonstigen Camp und Ironie lauern. Die Mitte der Gesellschaft als profanes Miteinander puritanischer Ideologie, mit wahrhaftigen, aber dann auch entsprechend banalen Kontakten zur Umwelt. Einer schlichtweg einfach gehaltenen Soziologie entsprechend konstituierter Erwartungshaltungen, in der die Wechselwirkungen zwischen den Menschen nicht aus irgendwelchen Phänomen, sondern rein aus dem gemeinem Handeln, der Orientierung des eigenen Verhaltens entstehen:

Als der Taxifahrer Chow [ Philip Ko ] des Nachts aus Versehen beinahe einen verfolgten Grabräuber überfährt, ihn dann aber vor der jagenden Meute rettet, warnt dieser ihn vor kommenden Unheil vor. Der frisch Verheiratete gibt nicht viel auf das vermeintliche Geschwätz, muss sich allerdings bald dem Schrecken stellen. Seine Frau Irene [ Marsha Yuen ], die währenddessen eine leidenschaftliche Affäre mit Anthony Fong Ming [ Norman Chu ] begonnen hat, wird kurz darauf von zwei jugendlichen Rabauken vergewaltigt und getötet. Chow, der sowohl von den Angreifern als auch dem Nebenbuhler Rache will, nutzt die Zufallsbekanntschaft des Fakires und die Leiche seiner Frau für ein höllisch knüppelhartes Teufelswerk.

Was klingt wie ein eskatisch verfilmter Derwischorden in geistiger Versenkung ist über die komplette erste Hälfte der angenehm kurzen Laufzeit ohne weitere Ablenkung ein relativ bodenständig, ja gar geerdetes Miteinander mit Wiedererkennungswert in voller Nacherlebbarkeit. Fang sucht die Abwechslung von seiner Frau Ak Kit [ Tin Mat ], während Irene einfach aus ihrem Trott des gewöhnlichen Durchschnitts ausbrechen möchte, da die Ehe trotz der Kürze bereits nach dem routinemäßigen Fahrplan des eingewurzelt regelmäßigen Trotts abläuft.
Aufgrund der Einstiegsszene und der warnenden Drohung des Magiers mit bereits eingeleiteter fragiler Dimension steigert sich die Unruhe, ohne dass irgendwelche Beweise für eine tatsächliche Gefahr vorgebracht werden und das Geschehen sinnlicher Befreiung sogar eine komplett andere Sprache spricht. Dass man sich als Zuschauer sowohl an dem schnell beginnenden horizontalen Bratkartoffelverhältnis mit dem einseitigen Drang zur Romanze und Mehr als auch der rasch schwülstiger werdenden Bildsprache, dem verschnörkelten Klaviergeklimper und besonders den allzeit neckischen Wasserspielen erfreuen darf, formuliert vielmehr eine theatralisch kitschige, sprichwörtlich spannungslose Behaglichkeit mit softcore Attitüde. Ein Bild des idyllisch geschwollenen Friedens, dass in seltsamer Melancholie fast zu schön ist um wahr zu sein. Eine vertraut geläufige Vorstellungswelt mit normativen Beschränkungen – Die Zehn Gebote in ihrer Kurzfassung – , die dem düsteren Jenseits des Verdrängten weichen muss.

Da man nicht ewig in weicher Zeitlupe am Badestrang entlang springen oder die Bettlaken durchwühlen kann und auch den Widerstreit zwischen Form und Substanz nicht heraufbeschwören möchte, greift der Ernst des Lebens in Form der eigenen Gefühle und der des Anderen umso heftiger ein. Schon aufgrund dessen, dass der Horror sich immer den Maßstab zur Gewichtung nimmt, wie eng man sich an die streng reglementierten Regeln hält oder eben nicht hält. Wenn man auf [full frontal nudity] Abwege gerät, begibt man sich in Gefahr. Die Antinomie der Wünsche, die Disparität der Erziehung und das Brechen der zutiefst bürgerlichen Moralkonstruktion verlangen die Strafe für die verboten lüsternen Blicke, die Provokation der außerehelichen Berührungen und das wilde Ausleben der Sexualität; als die Differenz zwischen Sehnsuchtsvorstellungen und Realität offenbar wird, wird aus Liebe Hass, aus Begierde Gewalt und aus Leben Tod. Der erotische Impuls als die Metapher für die verschlossene Tür, die man mangels innerer Verbundenheit, religiöser Festigung und eigener Frömmigkeit nicht öffnen sollte. Und wenn doch, aus schmachtendem Verlangen alsbald Perversion in Form von Missbrauch, Inzucht, Nekrophilie und der Genusssüchtige sowie der Rechtsbrecher in zielstrebiger Ausstreuung des Übels vernichtet wird.

Ein denkbar einfaches Erzählprinzip, fern kinematographischer Improvisation. Vom Wahrhaftigen mit Sinn für emotionale Nuancen, Stilbrüche und Intertextualitäten in die geradlinig unverblümte Imagination. Von der Ordnung ins Nichts. Eine Sphäre der Einbildungen, indem sich alte Religion, Schwarze Messen und unerklärbare Relikte in strenger Befolgung ihrer Bräuche unter schwersten Bedingungen vereinen. Fassbare Erlebnisse treten in den Hintergrund, langes Hinauszögern, hier und da kleine, oft nur angedeutete Kostproben, in der die Sprödheit des Anti-Buddhismus zum Ausdruck kommt. Ein unheilschwanger drohend Grollen, um zunehmend in die visuelle Explikation nahezu orgiastischer Deutlichkeit zu verfallen. Auf die letzten Meter gar ein Umkippen ins Monströse mit ausufernder Eskalationsästhetik. Mutierte Angriffe auf Geist, Seele, Leib und Organismus. Aderlass und deftige Bluttransfusion in various deaths / creative killing Entkoppelung: Einer der Täter darf Würmer speien, der Andere etwas Unangenehm nach Gehirn aussehendes Fleischiges essen. Seine Wirbelsäule wird durch transzendentale Kräfte bei vollen Bewusstsein aus dem Rücken hinaus gebrochen. Bäuche explodieren oder werden durchbohrt, Arme abgetrennt und Gesichter zur Hälfte abgerissen...
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Montag, 31. Dezember 2007

Review: Boxer's Omen [ 29/10/1983 ]

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Nichts bereitet Einen wirklich adäquat auf das entheogene Seherlebnis Boxer's Omen vor, ein Nervenkitzel im Vollrausch mit zwanghaft diktierter Leidenschaft für Provokation und Zumutung. Eine cineastische Herausforderung, die weder durch vorheriges Lesen von Beschreibung und aufzählenden Kommentaren, das Wissen um Kuei Chi-hungs staunenswerten Drang nach Grenzüberschreitung im ausschweifenden Taumel noch die Kenntnis seiner bisher veranstalteten Filmography glaubhaft vermittelt werden kann. Auch wenn bei Letzterem in makaber-farcenhaften Arbeiten wie Killer Snakes, Corpse Mania und Bewitched auch die eine oder andere Eskapade erlaubt und so sicherlich bereits klare Ansagen bezüglich des etwaig kommenden Gustos gemacht wurde. Bewitched sogar eine Art chill-and-thrill Prequel zu der hiesigen, geradezu obsessionellen Besudelung darstellt und in formulierter Raffung auch den Auslöser des vorliegenden Schwarzen Zauberspiel im psychedelisch getönten Märchengewand darstellt.

Wo dort das Böse besiegt und besiegelt wurde, steht es hier wieder auf, mit vereinten Kräften wird die Rache in Schandtat vollzogen und der ewige Kampf erneut vorgeführt. Anlass für Regisseur Kuei, im Jahre des Exzesses 1983 noch einmal und auch wie fast als Abschluss seiner Karriere in die Selbstherrlichkeit gnadenloser Lauterkeit zu verfallen, auf die objektive Abwägung zugunsten des Herausarbeitens wirksamer esoterischer Effekte und selbstzweckhafter Groteskheit zu verzichten und die Schattenexistenz unheilvoller Illusionen hervorbrechen zu lassen. Ein irrationales, aber dafür konsequent radikales AufdieSpitzetreiben zum krönenden Finale, ohne dieser Gedärm-Orgie einen kalkulierbaren Seriencharakter zu verleihen. Ein Uberwältigenkönnen mit Hilfe von Entrückung, Magie, der Sinnenfreude und des -schmerzes, der Neugier statt der Emotionalität. Eine Verbeugung vor der Einbildungskraft vorzüglicher Lebhaftigkeit, die von Tageslicht ausgesperrt ihre liebste Zuflucht in der greulichen Dunkelkammer ganz hinten im Gehirn findet. Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen:

Triadenhäuptling Chan Hung [ Philip Ko ] hat nicht nur Ärger mit konkurrierenden Festlandchinesen, sondern eben auch mit ansehen müssen, wie sein Bruder Chan Wai [ Johnny Wang ] vom gegnerischen Boxer Ba Bo [ Bolo Yeung ] hinterrücks in einem kickfight event in den Rollstuhl niedergeknüppelt wurde. Um es dem feigen Angreifer heimzuzahlen, geht er nach Thailand und fordert den vermeintlichen Sieger zur Revanche heraus. Doch auf dem Auslandstrip stößt er vermittels Abt Qing Zhao [ Elvis Tsui ] noch auf ganz andere Gefahren, ausgelöst durch Master Jing Chao [ Lam Hiu Yin ], deren Bekämpfung ihn nach Nepal, dem Dach der Welt führen.

Bis der Götzendienst soweit ist, hält wieder Thailand in all seiner fremdländischen, erneut rustikal-provinziellen [Alb]Traumexotik für den Einbruch des Grausens in die einstmals harmlose Realität her. Ein Widerspiegeln elementarer Ängste der Zeit findet nie statt, vielmehr zeichnet die Abwesenheit der vermeintlichen Zivilisation samt ihrer Sitte, Anstand und Regeln das Geschehen nach dem Eintritt in die Aura der Mystik aus. Statt der möglichen Ausarbeitung des dräuenden Bandenkrieges oder der Konzentration auf den Karate Tiger 3 Plot samt Sex galore Einheit wird alles Vorhandene an Storyoptionen schnell fallen gelassen, was der beizeitigen Labilität und Perspektivlosigkeit dient. Eine Reise von geistiger Gesundheit zum entmachtenden Wahnsinn, von eindeutig greifbarer Bedrohung zum beispiellosen und maßlosen Übel, vom Hier und Jetzt ins Twilight Zone Nirgendwo von Halbdunkel, Umriss und Schattierungen. Ein plötzlicher Überfall der erstarrten Fassungslosigkeit, die mit bestürztem Befremden alles bisher Angenommene um 180° dreht und so Beteiligten und Beobachter den Boden sicherer Erfahrungen einfach wegzieht. Erst Prüfung des Verstandes, dann ein tiefer Fall ins Ungewisse, mit täglich wachsendem Entsetzen, in der der Horror schon und eigentlich auch nur aus der reinen Irritation entsteht. Das Sehen und Erleben einer torsohaften Abfolge von Abscheu, Phobie und auch Panik auslösenden Szenen, die in geradezu pfarramtlich salbungsvoller Umgebung buddhistischer Tempel angesiedelt sind.

Ein Blutegelbad. Das Wiederbeleben von konservierten Wasserleichen, die man im Magen eines frisch getöteten Krokodils aufbettet. Das nächtliche Hinauswürgen eines Schlangenaals. Das Verköstigen mit eigenem Wiedergekäutem und fremden Erbrochenem. Maden, die aus Augenhöhlen gekrochen kommen. Das versuchte Erdrosseln mit frisch abgerissenen Halssträngen.

Fern von Benehmen, Betragen und Geschmack oder auch einer zeitlichen und kulturellen Achse wird eine weitgehend lose Aneinanderreihung anfangs durchaus amüsanter, schon durch ihre kitschig-bunte Absurdität auch lächerlicher, aber bald schlichtweg abstoßender gross out Akte voll Unstern und Marter dargeboten, die auch zumeist die so genannten Eckpfeiler der Angst, der Lust und der Komik vollkommen vernachlässigen. Und jede metaphorische Signifikanz als auch die Ambivalenz missachten, da man von derlei nomadischem Geschehen nicht mehr angezogen, auch nicht abgestumpft, sondern trotz all dem Erstaunen oft nur noch angewidert wird. Der Verzicht auf die Erlösung durch schützende Genrekonvention, einer narrativ vorhersehbaren Schablone oder auch einer Identifikation mit den handelnden Figuren sowie die Beklemmung und Bestürzung der lokalen Notorischen Weltangst tun ihr Übriges. Allerdings muss man attestieren, dass nicht wie heutzutage üblich eine reine torture session abgeliefert wird, sondern Inszenierung samt Überreste von gebrauchter und missbrauchter Dramaturgie trotz aller abscheuerregenden Unappetitlichkeit immer noch in Vordergrund stehen. Auch eine künstlerische Qualität beanspruchen, und Kamera / Musik / Schnitt entsprechend dem offenkundig gut genutzten Produktionsvolumen erstaunlich tadellos sind.

Sicherlich kann man das folgende Spektakel in der Ablehnung des Normalen auch zwischen den Blut-und-Eingeweidestücken des Théâtre du Grand Guignol, dem Zirkusshow-Schaustellerstil eines Alejandro Jodorowsky und dem paradoxen Fanal Ein andalusischer Hund setzen, sich den Zusammenhang zwischen all den Bildern zusammen dichten und auch auf verschiedene Deutungsebenen begeben. Höchstwahrscheinlich wollte Kuei abseits jeder moralischen Forderungen, der abermalig pastoralen Einführung in buddhistisches Philosophieren und der Handlungsmotivation durch Schöpfung, Tod und Wiedergeburt/Auferstehung wiederum nur die Sensationslüste und Spekulationsgier in die Abgründe der eigenen Seele führen. Der Zwang, in der visuellen Herausforderung ständig das Vorherige überbieten zu müssen führt zu einer kurios intensiven "Unterhaltungs"form mit oft surrealen, gleichzeitig naturalistischen und übernatürlichen Phänomenen, delirant umher irrend zwischen Abenteuer, Ahnenkult, Fantasy, Science fiction und Phantasmagorie.
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Review: Bewitched [ 11/09/1981 ]

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Es ist leider nicht bekannt, wie gut und fest Regisseur Kuei Chi-hung Anfang der Achtziger geschlafen hat, bevor er 1984 in die USA auswanderte und sich dort zur Ruhe setzte. Tatsache ist, dass der geneigte Zuschauer, sollte er sich denn seine letzten Arbeiten ohne Unterbrechung im Akkord ansehen, wohl viel von den Albträumen erahnen kann, die der durchaus kreative Geist gehabt haben muss. Trotz einiger Komödien noch nie bekannt dafür gewesen, sich der leichten Unterhaltung hinzugeben, war Kuei Mit-Initiator der plötzlich aufschwappenden Horrorwelle im Hongkong Kino als auch ihr diensteifrig rastloser Antreiber; immer zur Stelle, um das nächste Tabu, die nächste Grenzüberschreitung in Angriff zu nehmen. Leider entging dem Publikum in den letzten Jahren seiner Tätigkeit das spezielle Händchen für die tatkräftig pfundige Action; Kueis zweites Standbein wurde zugunsten von Wurmspeiereien, Pestbeulen, Giftbrühen und anderen Geschmacksverirrungen in ihresgleichen suchender Abscheulichkeit vernachlässigt. Ein Schicksalsschlag für Diejenigen, die die schnelle Attraktion bevorzugen und gleichzeitig ein Glücksfall für die gorehounds, die weder das Kino der Suggestion noch die Kunst der Andeutung suchen.

Auch Bewitched legt gut los: Ein Familienpicknick im Grünen hat nicht einmal die klitzekleinste Chance, so etwas wie Friedlichkeit und Idylle auch nur anzutäuschen, wird doch binnen weniger Sekunden die von Ameisen bedeckte Leiche eines kleines Mädchens gefunden. Der ermittelnde Inspector Bobby Wong King-sun [ Melvin Wong ] macht über einen Augenzeugen, einen Taxifahrer und die Schuluniform der Verstorbenen rasch den Täter ausfindig. Ihren eigenen Vater Stephen Lam Wai [ Ngaai Fei ], der sich auch geständig zeigt, dabei zwar jegliche Schuld ablehnt, trotz psychologischem Gutachten aber trotzdem zum Tod durch Erhängen verurteilt wird. Doch vorher erbittet er noch ein Gespräch mit seinem Gegenüber Wong, der die ganze Angelegenheit plötzlich mit anderen Augen sieht.

Was der Zuschauer abgebildet bekommt, lässt auch bei ihm gewissen Spielraum erweitern und bisher vorenthaltene Kenntnisse hinzufügen; abseits des blanken Kontextes im Film sogar. Vor allem aufgrund der baldig anschließenden Rücblende durch Stephens Erzählung, die seine Sicht der Ereignisse präsentiert, wird nicht nur die materielle Struktur späterer Exploiter vorweggenommen – nahezu grundsätzlich arbeiten fast alle Cat 3 Werke mit genau demselben Aufbau von narrativer Aufdeckung durch Befragung eines Polizisten – . Sondern auch das exakte zeitgenössische Gegenstück zum Vorschein geholt. Herman Yaus fahl leuchtender Gong Tau: An Oriental Black Magic [ 2007 ], der seit langer Zeit nicht nur der erste ernstzunehmende Vertreter aktuellen kantonesischen Horrors, mit handfester Konsistenz der inszenatorischen Repräsentation ist, sondern auch das Interface zur eigentlichen Hochphase der Gattung eben von 1974 - 1983 aufweist. Die Schnittstelle zwischen der Erneuerung und der Rückkehr. Allerdings lag der bisher als Inspiration angenommene Querverweis immer ein wenig auf dem zumindest im Originaltitel gleich lautenden Black Magic - Das Omen des Bösen [ 1975 ], dabei ist das vorliegende Werk viel dichter an der Quelle der erleuchtenden Anregung justiert.

Auch wenn sich die konkrete Beeinflussung bloß in der Eingebung der speziellen Ausgangsidee und dem grob skizzierten Setting samt der plastischen, nicht gleich parabolischen Übernahme einiger spezifischer Szenen niederschlägt, sind die Gemeinsamkeiten doch charakteristisch hervorstechend genug, um Leitgedanke, Grundgerüst und Phasengrenze nun doch unübersehbar zuordnen zu können:
Augenscheinlich evident vor allem die Episode des weltmännischen Stadtmenschen, der auf Urlaub in Thailand seinen Flirt mit einer Einheimischen zu weit treibt und der scheinbar harmlosen Mätresse das Gefühl der großen Liebe und ihrer Einzigartigkeit gibt. Um in heimischen Gefilden das "Aus den Augen, aus dem Sinn" Motto zu betreiben. Um prompt von der unerbittlichen Rache der Frau heimgesucht zu werden.
Auch ein nächtlicher Angriff aus dem Nichts auf einen Polizisten, der gerade seine Streife vollzieht, wurde nahezu im offenkundigen 1:1 illustriert; Bewitched als das intuitive Urbild der Vernetzung der vorhandenen Ressourcen, allerdings nicht das Idealbild.

Zu weit ist man entfernt von dem Test des Charakters im Dämmerzustand, der Schattenfamilie des gotisch poetischen Märchens, dem optischen Restlichtverstärker. Man weist keine konkrete Angriffsstrategie, keine pechschwarze Belagerung oder beunruhigende Rationalität auf, sondern bezieht sich viel auf das Hinterland der fremdländischen Exotik, der Andere Länder, Andere Sitten - Phantasie, dem überfarbenen Kontrast zwischen der urbanen Moderne und dem bäuerlichen Vorleben. Ein Gegensatzpaar, dass sich in einem seltsam buntschillernden Regenbogen voll Mythenmixturen zu sehr darauf konzentriert, seinen eigenen Impresario wie Albus Dumbledore auf Hogwarts zu zelebrieren statt die Wirklichkeit zu manipulieren oder die Angst direkt inmitten der Realität zu holen.

Zu sehr Abrakadabra-Trash, ausgelassen überdrehter Surrealismus, paradoxe erzieherische Fabel mit ethischer Lektüre – "Simultaneously, the moral of this story is to admonish people against casual sex and to be on guard against witchcraft." – statt der symphonischen Projektion dunkler Zweifel und Widersprüche. Stilistische Unterschiede, die sich im Verzicht der Ambivalenz formulieren. Abstriche nicht nur im direkten Vergleich, sondern auch bei abstrakter Betrachtung müssen besonders im Verhältnis der materiellen Substanz zur zeitlichen Ausdehnung gemacht werden. Abgesehen davon, dass Stephens Bericht ausschließlich als Alibi für ein rein touristisches Abklappern diverser lokaler Sehenswürdigkeiten von sowohl der Stadt Nanyang in der Provinz Henan als auch dem Badeort Pattaya und entsprechend neckischen Wasserspielen am Strand oder in der Badewanne herhalten muss. Und sich dort die pop Art - Dramaturgie bar dem Geheimnis der Frau an sich, dem Mysterium ihrer Erotik und der sexuellen Unterwerfung des männlichen Geschlechts fast selber den sprichwörtlichen Strick nehmen kann. Das Aufsuchen geographischer Attraktionen setzt sich unter leicht verändertem Anliegen bei fortführender Erkundung von Cop Bobby auch noch einmal von vorne fort. Eine rein oberflächliche Wiederholungsstrategie, die wohl dem ansässigen Reiseunternehmer als Wiedergutmachung für entgangenen Verdienstausfall das Geld in die Kasse spülen soll. Nach Konsum der sich im Anschluss vollziehenden Gräueltaten überlegt man sich nämlich mehrmals, ob man die nächste standard class Stadtrundfahrt nicht doch lieber ausfallen lassen sollte; die Vergeltung der geschassten Dorfschönheit überschlägt jede Verhältnismäßigkeit eines gebrochenen Herzens nämlich schon mit Schritt Nummer Eins.

Zwar wird auch der Sadomasotrip noch hinausgezögert und ein scheinbar ewig dauernder Fakirwettstreit zwischen Guter und Böser Magie eingeschnitten, der wie aus dem Handbuch für kleine Geisterbanner zitierend ein "Die Hexe und der Zauberer - Special Collection" abfeiert. Doch ab dem Vollzug des Fluchs, denn die Dame schon vorsichtshalber mit deadline über ihrem vermeintlichen Prinzen beschworen hat, befindet sich Regisseur Kuei samt seinen Gefolgsleuten von der Maske schlagartig in hartnäckiger Präsentierlaune. Groß in Mode ist erneut das Hantieren mit allerlei Maden, das Herumpanschen mit abartigem Sud aus Schweiß, Blut und Gedärm, unangenehm scheußlicher Entstellung von Körper und Gesicht und fratzenhaft grässlicher Vermummerei. Wobei man im Nachhinein nur dankbar sein kann, dass, auch wenn die Effekte durchaus ihren Zweck des eindringlichen Ekels erfüllen und mit Liebe und Einfallsreichtum hausgemacht, sie lange noch nicht auf der Höhe der Zeit und doch unmissverständlich als fake zu identifizieren sind.
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Sonntag, 23. Dezember 2007

Review: Corpse Mania [ 03/06/1981 ]

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1974 hat Shaws Experte für das Grobe, Regisseur Kuei Chih-hung das einschneidende Horrorgenre mit Ghost Eyes mit aus der Taufe gehoben, Anfang der Achtziger trägt er es mit Samthandschuhen wieder zu Grabe. Zwar sollte das Metier noch einige Monate auch in der Totengruft erblühen, bevor es sich dem schrill aufbereiteten Unterhaltungsjahrzehnt geschlagen gibt; nach Corpse Mania war aber das letzte Tabu gebrochen, die Zerstörung durch die Deutlichkeit bereits voran geschritten und die Balance aus Neugier und Angst, aus Faszination und Beklemmung vorübergehend zu sehr in die Ecke der Abscheulichkeit gewichen. Aus dem furchtsamen Blick in die Abgründe, dem Nervenkitzel beim Schock, der Lust und der Neugier beim Betreten der Orte des Schauderns und des Fürchtens samt heilsamer Katharsis ist dieser Schritt scheinbar einer zu weit in die Urängste hinein gewesen.

Die Eleganz des Phantastischen, der Reiz des Bösen, der Umgang mit dem Jenseitigen, der Bereich des Wunderbaren, des Nichtrealen, der Fiktion wird abgeschnürt und gegen Memento te hominem esse und Memento mori ausgetauscht. Bedenke, dass du ein Mensch bist. Bedenke, dass du sterben musst.
Der antike Mahnruf nimmt im Film selber zwar nur den Aufhänger der Geschichte ein, die diese Verletzung des Bannes zwischen dem Wunsch nach dem Blick und der Furcht vor ihm gar nicht als unbedingten Auslöser bedurft hätte. Eine optische Illusionspraxis. Die eigentliche Handlung würde auch gut ohne ihre trügerische Tendenz zur Transgression, zur ablenkenden Überschreitung auskommen und hat auch genügend weiteres, im Vergleich zum Prolog geradezu harmloses Material für die Befriedigung der Schaulust auch in der Inszenierung des Todes zu bieten:

Guangzhou, irgendwann in den 30ern.
Als der Fäulnisgeruch die umliegenden Anwohner erreicht wird ein erst kürzlich neu bezogenes Anwesen aufgebrochen, dabei findet man eine von Maden übersäte Leiche vor. In der durch die Autopsie festgestellten Gewissheit, dass der nunmehr verschwundene Herr des Hauses erst kurz zuvor mit der angeblich kranken Frau Geschlechtsverkehr vollzogen hat, macht sich Police Chief Zhang [ Wong Yung ] mitsamt Assistent Junde [ Tai Gwan-Tak ] zu seinem Kollegen Liu [ Walter Tso ] nach Foshan auf, wo nur wenige Zeit zuvor ein ähnlicher Fall stattgefunden hat. Liu erzählt ihm die Ereignisse um den mysteriösen Li Zhengyuan, der aus Liebe zu einer freigekauften Prostituierten diese bis in den Tod gepflegt und sie auch darüber hinaus umsorgt hat. Und mittlerweile Interesse an sämtlichen Angestellten der Bordellbesitzerin Madam Lan [ Tanny Tien ] zeigt, auch an ihrer Adoptivtochter Yan Er [ Yau Chui Ling ].

Die Beschäftigung mit dem Thema der Nekrophilie ist in seinen Bildern anders als bspw. die kunstvollen Umschreibungen geträumter Sünden Vertigo – Aus dem Reich der Toten oder Das grüne Zimmer aber zu demonstrativ, zu artikuliert, zu drastisch, um nicht den Preis der Zerstörung der ungeschriebenen Regeln zu zahlen. Dem Fetischismus und dem Voyeurismus wird die Imagination genommen. Auch wenn keine entsetzte Entmystifizierung wie bei dem obduzierenden Gegenstück The Act of Seeing With One’s Own Eyes stattfindet, nicht dokumentarisch in genauer Kälte oder klinischer Distanz hingesehen wird, werden in der Beziehung von Tod / Sexualität, Begehren / Vergängnis, Wonne / Leiden – "even dying is an act of eroticism..." – die Grenzen für Abwegigkeit und Verdrängten nicht bloss angetastet, sondern zu sehr aus dem Geheimnis des Kinos heraus und in die Hilflosigkeit des Lebens hinein gezerrt.

Die Sicherheit der Konvention und die versehrte Schönheit anderer Shawscher Horrorwerke nahe dem gothic cinema ist deswegen hierbei schon von Beginn weg; eine unverschämte Dreistigkeit narrativer Laterna magica, die in seiner späteren Banalität schon wieder äußerst kreativ und vor allem clever ist. Durch die schnelle Konfrontation mit dem Unaussprechlichen wird der Boden sicherer Tatsachen komplett entfernt und das Unvorstellbare zur Realität, auch wenn das Lug- und Trugmärchen rückwirkend recht offenkundig ist. Allein die Szenerie der beiden Städte ist derart übertrieben abgestorben, dass das einstig glanzvolle Studio der Spätromantik schon mehr einem Friedhof bar jedem Ästhetizismus ähnelt. Die Reise von Zhang und Junde nicht von Hell zu Dunkel, sondern von einem trist deformierten Ort zum Anderen, beide von einem wie durch Ansteckung übertragenem Fieber in die Auflösung verzerrt. Es ist niemals richtig Tag, nie hell, nie scheint die Sonne oder wirkt es warm. Ein Reich der Schatten, der finsteren Ecken, hohe Luftfeuchtigkeit drängt den Nebel durch die diesigen Nebengassen, eine klaustrophobische Waschküche aus aasigem Laub, Schmutz, Staub, Spinnenweben, ähnlich dem Elendsviertel Whitechapel. Nach der Erzählung von Liu, die auch gleich die Möglichkeit der Rückblenden pessimistischer Ansichten formuliert, wandelt sich das verwesende Schauerstück auch tatsächlich in eine morsch knarrende Jack the Ripper Inspiration mit makaber ausgeschmücktem Gimmick um.

Aus der desorientierenden, aber zwangsweise mitfühlenden Identifikation mit dem Täter, dem damit verbundenen Angriff auf die Augen und dem sinisteren, an Magen und Nieren gehenden Thema wird eine simple Profiler-Pathologie mit raffinierter Doppelbelichtung. Ein Spiegeltrick, der Linderung schafft. Aus der kurzen, aber heftigen Revolte zurück in den lieb gewonnenen und vor allem Sicherheit gebenden Stillstand. Alles halb so schlimm. Ein mechanischer Bodycountkrimi, zwischen Gruselkarneval und Geisterbahn-Kintopp, nun auch mit Dramaturgie, mit der Rückführung von der Abstraktion zur rechten Ordnung, mit der Eindeutigkeit von Gut und Böse – Li Zhengyuan wird zum aktiven Dirnenmörder, allerdings aus Gründen der Vergeltung – , Geheimgängen und einem Verschwörerplot um Geldgier. Immer noch das Spiel zwischen Dämonischem und Psychologischem, aber das Verschieben vom sexuellen Impuls auf die gewaltsamen Rituale incl. der üblichen Typologie und Symbole der stalk 'n' slash fright night sowie forschem Aktionismus. Mit der Korrektur der bisherigen Erfahrung, der aufatmenden Erleichterung von großen Gesten, sichtlich falschem, fast rosa gehaltenem Blut und ebenso unechtem Schauspiel. Statt wie bisher der Subtilität moralischer Ambivalenz zwischen den Widersprüchen der Wünsche, der Erziehung und der Entfremdung durch die Konsequenzen nicht tolerierter, nicht akzeptabler und somit strafbarer Sexualität.
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Review: Sex beyond the Grave [ 11/08/1984 ]

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Im Prolog ein Zugeständnis an die Ära der exzessiven Maßlosigkeit zuvor. Statt einer Einleitung zum Film vielmehr das ausklingende Nachspiel auf das Jahr 1983, dass bis zur Einführung des Category 3 Siegels Ende der Achtziger ein letztes Mal die Daumenschrauben zwischen Normalem und Pathologischem anzog. Eine kurze, aber umso lautere Schlussrede zu Mitternacht, um im Morgengrauen Abschied zu nehmen und sich mit wankenden Beinen ins unsichere Kommende der Zukunft zu begeben.

Die ersten Minuten von Sex beyond the Grave sind das Einzige, was dem reißerischen Titel und seinem ebenso Aufmerksamkeit hervorrufenden Originallayout entspricht – ein von Wahnsinn gepeinigtes, schreiendes Frauengesicht, im verblassten Schwarzweiß vor triefend tiefrotem Blut –. Und auch der einzige Akt, der in der drohenden digitalen Spaltung zwischen Horror und FantasyKomödie überhaupt funktioniert. Mit einfachsten Mitteln sogar, einer schlichtweg Aneinanderreihung von Brutalität und Sex im sadistischen Genuss, viel Boshaftigkeit, Infamie, einer ruchlosen Niedrigkeit und Verrohung der Triebe. Eine derbe Tonsetzung mit ebenso eindringlicher Interpretation, die die Grenzen der Abgründe der Psyche ohne weitere Vorwarnung, in einer schiefen Balance zwischen wenig Diskretion und viel Deutlichkeit anschneidet.
Doch dann wird es hell, viele Jahre sind vergangen, die Zeit hat sich geändert und macht einer flexiblen, indeterminierten Unbestimmtheitsstelle Platz. Vom Schrecken ohne Ende zum Ende ohne Schrecken, bei dem die immer freundlicher werdenden Publikumserfolge nicht umsonst Happy Ghost heißen:

Am Ende des Zweiten Weltkrieges erbittet die flüchtende Sängerin Ah Hua [ Kwong Mei Bo ] zusammen mit ihrer Kleinfamilie Unterschlupf auf dem Anwesen von Old Tao [ Gam Biu ]. Doch dieser liefert sie nicht nur dem Japaner Kimura [ Philip Ko ] aus, der Ah Huas Mann und Sohn tötet und sie vergewaltigt, sondern beteiligt sich sogar an der Misshandlung und tötet die Frau anschließend wegen einer Juwelenbox selber. Ab dem Moment ist das Haus samt Grundstück verwunschen; da der Nachkomme Tao Ming [ Goo Goon-Chung ] und seine Frau Ida [ Lai Yin Saan ] wegen Spielschulden das bisher verschlossen gehaltene Gebäude verkaufen müssen, ziehen ihre ahnungslosen Freunde Professor David Yang [ Anthony Lau ] nebst Frau May [ Chin Wai Yee ] und dem vierjährigen Sohn Nicky in die unheilvollen Gemächer.

Die Einleitung nur als rechtfertigende Ausrede für den aktuellen Feldversuch im zeitgenössischen Milieu. Als alibihaft reduzierter Vorwand, um den Schwung des ersten Entsetzens und die Spannung von Anteilnahme und Überschau für den eigentlichen Aufbau auszunutzen. Einführung und Vorstellung der Figurenkonstellation, deren Subjekte als blanke Funktionenträger formuliert werden sowie die endgültige Szenenlokalisierung in das frühere Landbesitztum der Taos nehmen ein ganzes Drittel der eh schon knapp bemessenen, zusätzlich mit strammen jump cuts und ungrammatischem Montageaufbau ernährten Handlung ein. Ein Nebeneinander von ernsten, bemüht komischen, versucht erotischen, mit full frontal nudity aufgeheizten, meist jedoch zutiefst belanglosen Episoden um die Spielsucht des Tao Ming. Stetige Metamorphosen, in denen die Bildelemente fortwährend Gestaltwandeln, merklich an Intensität nachlassen und zuletzt etwas völlig Gegensätzliches als das schockierende Ausgangsbild darstellen.

Ein irritierendes Überall und Nirgendwo, bevor man sich endlich auf bekanntem Terrain befindet: haunted house also. Die Renovierung und Nutzbarmachung von überwuchertem Wildwachstum, dass sich im Kampf Natur gegen Mensch die Grundmauern seiner Existenz zurückerobert und als Sieger über Tod und Sühne postuliert. Die Selbstherrlichkeit des Architekturalen, das als Tatort eines schrecklichen Verbrechens das moralische Gewissen vertritt. Und die Metapher der abgesperrten Tür, deren unbefugtes Öffnen zur Wiederkehr der verdrängten historischen Gewalt, dem Ausdruck der Schuld und Symbol der Bestrafung wird.

Die jeweilige Quelle der Inspiration kann man sich nach eigenen Gutdünken aussuchen; nicht nur von dem Zeitraum der Entstehung her waren es in präziser Weise wohl eher Das Landhaus der toten Seelen, Amityville Horror, Das Grauen statt einem Das Haus auf dem Geisterhügel oder Bis das Blut gefriert. Auch Poltergeist dürfte bei manchen Szenen Pate gestanden haben. Wenn Kühlschrank, Fernseher, Küchengerätschaften, Licht verrückt spielen, Flaschen, Fensterscheiben und Wasserleitungen bersten, Automatisierung, Technizismus, spiritistische Systeme und buddhistischer Glaube aufeinander treffen und Aberglauben, Mystizismus und Okkultismus in einem typisch modernen Haushalt eindringen, sind die Querverweise deutlich.
Exorzistische Aktivitäten, religiös motivierte Rituale und kirchlich-heilsgewisse Paraphernalien im Kampf gegen die nur in der Wirkung sichtbaren Kräfte der Schreckgespenster sind ja allerdings nur ein Aspekt der erstaunlich antichristlichen Geschichte. Leider. Und leider selbst dann noch nicht einmal der überzeugendste.

Zwar arbeiten die Effektspezialisten mit durchaus gekonnten Attributen, wenn es denn mal daran geht, dem Haus ein störrisches Eigenleben zu verleihen und den destruktiven Hammer gegen die renovierte Einrichtung und ungebetenen Besucher zu schwingen, tun dies aber in rein oberflächlicher Spektakel-Referenzialität, die nur auf die psychische Stimulation beruht. Eine bloß instrumentelle Sichtweise, die sich auf die textexterne Kategorie der schieren Taschenspielerei und anderem Gauklerdasein ausruht und dabei bereits die noch kommenden Trickschlachten in expressiv akustischer und visueller Lautstärke vorweg nimmt. Geschieht dies mit dem simplen Verrücken von Gegenständen, wie es bereits in der wüsten Zimmerzerstörung bei Devil Fetus mit beeindruckenden Ergebnissen praktiziert wurde, so darf man auch hier Erfolg bescheinigen; sobald man sich aber komplett in die Zaubermanege der Destabilisierung stürzt, folgt auch schon der tiefe Fall ins Lächerliche.

Aktionen direkt aus der Augsburger Puppenkiste, die anwesende Figuren als Helden aus Holz wie im Lummerland herum segeln lassen, bewahren durch ihren naiven Charme ja immerhin noch die joviale Sympathie des schon ein wenig konsternierten Zuschauers. Nur, besonders der im damaligen HK Kino beliebte Einsatz der bunten Malstifte, indem einfach Blitze und andere Objekte in die Leinwand gezeichnet werden, wirft das ganze Projekt schon auf eine derart kindische Stufe zurück, dass neben "Hauptsache billig" und "Qualität ist Nebensache" auch noch das plötzliche Infantile rückwirkend jeglichen positiven Eindruck empfindlich schmälert.
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Review: Hell has No Boundary [ 04/06/1982 ]

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Kleine, nicht gleich knifflige, aber gut besetzte Fingerübung von Richard Yeung Kuen, der ein Jahr darauf seinen Paukenschlag Seeding of a Ghost abliefern sollte und hierbei schon vorbereitend alle Zutaten kredenzt. Ein Köcheln noch weitgehend für den privaten Testbereich, das Pochieren mit Maden, Schleim, Spülwasser und Erbrochenem im urangrün getöntem Licht, dass mal nicht die Farbe des Lebens, sondern der Gefahr bis hin zum Tode symbolisiert. Ein halluzinatorisches Traumwandern in die Zwischenwelt der Geister und Dämonen, die ihre unglückselige Existenz bedrohlich in die nur scheinbar harmlose Realität überlagern oder gleich die Opfer in ihren Machtbereich saugen. Ein negativ besetztes Wachsen und Gedeihen, ein wenig beruhigendes und schon gar nicht harmonisierendes Sinnbild für die Verschiebung der heilen Welt in das folgenschwer ausschwingende Schattenreich des Karma, in dessen Kreislauf der Wiedergeburten Gleiches erneut Gleiches erzeugen muss.

Hell has No Boundary ist ein mehrfach geschnürtes Paket, dass seine Konzentration auf das Wesentliche durch eine weitreichend facettierte Erzählführung und täuschende Ornamente an der oberflächlichen Wandung lange Zeit verbergen möchte und dies auch kann. Ein kombinatorisches EC Comic mit Mehrdimensionalität und Tiefenstruktur. Die Handlung entwickelt sich schnell, aber eben nicht eindeutig und schon gar nicht mit Erklärung und Motivation, sondern vielmehr allseitig befähigtem Erfahrungs-, Deutungs- und Verständnismuster, in dem Erinnerungsspuren in neue Sinnzusammenhänge gebracht werden. Ein alogisch polymorphes Stochern im Genre des Okkulten, zwischen Der Exorzist und Das Omen schwankend und gleichzeitig die aktuelle soziale Komponente, die sexual subversion und ein seelisches Niemandsland ansprechend. Aber eigentlich geht es um das Wissen von Reinkarnation und Karma. Darum, dass man sich immer zweimal im Leben sieht. Eine Redensart, die viel drohendes Versprechen und Andeutung für eine späte Revanche und so das Kosmische Prinzip von Ursache und Wirkung bereithält. Aktion gleich Reaktion. Ein Energiefluss, der mit selber Intensität zum Ausgangspunkt zurückkehrt, auch wenn dazwischen mehrere Jahre auseinander liegen können:

Wenn Cheung [ Derek Yee ] vorher geahnt hätte, was sein Geburtstagsgeschenk für Freundin May Wong [ Lau Suet Wah ] alles auslösen wird, hätte er sie sicher nicht auf eine schroffe Felseninsel zum Camping eingeladen. Schon bei der Ankunft hat sie seltsame Erlebnisse, am Ende des Tagesausfluges jagt, quält und ertränkt sie beinahe ein Kind. Dafür läuft es im Büro besser; Polizistin May kann ihre beiden Konkurrentinnen für die Beförderung ausbooten und steigt trotz des Einspruchs ihres direkten Vorgesetzten Inspector Wang [ Yueh Hua ] die Karriereleiter hinauf. Dass sich die Unglücksfälle in ihrer Umgebung schlagartig häufen, fällt dabei nicht nur dem Reporter Koo [ Ken Tong ] auf. May scheint besessen und mit übernatürlichen Kräften ausgestattet zu sein.

Dem wenigen Vorlauf sei Dank wird auch die etwaige Idylle im Leben des Paares derartig kurz gehalten, dass man sich abseits einer gemeinsamer Bootstour samt anschließendem Grillabend gleich auf die weitreichend verzwickte Geschichte zwischen suggestiver und autoritärer Welt verlagern kann. Statt der Abbildung des Glücks wird ein rascher Blick auf die urban modern-day Wirklichkeit geworfen, dort aber dem Grauen ein Gesicht mit anmutiger Maske und dem baldigen Chaos des Schaudern eine feste Form verliehen.
May und Cheung arbeiten zwar unter einem Dach, scheinen dort aber nicht in der selben Einheit integriert zu sein und wohnen auch nicht zusammen; eine Tatsache, die sich beizeiten noch als einschneidender als angenommen erweisen soll. Sowieso wird die gesamte Personenkonstellation auch einschließlich des Inspectors, seiner Schwester – einer Art Hohepriesterin mit Hokuspokusfaible – und auch der beiden zwei weiteren Kandidaten für den ausgeschriebenen Sergeantposten noch einmal unter veränderten Prämissen in Augenschein genommen:

Eine wirkungsstarke Episode aus der dunklen Krise des Zweiten Weltkrieg wird als Rückblende aufgerufen. Ein groteskes, kalkuliert verfremdetes Historienpanorama angefüllt mit Niedertracht, Unmenschlichkeit, Abartigkeit bis zum Exzess, mit japanischen Hitlerbärtchen, sexuellen Belästigungen, Kindstötungen, Kannibalismus, Ausweidungen und Drogenschmuggel per leerem Menschenkörper.
Eine eigentlich universale Transkription des unvorstellbaren Grauens, dem, wenn dies denn in provozierender Allegorie mit destruktivem Impuls gehalten wäre, der heutige Nachklang des Schreckens wenig entgegensetzen vermag. Regisseur Yeung greift zwar bewusst auf die traditionelle Traumsymbolik ebenso zurück wie er an die Urängste des Menschen appelliert – Stürze und Fallen aus großer Höhe, Ertrinken, Feuer, Ersticken etc. –, allerdings ist die hiesige Produktion der Horrorbilder nur eine spekulative, nicht automatisch spektakuläre Simulation der Grausamkeit im trivialem Stil. Statt subversiver Kritik am Bestehenden oder der radikalen Auflösung im Schock mit viel abergläubischen Spiralnebel, ebenso emsig unfreiwilligem Humor und zäsuierenden Kleinszenen umwabert. Ein soweit schon sicheres Auftreten, aber ohne Nachdrücklichkeit in der Rede, offenkundig theatralisch und stark in Richtung exploitivem Trashkino mit überkünstlich knallrotem Gelatineblut. Wie laminiertes Hardcover, dass für die Pulp-Käuferschar eine erneute farbrestaurierte Machkolorierung verpasst bekommt.

Zumindest die materielle Tatsache, dass sich Jeder von Ihnen schon früher über den Weg gelaufen ist und man dort auch in unterschiedlicher Bindung mit speziellem Einfluss zueinander stand, setzt das bisher recht vordergründig gehaltene Geschehen prompt in das Postulat der moralischen Weltordnung und damit in ein neues Licht. In das besagte Grün nämlich.
Grün steht in China auch für das Yin, dem passiven, empfangenden Prinzip. Dem weiblichen Gegenstück des Yang, dass als aktiv und schöpferisch beschrieben wird. Analog zur Frequenz des alles bestimmenden Kismet braucht auch die taoistische Zirkulation das Gleichgewicht in der Natur und damit die richtige Balance. Zwei sich ergänzende, nicht voneinander trennbare Elemente. Cheung und May gehen allerdings verschiedene und auch noch umgekehrte Wege. Während er in seiner Aufgabe versagt, einen extra Rundkurs auf dem Behördenweg einlegt und mit seiner Stelle hell auf zufrieden ist, ergreift sie notgedrungen die freigewordene Initiative der gesellschaftsstabilisierenden Waage; dabei weist sie ein sehr irdisches Begehren für eine eigentlich transzendentale Macht auf: Die berufliche Laufbahn. In der Männerdomäne.

So setzt sie ihre neu erworbenen, des Nachts auf der Insel aufgezwungenen Kräfte und den Vergeltungswillen bevorzugt dafür ein, zielstrebig mißliebige Zeitgenossen aus der Gefahrenlinie zu schaffen. Wobei sie als kühles, zänkisches Karrierebiest nicht nur mit den Waffen der Frauen arbeitet, sondern die Feinde desöfters einem manipulierten Wachbewusstseinserlebnis aussetzt und so geradezu über Leichen geht. Eine sinntäuschende Trugwahrnehmung mit hypnotischer Regression, die die Opfer einer für sie realen Bedrohung freigibt, die von Außenstehenden aber nicht gesehen, auch nicht innerhalb der Grenzen der reinen Vernunft liegen und so als Todesursache ausgeschlossen wird.
Das eiskalte Matriarchat der Gegenwart arbeitet im emanzipatorischem Dreifrontenkrieg auch mit illusorischen Attacken von Kampfhund, Schlange, Krabbe, Würmern usw., die die Durchschlagskraft des cinéma fantastique in der alltäglichen Praxis vorführen. Eine Ausgeburt der Hölle, ein buchstäbliches "Es müsste schon mit dem Teufel sein", wenn die Frau ganz nach oben gelingt.
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Samstag, 22. Dezember 2007

Review: Blue Jean Monster [ 23/05/1991 ]

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"Ungefähr alle dreiunddreißig Jahre wiederholt sich ein Ereignis in unsern Gassen, das gar nichts besonders Aufregendes an sich trägt und dennoch ein Entsetzen verbreitet für das weder eine Erklärung noch eine Rechtfertigung ausreicht."

Was auch immer für eine Giftgaswolke über dem Duftenden Hafen an der Südküste der Volksrepublik China im Jahre 1991 gelegen haben mag, sie hat zumindest die Kreativität und das Talent gleich mit der Autoren und Regisseure der nahe liegenden Umgebung positiv beeinflusst und sie zu einem höheren Bewusstseinsstatus verholfen. Anders lässt sich nicht erklären, wieso ausgerechnet dort und dann mit der synkretistischen Action / Horror / Slapstickkomödie Blue Jean Monster eine Golem-Sage zeitgemäßen Ursprungs entstand, die die vorhandene Materialkombination des Jüdische Märchens kontinuierlich neu assoziiert. Sicherlich eine Variation mit semantischem Unverständnis nur, eine Verlegung in die moderne Zeit, die genauso viel der amerikanischen 80er Jahre Science Fiction um Dead Heat, RoboCop und Terminator zu verdanken hat und sowieso in Berauschung und Inspiration aus den verschiedensten Stilelementen und Denkschulen gespeist ist. Aber ebenso den Wunsch der Geschichte entspricht, dass eine künstliche, starke und schützende Figur mit menschlichem Ebenbild geschaffen wird, die den Schwachen und Unterdrückten beisteht und sie vor Verfolgung und Bedrängnis bewahrt. Auch hierbei die Erweckung toter Masse zu lebendiger Existenz, die als Art patrolman mit wachsenden eigensinnigen Charakterzügen die Straßen säubert und ansonsten zurückgezogen in seiner eigenen Stube verkehrt.

"Mache ein Menschenbild aus Ton, und Du wirst der Böswilligen Absicht zerstören."
Polizist Hsiang Tsu [ Shing Fui On ] wird bei der Vereitlung eines brutalen Banküberfalls durch herabfallende Eisenstreben getötet. Als er wenige Stunden später nach einem deftigen Stromschlag trotzdem wieder im heimischen Bad steht bemerkt er erste Auflösungserscheinungen seines Körpers; nicht nur, dass sich seine Augen nicht an grelles Licht gewöhnen können und er oft Schwächeanfälle hat, auch fühlt er keinen Schmerz und kann auch keine Nahrung mehr zu sich nehmen: Ein großes Loch im Bauch stößt jede aufgenommene Mahlzeit sofort wieder ab. Da seine Frau Chu [ Pauline Wong ] hochschwanger ist verschweigt er ihr seine Veränderung und macht sich stattdessen auf ruheloser Wanderschaft an die Verfolgung der Kriminellen. Vor seinem Informanten Mr. Big [ Tse Wai-Kit ] und dessen forscher Freundin Gucci [ Gloria Yip ], mit denen er ebenfalls zusammen wohnt kann er sein abnormes Verhalten allerdings nicht lange verbergen.

Während Paul Wegeners Film Der Golem, wie er in die Welt kam den jüdischen Volksglauben im kollektivem Wunsch nach Sicherheit mit dem christlichen Faust-Mythos verband, orientiert man sich hier eher an Gustav Meyrinks Roman "Der Golem", in dem die fantastischen Elemente der polnischen Kunde mitsamt alten mystischen Spekulationen gekoppelt und zu den naturalistischen Schilderungen kontrastiert werden.
Im hiesigen helter-skelter Skript eine Rückführung auf die talmudische Aggadah, die in der Jetztzeit zusammen mit dem buddhistischen Glauben an die Reinkarnation aus dem Karma des Gestorbenen eine modernisierte Populärfabel formulieren. Den Einbruch des Übernatürlichen in eine real erfahrene, hier noch in typischer Hong Kong Manier äußerst bunt und gleichzeitig einfältig gehaltene Welt, deren Mitwirkende in aktueller Hochhausarchitektur auf klaustrophobisch klein gebauten Raum leben und agieren. Gemeinsamkeiten der Handlung, die im wesentlichen Bestandteil durch diesen privaten patchwork-Familienteil statt dem öffentlichen Auftreten gekennzeichnet ist, sind die komplette Übernahme der biblischen Schöpfungsgeschichte, des Frankenstein-Aberglauben und der Anmaßung der artifiziellen Person, selbst wie Gott sein zu wollen und sich gegen seine Schöpfer aufzulehnen; allerdings fern jeder politischen Allegorie oder auch eines wahrhaft fatalistischen Tones.

Tsu stellt zwar eher Doppelgänger des Menschen mit neuen Stärken und neuen Schwächen dar, dessen Beseelung auch durch Strom und weder durch Gebete noch magische Formeln erreicht wird, aber der auch den Ehrgeiz hat, selbst zum gottgleichen Erzeuger neuen Lebens zu werden und unbedingt sein Kind zu sehen. Seine "Geburt" ebenfalls in einer Gewitternacht, statt in einem Turm auf einer skelettartigen Baustelle, ein genauso "gottverlassenes Krähennest". Die Problematik, danach ohne Zeugungskraft und Trieb zum Weibe zu sein. Der Triumph seiner sonstigen neuen Fähigkeiten und der blockierte Drang zu sinnlicher Erfüllung wandeln sich zuweilen in unbeherrschte Zerstörung aus der Chelmer Traditionslinie um, in dessen Scheitern er zunehmend die Kontrolle über seinen Körper verliert und zur Gefahr für sich und andere wird. Und er benötigt permanent Anabiose, um die Schwelle zwischen Leben und Tod zugunsten des Ersteren zu halten; ständig neue Elektroschocks, die er sich erst im Krankenhaus auf der Intensivstation und bald daheim mit einem umgebauten Bügeleisen abholt. Sein zunehmend bleicher mongolischer Körper als wiederaufladbare Batterie, dessen Energieversorgungs-Kit bei zu viel Leistung auch schon mal in Zeitraffer und Mickey Mouse Stimme verfällt.

Also erst Räuberpistole, dann Jägerlatein, dann Scharlatanerie mit dem Motiv des magischen Knechtes. Eine okkulte Wunderlegende im analogen Stil des Formlosen, Ungestalteten, mit wenigen, aber dank urwüchsig kernigem Vorgehen dafür umso fulminanten Actionszenen in drastischer Frohnatur.
Dafür, dass man trotz dem Plündern des Zitatenschatzes kein später Abklatsch weit verbreiteter Vorstellungen und vielmehr ein Vorschlag zur Neudefinition und Ergänzung wird, sorgt dann schlussendlich der disgusting gross out Humor der oft allerderbsten, zuweilen auch grauenerregend geschmacklosen, aber nichtsdestotrotz schwarz-obskuren Sorte. Bevorzugt weit unter die Gürtellinie zielend werden Schusswunden mit der Monatsbinde der Frau versorgt, die bereits verdauten und durch den offenen Magen wieder ausgeschiedenen Nudeln zufälligerweise dem Mitbewohner zur Verköstigung angeboten, in offensiv naiver Weise über Sex in der Schwangerschaft, außerehelichem Verkehr, die Vorteile der Prostitution, die Nachteile der Homosexualität, AIDS, Behinderte und Silikonbrüsten debattiert.

Adäquat zu den bad taste jokes die Wahl des Hauptdarstellers, das Gegenteil eines ewigen Sympathieträgers und wohl kaum salonfähig: Shing Fui On, der sich vorher und danach als nebenberuflicher Triadenscherge mit grimmiger Miene durch das Leben schlägt, ähnlich gross, klobrig, grobmotorisch unbewegt wie die Prager Lehmgestalt gebaut ist und seinen einmaligen Fokus mit sichtlichem Spielwillen revanchiert.
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