Sonntag, 4. November 2007

Review: Guns and Roses [ 01/01/1993 ]

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Die seit dem Startjahr 1952 bis Heute produzierte Springfield Story ist mit über 15.000 Folgen die weltweit am längsten laufende Seifenoper.
Guns and Roses kommt dem ziemlich nahe, zumindest in gefühlter Hinsicht.

Was immer sich ein Philip Ko, erwiesener mastermind in Sachen B-Action, sich dabei gedacht hat, plötzlich aus heiterem Himmel und ohne jede weitere Vorwarnung ein Drama zu lancieren, es ging heillos daneben. Nicht nur, dass man ein Setting aufweist, dass viel eher in Richtung der - für seine Verhältnisse - ziemlich gelungenen Killers Romance und Phantom War hindeutet, auch die entsprechende Crew und sogar das eigentliche Genredrehbuch ist mit vor Ort; theoretisch wartet der verwöhnte und letztlich arg verblüffte und gleichzeitig enttäuschte Zuschauer bis kurz vor Ultimo auf eine ähnlich pessimistische Replik gezückter Waffen und fliegender Fäuste. Stattdessen bekommt er den missglückten Abriss eines Passionsspiel über große Träume, Liebe und Niederlagen, dass in freiwilliger Selbstzensur wohl gerne die moderne Wiedergabe der Sirk - Melodramen sein möchte, aber leider nichts weiter als ein dramaturgisch kurzatmiger Einakter mit schlechtem Dialog und noch schlechterem Schauspiel darstellt. Die Geschichte der Verwicklungen überschwellender Emotionen wird in emsiger Fließbandarbeit vorangetrieben und der Knoten des Ganzen so logisch verdeckt gehalten, dass letztlich Zufall, Allerunwahrscheinlichkeit und brachiale Gewalt die Auslöser des Bloodshed - Höhepunkts sind:

China - Flüchtling Tai Chin Shui [ Robin Shou ] muss auch fern der Heimat in Frankreich um seine Zukunft fürchten, ist er doch heimlich im Lande und hat wegen anhaltender Probleme mit dem Pass gerade seinen letzten Job verloren. Mittel- und perspektivlos geht er zu seinem alten Jugendfreund Fa Chin [ Simon Yam ], der in England zwar ebenfalls keinen Job hat, sich aber mit kleineren kriminellen Touren und dem Glücksspiel über Wasser hält; außerdem hat er in der Nachbarin Shato Shiko [ Sakakibara Yoshie ] eine treue Freundin, die zudem in der Firma von Mr Nakamuri [ Luk Chuen ] und dessen rechter Hand Peter [ Philip Ko ] ganz gut verdient und rosige Aufstiegschancen hat. Als Shikos lange verschollener Bruder Buta Taro [ Wilson Lam ] samt Vater auftaucht, könnte sich alles in Wohlgefallen auflösen.
Doch dann springt das Schicksal aus der Schachtel und schlägt mit dem Holzhammer zu.

Bis die unglückliche Kette voll Unglück soweit ist, hat man als mittlerweile etwas schläfriger, noch mehr enervierter Betrachter eher das Gefühl, sich auf der langen Reise über der Krümmung der Zeitachse zu befinden. Da hilft es auch nicht, dass die bescheidene, erst irgendwann vor Abspann überhaupt interessierende Handlung mit Klimperklavier aus einem weich gezeichneten Just Jaeckin unterspült ist und die vermeintliche Tragik gleich im tränenfeuchten Akkord bearbeitet wird. Statt theoretischer Reflexionen über globalising chinese migration und einem Themendossier über Asyl, Aussiedlerpolitik, Zuwanderung und Integration werden nur Formeln und Schlagworte [ Die Große Proletarische Kulturrevolution, der drohende Handover am 01.07.1997, die Atmosphäre offener Feindschaft gegenüber Japan ] und etwas fotografische Exkursion benutzt, um das Dramolett mit scheinbar ernsten Unterbau zu versehen.

Sowieso hat man auf dem Papier alles aufgefahren, was kurz vor der Schwarzblende auch bei den Vorbildern als schweißtreibender Cliffhanger herzuhalten hat und in inszenatorisch geschickten Händen zu einem aufwühlend blutigen Kampf zwischen der harten Wirklichkeit und dem herbei sehnenden Begehren des Menschen werden könnte. Incl. der späten Familienzusammenführung samt der Vereinigung getrennter Eheleute kommt noch eine tödliche Krankheit, drohende oder bereits eingetretene Arbeitslosigkeit, Karriereknick, Heimweh, Fernweh, politische Verfolgung, soziale Desorientierung, Rassismus, Polizeiwillkür etc. hinzu. Plus dem obligaten Gefühlswirrwarr einer gleich doppelt angedeuteten, aber letztlich nicht weiter beachteten Dreierbeziehung. Halt Gewehre und Rosen. Oder wie Sirk es sagte: Tränen, Gewalt, Hass, der Tod und die Liebe.
Schattenlinien und Lichtpunkte. Nur hier in inkompetenter Aufrechnung.

Bei Ko ist es bloß ein diatonisch-chromatisch-unharmonisches Bühnenweihfestspiel in falscher Aufmachung und verkehrter Behandlung. Nie glaubhaft, da nicht reinversetzbar, mit haarsträubenden Ereignissen, unverkäuflichen Wendungen, eitlem Gusto, übertrieben [selbst]ironischen Einsprengseln. Nichts funktioniert. Weder der anfängliche Schabernack, der seinen etwaigen, aber hier nichtvorhandenen Witz aus dem unbedarften Luftikusverhalten des Fa Chin und der Nebenrolle der weiblichen Giraffe Fanny [ Cindy Chow ] beziehen möchte, in der die Eine immer die sorglose Unbedarftheit des Anderen ausbaden muss und zusätzlich als stetig zu groß für ihre Umwelt und entsprechend empfänglich für Slapstick gezeichnet wird.
Noch der schon eher typische Rahmen aus verbrecherischen Geschäftsmännern, die im Hintergrund des genierlichen Geschehens die letalen Fäden ziehen. Aus unfreiwilligen Auftragskiller, Geld fordernden Schergen, schießwütiger Polizei und bis an den Rand der Existenz getriebenen Unschuldigen, die keinen weiteren Ausweg als die violente Notwehr sehen.

Schlimm die abwechslungslos-gleichförmig-einschläfernden Bildeinstellungen, die außer etwas touristischer Sehenswürdigkeit keinerlei optische Anreize ausnutzen oder gar schaffen vermögen. Schlimm das eruptive Spiel Simon Yams, der sich wohl aus Rache für das miese Skript um jegliche Reputation agiert. Schlimmer die ermattend strapaziöse Leistung des japanischen Popsternchens Sakakibara Yoshie, die mit ihrer schwer ertragbaren Leidensmaske mitunter spinös wie Stefanie Hertel wirkend noch jede sympathische Empfindung immens in Richtung Brechdurchfall drückt.

Kurz vor dem deftigen Parallel-Showdown gibt es besagten Kniff, der für eine Sekunde nicht nur den entscheidenden Aha-Effekt mit Sonderbedeutung, sondern tatsächlich auch die Tragweite in die ansonsten nicht nur scheinbar belanglose Geschichte andeuten vermag. Dort hakt für einen Moment die Zahnrädchenstruktur passgerecht ineinander. Aber bis dahin sind schüttere 70min vergangen, eine quälend ausdruckslose Zeitspanne arg gedehnter Tempi, unendlich langer Andachtspausen, prüde hingestrichelter Verbalisierung und abgedroschenem Nachhaltigkeitsfaktor. Eine altjüngferlich verhangene Aufführungspraxis in Rüschenbluse, Trompetenärmel und Grobmaschiger Netzstrumpfhose, mit sprödem Aufbau und unbeholfen-gouvernantenhafter Erkenntnis.
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Donnerstag, 1. November 2007

Review: Tough Guy [ 1997 ]

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Es soll ja Filme geben, die von Minute zu Minute immer besser werden, es ihnen nach und nach gelingt, den Zuschauer mehr oder erst recht zu packen, zu interessieren, zu faszinieren. Seltene Beispiele, in denen man schon kurz vor dem Wegdriften oder dem gleich Abschalten steht, bevor man plötzlich etwas entdeckt, dass man vorher nicht zu glauben hoffte oder wagte.
Tough Guy ist leider keines dieser Exemplare, sondern das exakte Gegenteil.

Auch eine Kunst, die von vornherein aufgrund Herstellungsjahr und -firma, sowie Regisseur und Darsteller doch eher niedrigen Erwartungen nicht nur zu unterbieten, sondern sich noch zusätzlich als vielleicht kleine Überraschung zu verkleiden und dann rasch sämtlichen Putz zu verlieren. 20, 30 min geht die Maskerade gut, aber dann ist nur noch rapide sinkender Fall zu beobachten. Ein Sturz ins Bodenlose, der viel Nerv und Geduld beim schon peinlich berührten Zuschauer abverlangt, um vielleicht doch noch mit hechelnden Atem und rollenden Augen ins Ziel zu torkeln.

Was ist nun so schlimm an dem Film mit dem knalligen Allerweltstitel, der von der Aufmachung und der B-Prominentenbesetzung der alten Schlagbolzen Yu Rong Guang und Billy Chow durchaus anlockend gehalten, zuweilen einfach hinreißend wunderbar ausgestattet ist und so angepriesen sicherlich manch Unwissenden in die heimtückische Falle gelockt hat ? Klare Antwort: Das Drama.

Statt sich auf einen formidabel hässlichen Actioner im sogar korrekten Setting mit ansprechend klaren Figuren und ihren kontrastierenden Problemen zu verlassen möchte man die eher kurze Zeit noch überplanmäßig mit Herz und Seele füttern. Eine Art Regarding Henry, oder dessen asiatische Variation Loving You sein. Was prompt schief geht und das restliche, so nicht mehr überlebensfähige Konstrukt gleich mit rein reißt. Dass die Chinesen, oder eher gesagt die Kantonesen mit dem Spiel um Gefühl und Emotionen so ihre Schwierigkeiten haben, ist keine Neuigkeit. Entweder man verfällt in die blanke Übertreibung, kann diesen etwaigen Pathos aber mit einer wenigstens ehrlich gemeinten Aussage dahinter abfangen. Oder man versteckt sich im Vorhang von Ruhe, Stille und Besonnenheit; was man seitens der Crew wohl gerne als "zarter Kontenance im Dämmerzustand von Schwermut und Gram" und "Wahrung der öffentlichen Ruhe und Ordnung zugunsten gefasst beherrschter Gemütsbewegung" charakterisiert haben möchte. Tough Guy ist leider nichts davon, sondern in diesem Aspekt nur laut, aufdringlich, nervig und verkauft den Betrachter obendrein noch durchgängig für sehr blöd; eine Mischung, die unweigerlich abstösst und sich einem Bumerang gleich auf den Verursacher zurückwirft.
Die kiss and tell story startet Weihnachten:

May Chui [ Xu Jinglei ] ist zwar seit zwei Jahren mit dem Polizisten Pan Chan [ Woody Chan ] verheiratet, hat ihn aber in dieser Zeit kaum und wenn dann nur geistesabwesend oder schwer beschäftigt zu Gesicht bekommen. Pan ist zusammen mit seinem Kollegen Chinny Yiang [ Yu Rong Guang ] als undercover beim Kriminellen Master Kin [ Billy Chow ] eingeschleust und stellt die Arbeit grundsätzlich über die Familie. Da May sich beim Santa Claus wünscht, ihren Mann auch mal daheim zu haben, geht ihr Traum alsbald in Erfüllung. Allerdings mit schwerwiegenden Nebenwirkungen.

Bis zur Aufklärung dieser andeutenden Wendungen kann man noch mühelos folgen; happig wird es erst, als sich die cops and robbers Formel als rein oberflächlicher Rahmen abzeichnet und dann auch schon wieder zu verblassen anfängt. Zwar beginnt man mit einem ausschweifend illegalen Juwelendeal, der sich in eine heillos wüste Festnahme, einer anschließenden Flucht und vielen Rachetaten steigert, würzt dies auch noch mit Korruption und Betrug unter Uniformträger und stattet beide Seiten der Medaille mit hoher Belegschaft und ebenso hohem bodycount aus. Verliert dann aber sein Ziel aus den Augen und gestaltet das absurd-ansehnliche Werk zu einem erbarmungswürdig unpässlichen tearjerker, der mindestens vier Klassen unter den schon ebenfalls eher nicht so gelungenem Mike Nichols / Johnnie To gelegen ist und deswegen arg um seine Versetzung strampeln muss. Vor allem die fokussierende Persönlichkeitsentwicklung von Pan Chan, der sich nach einem Zwischenfall im Job einen ominösen, sein Nervensystem und das Gehirn angreifenden Virus eingefangen hat und die letzten verbleibenden Wochen mit seiner bisher vernachlässigten Frau verbringen möchte, reißt das bisher durchaus unterhaltsame, wenn auch nur auf obskure Art gelungene Werk deftig rein.

Jedwede Regung, jede Anwandlung, jedes Wort zwischen den Eheleuten ist sowohl vor als auch noch mehr nach dem Unfall ein eigentümlich anstößiges, polternd unbeholfenes Chargentum. Mit denkbar dubiosem Regiekonzept und mangelnd hilfloser Schauspielführung versehen wird sich unbarmherzig durch noch so jede banale Aussage gewütet, gestikuliert und grimassiert und ein extrem unnatürliches Bild fader und gleichzeitig krachend mißstimmiger Befindlichkeiten abgeliefert. Gerade die so wichtige männliche Hauptrolle ist mit seinem peinlich illustrativen Grinsen, den nach dem Drehbuch suchenden Augen und dem angestrengten, niemals glaubhaften Insichgehen zum Scheitern verurteilt. Die direkte Mitspielerin wird zwar mit Xu Jinglei von einer jungen Dame verkörpert, die hier nach ihrem Abschluss im Performance Institute an der renommierten Beijing Film Academy ihr Debüt feiert und zusammen mit Zhang Ziyi, Zhou Xun und Vicky Zhao Wei [ = die Four Small Flowers ] mittlerweile zu den beachteten und erfolgversprechenden Akteurinnen gehört. Aber abseits dieser rückwirkenden Eckdaten auch keinerlei Wirkung einbringen kann, eher noch quasi tatsächlich bloss die attraktive Blumenvase spielt. Und sich weder ihr noch dem Publikum mit diesem indisponiert-abwesenden Auftritt und seiner einschneidenden Handlungsveränderung hin zu einem wertgeminderten Elendspiel einen Gefallen tut.

Was bleibt ist der Schauplatz. Zwar nach objektiven Maßstäben ein verhunzter Zwitter aus Gegenwart und Vergangenheit, der wahrscheinlich das beliebte Shanghai der 30er verkörpern soll, aber irgendwie stark nach undefinierbarer, irrealer, recht billig zusammengeschusterter Zwischenwelt aussieht. Genaue Zeit- und Ortsangaben hat man der geheimen Phantasie überlassen; eine Ausrede, die wohl nötig war, aus diesem brüchig durchscheinenden Pappmachékonstrukt immerhin etwas Glaubwürdigkeit zu beziehen. Kann so ja sonst was ergeben, ohne das man es beweiskräftig auseinander nehmen kann. Die vergilbten, abgeblätterten, nur von alter Farbe und kalten Leim zusammengehaltenen Wände und die wenigen ebenso unterernährt schwankenden Möbel sonst zumeist leerer Ateliers ergeben wenigstens eine gewinnbringend beflügelnde Mischung aus Halluzination und Wirklichkeit.

Ein magischer Ort, der ähnlich seinen ruhmreichen Vertretern Revanchist, Shanghai Affairs oder Bloody Brothers eine Gesellschaft im Übergang mit sehr kostengünstiger Prachtentfaltung zeichnet. Ähnlichen Liebreiz entwickelt dann auch die Action, die zuweilen gar mal auf größere Szenerien innerhalb der baufälligen Theaterkulisse setzt, jegliche physikalischen Wahrscheinlichkeiten dafür streicht und sich in der eigenen albernen Widersinnigkeit sichtlich wohl fühlt. Da werden mit bloßer Hand steinerne Mauern durchbrochen – in einem glühendheissen Hochofen wohlgemerkt –, sich Verfolgungsjagden in Schrittgeschwindigkeit geliefert, im Fangnetz herumgerannt und während erbitterter Schießereien auch schnell mal schmucke Musikboxen im zersplitterten Schaufenster erworben. Die wenigen gelungenen Einstellungen und Bewegungen in den Fights werden entweder durch slow- bzw. blurmotion verätzt; es hilft auch nicht sonderlich viel, wenn die Kämpfer durch ihre karierten XXL-Beinkleider, die sie scheinbar am Hals zuknöpfen und den strammsitzenden Hosenträgern aussehen wie riesige Clowns.
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Review: Cheetah on Fire [ 1992 ]

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Vielleicht waren es geschuldete Altlasten, vielleicht die guten Kontakte zur Belegschaft, vielleicht bekam auch ein Donnie Yen es zwischenzeitlich mit den Triaden und ihrer unsauberen Geschäftspolitik incl. der gewieften Überredungskünste zu tun. Man weiß es nicht, was ihn dazu bewogen hat. In der eigentlich auch für Martial Arts Künstler stabilen Zeit um 1991 ausgerechnet die Produktionsfirma Cheung Yau heimzusuchen und dort kurz hintereinander in drei Arbeiten zu gastieren, die außer für Trashfans preiswerter Actioner so keinerlei positive Seiten abwerfen. Damals war der Massenbetrieb noch profitabel gesichert, die Distribution vor allem in die UK und die Staaten erfolgte nahezu automatisch; auch Deutschland griff sich mit Crystal Hunt [ DT: China Heat ] den nach Holy Virgin vs. the Evil Dead Mittelteil dieser unzusammenhängenden Trilogie heraus und spielte das fidele, in der besagten Reihe nichtsdestotrotz schwächste Werk bevorzugt im Nachtprogramm niederer Privatsender ab. Cheetah on Fire, der vom nahezu gleichen Team als krönender Fortsatz fabriziert wurde, könnte in der gleichen Schiene eben genau hinten dran im Anschluss laufen und würde die Zuschauer wenigstens wieder labend erwecken.

Statt bicycle-fu, einer Schnitzeljagd vieler Grünschnäbel und dem Gipfeltreffen der Erdtrolle in der Sächsischen Schweiz geht es diesmal um etwas weitaus Grösseres, dass auch mit wesentlich mehr Lärm in Szene gesetzt wird und sich allumfassend als gute, gängige, deftig-heiße Hausmannskost herausstellt. Wieder ein im wahrsten Sinne des Wortes abgrundtief schlechter, am Spartag fabrizierter, kurz vor der Stilllegung wegen Unwirtschaftlichkeit situierter Film. Aber wenigstens einer, der sympathischerweise um seine Schwächen weiß. Und zumindest so schlau ist, aus seiner gutbürgerlichen Kantine am Außenposten der Kreativität immerhin Anständiges für Zwischendurch und mit unfreiwilligem Humor als Aperitif zu zaubern. Zuweilen eine recht gewöhnungsbedürftige Anmutung, die aber zumeist eine deutliche Verbesserung der positiven Symptome und mit weniger Nebeneffekten darstellt:

Waffenhändler Tong [ Shing Fui On ] hat während seiner Tätigkeit auch einen wichtigen Computerchip gestohlen, den er über Mittelsmann Ken Fok [ Eddy Ko ] an den Meistbietenden verkaufen will. Vorher muss er allerdings aus den Fängen der Polizisten um Carrie Wu [ Carrie Ng ], Peggy [ Sharla Cheung Man ] und Edward Kwan [ Eddie Kwan ] befreit werden, die ihn in Zusammenarbeit von OCTB, CIA und Interpol dingfest gemacht haben. Als die Bande von Long Hair [ Gordon Liu ] und Hank [ Ken Lo ] auftaucht, stellt sich der geschasste special agent from secret service Ronnie [ Donnie Yen ] auf die Seite der Guten, die anfachende Verstärkung auch dringend nötig haben.

Die diversen Polizei- und Räuberaktionen werden von Beginn weg ohne weitere Erläuterung eingespeist. Eine Mordgeschichte mit Totschlagsargumenten. Beginnend mit einer abrupt eröffnenden Straßenschlacht, in der die Vigilanten aus allen Löchern eines quer stehenden Lasters gesprungen, gehangelt, geschlüpft kommen und den Verkehrsknotenpunkt in der Rush Hour mit breit dahinströmenden Feuersalven und hastig geworfenen Staubbomben eindecken. Der sonstige Explosionsradius bleibt zwar oft auf kleinerem Rahmen - [Eigenheim, Aquädukt, Wiese, Park- und Lagerhaus] - beschränkt, verzichtet dort aber ebenfalls nicht auf hohem Munitionsverbrauch; die Blei- und Schrotspritzende Schusswaffe als alleinig herrschendes Fetischmotiv. Getoppt wird diese heillose Prasserei nur mit der absichtlich verschwenderischen Vielzahl grob-rastloser Schnitte, einer fachmäßig kunstgerecht wirbelnden Kamera und beherzten Stuntmännern, die in ihrer paritätischen Mitbestimmung kurz vor der Berufung zum Kanonenfutter stehen. Die finale Aggressionsentladung als hektisch überrumpelnder Gewaltstreich, bei dessen stetigen Dauerfeuer und den allgegenwärtigen Detonationen schon einige Male Tag- und Nachtgleiche eintreten oder sich der Hintergrund der general offensive auch mal malerisch zärtlich rosa färben kann. Eine militäraffine Repräsentation ohne neumodischen Schnickschnack. Massig Tamtam ohne revolutionäre Ideen, aber mit Schmackes, Effet, Lust und Laune.

Dankend zur Kenntnis genommen wird das brachiale Ausgangstempo, der derbe Härtegrad, der Rückzug in Schlichtheit und Askese, die Entsagung ausschweifender Textbeilagen und die allgemeine Diskretion:
Schon vor dem Wegtreten aus der entfesselten Kommunikationsgesellschaft in die sumpfigen Weiten Thailands und einem anliegenden Söldnerbuschdorf wird viel Sorgfalt auf Takt, Treue, Zurückhaltung, Zuverlässigkeit zu Genre und Erwartung gelegt. Ja den Zuschauer nicht zu sehr und schon gar nicht überfordern, ihn mit rudimentären, allerhöchsten nebensächlicher und deswegen wenig weiter helfender Nullinformation und stattdessen mit folglich ablenkenden Blickfängen und seinem eigens gewollten Gusto zu versorgen. Im Detail bedeutet dies unheimlich ungeschickte Schauspielleistungen, nur auf Posen verstehende Mitarbeiter, die einem übertriebenen Comicuniversum entstammen. Nicht nur so agieren, sondern auch so reden und aussehen, was neben der steifen, wie im abgewetzten Rohzustand befindlichen Optik, den dumpfen Bässen und der umfassenden Hässlichkeit für Auge und Ohr natürlich auch die Kleidung, die Frisuren und ganz stilecht auch die englische Synchronisation einschließt.

Während Yen seine eigensinnige Platzhirsch-Mentalität bevorzugt mit halb runter gelassener und gleichzeitig an den Ärmeln aufgerollter Jacke zum Ausdruck bringt, und Gegenspieler Gordon Liu mit seinen schwarzen Locken samt Pferdeschwanz aussieht wie ein angebrannter Pumuckel, sind es noch die formschönen Babyjogger - Trainingsanzüge der Polizeieinheit, die stechend auffallen. Dialoge sind ähnlich edel, hier und da auch ein wenig kafkaesk mysteriös angelegt, oder wofür steht ?:
- "Our mission is to find that chip. That might tight us to the killers."
- "Hmmmmmm. I see you haven't forgotten thats all you brand caughten standen yet, u hebben het."
- "Yeah, i gotten proof."

Ähnlich wie auch bei den Vorgängern und den artverwandten Angel Force oder auch Golden Nightmare kommt das Beste hier erst spät zum Schluss; der Schritt aus der mehr oder minder urbanen Zivilisation in die abgeschiedene Einöde, in der sämtliche soziale Regeln beim Eintritt abgegeben werden und der Kampf um den McGuffin sowie einhergehend auch Leben und Tod erst richtig beginnen kann. Die gute Stunde vorher erfolgt nur die anbahnende Präparation; der Einklang auf spätere Geschehnisse, die in einer Art narrativem Riesenslalom erst lang und breit umkreist werden, um dann mit Schwung bergab umso schneller auf das Ziel aufzustocken. Ein Prozedere, dass beim nachhaltigen Betrachten tatsächlich an einen Flash Point ohne köstlicher Prunksucht mahnt. An dessen rückwirkend kühlen Schatten der hiesige Film und besonders auch die Donnie Yen-Rolle mit seinem disziplinlosen Groll gegen das bürokratische Monster, der folglich bornierten Holzhammermethode und der schon in die Parodie rutschenden physischen Überpräsenz zeitweise so enorm wie ein Probelauf erinnert.
Derartig ursächlich, beinahe fundamental wirkt hier vor allem der Aufbau um die verschiedenen Interessen, die Anreicherung der Konflikte mit den entsprechend violenten Konfrontationen und der Verzicht auf dem Ballast von Charakterisierung und Motivation.

Sicherlich mittlerweile auch beweiskräftig nachgewiesene Theorie, dass die neueren HK Exponate wie eben der Wilson Yip als auch Benny Chans Invisible Target oder Alexi Tans Blood Brothers viel der Anknüpfung und Einstimmung auf die 80er und anfänglichen 90er zu verdanken haben und das bekannte Material aus dem Speicherkollektor nur mit wesentlich besserer Technik, aktuell heran- oder aus dem Ruhestand gezogenen Darstellern und im besten Fall auch dem aufgefrischten Wissen um Grundkonzept und Kalkül in eben reorganisierter Sanierung erzählen. In der nichts spannender als die gekonnte Wiederholung in siebengescheiter Verblendung ist.
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Montag, 29. Oktober 2007

Review: From Here to Prosperity [ 09/01/1986 ]

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Im reinen Unterhaltungswert sicherlich solide, aber leider reichlich bedeutungslose Trickkomödie aus dem D & B Films Studio; eine heutzutage nicht mehr existente Produktionsfirma, die in den Achtzigern neben den internationalen Markt erobernden hardware-actionern um Michelle Yeoh und Cynthia Khan auch vermehrt ihr Glück mit heimischer Humorbefriedigung versuchten. Die Methodik in Thematik, Besetzung und Umsetzung stark vergleichbar mit der konkurrierenden Golden Harvest und Cinema City Company, vielleicht einige Nummern Kleiner und deswegen als Spiel um die goldene Ananas gesetzt, aber sich auf denselben eisern-redlichen Formeln ausruhend. Ein wenig zu entspannt faulenzend wirkt dann auch das vorliegende Werk, dass sich bis jetzt auch allerhöchstens einen sekundären Ruf erworben hat, seine Hausaufgaben zwar erledigt, aber trotz Geduld und Eselsbrücken nur als der recht harmlose Zeitvertreib, die nächtliche Zerstreuung, die erholsame Nebenherbeschäftigung entpuppt.

Der Liebhaber des Hongkong Kinos gerade aus dem betreffenden Zeitraum bekommt so zwar keine Intensivtäter, aber immerhin eine Handvoll allseits bekannter Gesichter im Verbund mit einigen wenigen Frischlingen geboten. Eine Doppelbesteuerung aus Alt und Neu, die sich auch in der Inszenierung selber weiterführend behauptet und aus der gängigen, nicht gleich auswendig vorhersehbaren Geschichte ab und zu mal auch einen überraschenden Kniff heraus quetschen kann. Die scheinbare comic caper Handlung stellt sich als eine etwas ernstere Variation der Winners & Sinners Problematik als auch eine Vorwegnahme der Conman - Reihe bzw. eine Faksimile diverser Shaw Brothers Werke [ Two Con Men & Carry On Con Men z.b.] dar. Es geht um den ganzen großen Betrug, um das Ausschalten eines potentiell gefährlichen Despoten mal nicht durch die Vordertür mit gezückten Waffen, sondern mit der heimlich manipulierenden Bauernfängerei über drei Ecken. Der raffinierte Plan mit Optimismusgemüt, der auf unzählig vielen und ebenso unsicheren Faktoren aufgebaut ist, das ganz exakte Timing erfordert und sich keine Schwachstellen erlauben kann. A con-test of hilarious con-sequences:

Schwarzhändler Chia Tien Hung [ O Chun Hung ] zögert nicht lange, wenn es an die Verteidigung seines Besitzes geht. So beseitigt er mit Hilfe von korrupten Polizisten auch einen aufmüpfigen anti-smuggling special force Ermittler; dessen Kollege Sergeant Wong Ming [ Danny Poon ] überlebt mit viel Glück und sinnt ebenso wie die nunmehr Waise Jenny [ Pauline Wong ] auf Rache. Dazu heuern sie den gewieften Kleinkriminellen Yeh Tai Goi [ David Chiang ] an, der wiederum auf die Kollegen Mui Choi [ Richard Ng ] und Beanie [ Cheung Wing Cheung ] zurückgreift. Unabhängig von dem noch zusätzlich eingeschleusten Little Peach Blossom [ Wu Ma ] machen sie sich an die Arbeit.

Eine monströse Aufblähung der Führungsebene später erreicht man dabei auch eine klar erkennbare Linie in der Struktur; ein anekdotenhaftes Allerlei, dass sich mehr mit Gaudi als zwingender Schlußbündigkeit in seine Erzählung wirft, neben der ganzen Mogelei zuweilen aber auch den Zuschauer selber hintergeht und ihm hier und da Pfusch hinterlässt. Nepp ist vor allem das Vertrösten auf später, das stetige Hinauszögern der Sicht auf die Konklusion und das langwierige Verweilen auf dem theoretischen Faltplan, nach dem bewährten Prinzip Aufblättern und Umklappen. Ein nahezu bürokratisches Vexier- und Verwirrspiel mit übersättigender Vorwölbung, dass zwar allerorten viel Potential, ja sogar einen anderen und wesentlich besseren Film versprechend andeuten vermag, aber die Wege dahin selber verstellt. Gleich mehrmals wird in analog hintergehender Irreführung eine vermeintlich prestigeträchtige Entwicklung abgeschnitten und sich weiterhin in entschärfter Form in der konventionell-kommerziellen Einbahnstraße bewegt.

Statt der angekündigten grimmigen Vendetta gibt es die spürbar deutlich abgeschwächte Variante einer Sanktion. Statt gross out jokes wenig erheiternde Wortgefechte um die Gewinnaufteilung, eine aufglühende Liebelei und dem komplizierten Vorhaben. Statt einem Einer für Alle - Team verschiedene gegensätzliche Mitstreiter, die auch bei der übermäßig ausschweifenden Abblende nur auf dem Papier Kämpfer für die gleiche Sache sind.

Als aussichtsreichster Aspirant für eine Notierung der verpassten Möglichkeiten fällt neben all der kurz blickenden Engstirnigkeit immerhin genug profitabel zweitverwertendes Material ab. Dies gilt besonders für das begleitende Setting, dass aus ominösen, da nicht weiter erheblichen Gründen nach 1955 zurück verlegt ist und sich deswegen auch mit einigen visuellen Schmankerln schmücken darf. Neben den üblichen Oldtimer, die ihre letzten Atemzüge noch einmal blankpoliert bei einem Filmdreh aushauchen dürfen und den ebenso traditionellen Kleidungsstücken incl. einem eher abschreckenden Badeanzug sind es vor allem die aufwendigeren Bauten, die ins schwärmende Träumen einladen dürfen. Sicherlich erreicht man keinen Hochglanz narrativ vergleichbarer Arbeiten wie speziell Der Clou oder dessen asiatischen ripoffs King Gambler, Gambler's Delight und Challenge of the Gamesters. Aber sowohl ein altertümlich anmutendes Kreuzfahrtschiff mit nahezu vorsintflutlich-morschem Swimmingpool, wenig anhimmelnden Ausguck und düsterem Ballsaal als auch die allgemeine Szenerie im Thailand vorjährigen Jahrhunderts sind manch perspektivische Blickfänge wert.

Die spätere Anwesenheit der lokalen Armee samt dem ehrbar-unbestechlichen und umso schießwütigen Major Chan Chung [ Melvin Wong ] bringt den willkommenen Anschein eines Kleinkriegsfilmes mit Dschungelmilieu ein und erhöht so den eigentlichen Actionpegel gleich um illusorische 50%. Eine trügerische, leider abseits des happig-wohltuenden Showdowns auch erübrigende Beteuerung, die außer dieser atmosphärisch einflüsternden Verheißung keine weiteren Zusagen erfüllt und sich mit etwas Gekabbel und Gestreite schon wieder erledigt hat. Immerhin hat es Robert Rodriguez bzw. Quentin Tarantino erfreut: Der berüchtigte Desperado - Monolog über die doppelte Barwette [The bartender's like...”Why are you so happy? You just lost $300, idiot!" The guy says, "See those guys over there? I just bet them $500 APIECE... that I could piss on your bar... your floor, your phone, and piss on you... and not only would you not be mad about it... you'd be happy."] feiert hier wohl seine Premiere.
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Sonntag, 28. Oktober 2007

Review: Hellfire Angel [ 31/08/1979 ]

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Wahrscheinlich selbst nicht am eigenen Gelingen interessierter modern day flick aus dem Hause Golden Harvest, die zum Zeitraum der später 70er trotz einiger gleichartiger Versuche noch lange nicht zum konkurrierenden Shaw Brothers Studio aufstoßen oder gar gleichziehen konnten. Erst in der Mitte der 80er sollte Raymond Chow den bisherigen Branchenprimus überrundet und ihn aus seiner jahrelangen Spitzenposition gleich in den Stillstand getrieben haben; hier ist das Endprodukt noch soweit von einem gewinnenden Vergleich entfernt wie das ausgewaschen-blasse Bild von Shawscope.

Eher erinnert man an die auch erfolgreiche, allerdings damals nur in Bahnhofsspelunken und danach in klammfeuchten Videotheken oder auf schäbigen Privatsendern im Nachtprogramm abgenudelte Bruceploitation, die sich mit mehreren bescheidenden Epigonen an den Ruhm des frühzeitig verstorbenen Bruce Lee anhängen und dessen Triumphe ausnutzend wiederholen möchte. Und sowohl visuell als auch materiell ein wenig an das deutsche Raubbaukino eines Rolf Olsen, der sich in spekulativer Manier die wachsende Kriminalität, die anschwellende Brutalität und die steigende Verunsicherung hin zur Paranoia zur Brust nahm und hier verspätet für den asiatischen Raum nachgereicht wird. Die Schiene der Nostalgie funktioniert also in mehrere Richtungen, wenn auch nur über Hinweise und Andeutungen und nicht wirklich aus dem eigenen Schaffen heraus. Und Leider ist dies auch fast das Einzige, was denn überhaupt gelingt.

Heimisch fühlt man sich sofort bei dem prompten Disco-Ambiance, dass dem Zuschauer mit seiner funkigen Musik, den Schlaghosen, offenen Hemden und dem allgemeinen Glitzern nicht nur der Glaskugel in den ersten Minuten entgegen schwappt. Das Saturday Night Fever hält allerdings auch nur für kurze Dauer an und macht einer stetigen Multiplikation von Figuren Platz, die in der ewigen Aneinanderreihung noch addiert mit einigen banalen Satzfetzen und etwas aufgerissenen Augen wohl das Drehbuch und die Atmosphäre gleich mit ersetzen sollen. Ein unehrenhaft gescheitertes Ansinnen, dass in seiner leidenschaftslosen Geistesabwesenheit auch dem Zuschauer schnell das Desinteresse gegenüber Personen und Geschichte und die Handlung als sehr harmlos sprudelnde Soda aus Nichteinmischung, Teilnahmslosigkeit und Unbeteiligtsein bereitet:

Die Hostess Cheng Szu [ Ma Man-Ngai ] wird eines Abends vier vermeintlich milliardenschweren Geschäftsmännern aus Indonesien vorgestellt, die sich nach einer lustigen Ausfahrt allerdings als von der Polizei gesuchte Bankräubern entpuppen und bei der ersten Streife auch schnell das Weite suchen. Zwei der Männer, darunter auch Lu Ah Hsi [ Ma Chung-Tak ] werden geschnappt. Hung Bo Kam [ Yeung Chak-Lam ] und Lin Fang [ Wong Yuen-San ] können fliehen. Dumm nur, dass der nun im Gefängnis schmorende Lu als Einziger das Versteck der Diamanten weiß. Hung und Lin schmeißen sich an Cheng Szu heran, um über diese an Lus Schwester San [ Yau Pooi-Ling ] und dann wiederum an den Aufenthaltsort der Klunker heranzukommen.

Klingt zumindest in Verbindung mit Zeit, geographischem Setting und der auch damals schon ausgeprägten Tradition der Veranstaltung soweit passabel, verpasst aber nicht nur die nötigen Attraktionsmomemte, die um Aufmerksamkeit kreischende Sensationslust und die etwaige Andeutung von Aufklärung und Skandal. Abseits vom reißerischen Titel, der eine kolportagereife blood-and-thunder novel Mentalität fingieren und auch heutzutage ohne Weiteres zumindest das Quäntchen Neugier auf das Krimi-Produkt dahinter erzeugen kann, ist außer mangelnder taktischer Disziplin, gleichgültiger Passivität und herzloser Abstumpfung nicht allzu viel gegeben. Nachteilig wirkt sich vor allem aus, dass man außer dem Beschreiten bereits altgedienter Wege niemals den nötigen Druck unter Dialog und Aktion speisen kann, sondern man nur eine Gedankenflucht von A nach B nach C stattfinden und dieses ermittlungstechnische Geschick auch noch auf das vollständige Alphabet ausdehnen lässt.
Das genaue Gegenteil einer auf das Wesentliche reduzierten Dramaturgie und damit auch der exakte Widerspruch zu den Gesetzmäßigkeiten des Genres, dessen Bewusstsein um Mittel und Zweck des schaustellerischen Unternehmens man niemals erlangt.

Hier trifft man allerhöchstes Vorbereitungen auf einen möglichen Ernstfall. Mit viel Verrat und Doppelverrat, und einem Hin und Her, in dem die Leute nur mit vorlautem Mundwerk und großen Scheinen hantieren und ständig mit dem Messer zur Schießerei kommen. Ein kontinuierliches, unausrottbares Abklappern sämtlicher vernunftwidriger Charaktere, die ohne Sinn und Zweck nur eine vermeintliche Entwicklung vortäuschen sollen, deren Alibi-Funktion aber rasch auffällt und auch nicht durch weiterführende Steigerung wieder bereinigt werden kann. Die schädliche Welle der ausdehnenden Tatenlosigkeit erfasst bereits die eng im Zentrum stehende Lu San, die eigentlich auch nur als bestenfalls optischer Blickfang bezeichnet werden kann und ansonsten so unnötig wie der viel zitierte Kropf ist. Die Hostess als Fokus im Bandenkrieg verfeindeter Exgesellen erfüllt nur die Notlüge eines girls with guns actioners und wird noch zusätzlich mit banaler Moral angereichert. Käuflich ja, aber nur für die gute Sache. Verbrechen lohnt sich nicht.

Ein unausgeglichener, zerfahrener Integrationsleitfaden, nahezu unsichtbar in seinem narrativen Zusammenhalt und gleichzeitig durch seine ungeschickte Ausdehnung so offensichtlich wie entbehrlich. Das aussichtslose Bewegen als das erbarmungslose Durchpeitschen einer einzigen schlechten Idee wirkt sich auch nachteilig auf sämtliche darstellerische Leistungen aus, deren Gestik und Mimik wie verspätet reagierend erscheinen lassen und den jeweiligen Ausdruck so immer schon weithin absehbar kennzeichnen. Einem falsch, ja einstudiert vorkommendes Erschrecken, Erstaunen, Empören, Entsetzen, dass außer mehreren Déjà-vus keine deutliche Erkenntnis bringt und in seiner Demenz-Prävention so aufgeregt unaufgeregt gehalten ist, dass man sich als Betrachter dieser Betäubungsstrategie wie trunken schunkelnd im Klappstuhl fühlt. Geringfügige Abwechslung im Einerlei der Kaderaufstockung bringt ein touristischer Ausflug ins relativ frisch erbaute Pik Uk minimum security prison auf der Halbinsel Sai Kung in den östlichen New Territories und eine weiterführende Schatzsuche nahe dem Yau Yue Wan Village; ein wenig Höhlenforschung samt Tierhorror schärft kurzzeitig Würze in die entkräftete Angelegenheit.

Die wenigen Martial Arts Wallungen, sichtlich vom Alter der Fabrikation betagt, kommen sporadisch aus heiterem Himmel, oftmals sogar bloß mit einem schieren Gimmick statt wahrer Notwendigkeit versehen und auch abseits der schon storytechnischen Belanglosigkeit weitgehend energielos-schlaksig und fern Athletischer Voraussetzungen gehandelt. Mehrere Male springt ein dickmopsiger Taxifahrer kampfbereit ins Getümmel, der mit dem eigentlichen Plostrang zwar ebenso wie der Großteil der Anwesenden eben nichts zu tun hat, aber wohl als Einziger auf dem Set die Fäuste schwingen kann. Zum Showdown bringt er noch seine befreundeten Kollegen mit, so dass der Dreh dieser Szene mal etwas aufwendiger, aber noch lange nicht als empfehlenswertes Husarenstück, sondern eigentlich nur genauso sinn- und bedeutungslos wie alles Vorherige anmutet.
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Dienstag, 23. Oktober 2007

Review: The Rebel [ 2006 ]

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Das Spektrum an vietnamesischen Filmen fängt bei den Meisten bei Tran Anh Hungs Der Duft der grünen Papaya an und hört bei seinem Cyclo auch schon wieder auf; mit Achtsamkeit und Lerneifer haben Manche diese Streuweite noch auf weitere Exponate auch der Filmemacher Victor Vu, Tony Bui, Ham Tran oder Minh Nguyen-Vo gedehnt. Richtige Aufmerksamkeit abseits dieses natürlich recht kleinen Kreises erregte erst wieder eine reine Genrearbeit, die gemeinverständlich einfach, mit massenkompatiblen Schauwerten und entsprechend gattungsreferentiellen Verweisen gehalten ist:

Truc 'Charlie' Nguyens The Rebel, dessen Originaltitel Dòng Máu Anh Hùng auf die Heroic Bloodshed Werke des Hongkong Kinos hinweist und sämtliche weitere Andeutungen leicht in Richtung der thailändischen Actioner um Panna Rittikrai und seine Schützlinge Tony Jaa und Dan Chupong verlegt. Ein netzwerkartiger Vergleich, der abgesehen einiger weniger Gedankengänge und offensichtlicher Lockmittel kaum etwas mit dem Film selber zu tun hat, aber natürlich beim ausländischen Rechteverkauf der 1,5 Mio USD teuren Chanh Phuong Phim Produktion half und die amerikanische Auswertung schnell in die Hände der emsig hantierenden Weinstein Company sog.

Grosse Anziehungskraft üben dabei die hervorstechenden action-standouts aus; eine gute dosierte Palette an Feuergefechten und waffenlosen Techniken, die sich neben der Inanspruchnahme von Hilfsmitteln und Alltagsgegenständen vor allem auf Knie-, Ellenbogen-, Bein- und schließlich auch Fausteinsatz verlassen. Eine nüchterne, dennoch äußerst wirksame Anordnung aus Muay Thai, Tae Kwon Do, Kali und Escrima, zusätzlich mit Jeet Kune Do und Wushu angewürzt. Keine elend langen Auseinandersetzungen, sondern immer hinsichtlich Ursache und Wirkung und der entsprechenden Nützlichkeit, Funktionalität, Effektivität und Verhältnismäßigkeit ausgerichtet beeindrucken neben den physischen Fähigkeiten aller Beteiligten auch der professionelle Stuntgebrauch – deren vorbereitende Planung nicht wenige der 80 Tage Drehzeit verschlungen haben dürfte – und die außerordentlich sichere Benutzung von Lichtgestaltung, Setaufbau, Bildsetzung, Kameramobilität und Schnitt.

Die internationale Ausrichtung kam deswegen sicherlich nicht von ungefähr, dennoch gelingt es Nguyen, neben einem hohen Maß an Datenunabhängigkeit, der allgemein gängigen Geschichte, dem Ansprechen grundlegend begreiflicher Emotionen und einprägsamer, wenn nicht gleich tiefer Figuren vor allem eines: Das Schaffen eines handwerklich erstaunlichen tadellosen Filmes, der die exakte Dramenklaviatur versteht, um die jeweils geeigneten Konfrontationen weiß und sie auch zumindest derart involvierend steigern kann, dass in der finalen Eruption nicht nur das Adrenalin, sondern auch das Herz einen Sprung nach oben macht. Dabei hilft vor allem die eigentlich ruhige Gangart, die sich plastisch und kommunikativ zugänglich um das Geschehen schmiegt. Eine filigran ziselierte Dynamik, die in vielen Szenen so zart und zerbrechlich wie Reispapier erscheint, trotz der Dominanz der Bildmediums samt aller monumental anmutender Einstellungen und der archaischen Handlung auch Unschuld und Naivität bewahrt hat und neben dem schematischen Fortgang auch Seele, Psyche und Gemüt einfließen lässt:

Vietnam, 1922.
Das Land ist seit einem halben Jahrhundert unter französischer Kolonialherrschaft. Die Last der stetig erhöhten Steuern, der Enteignung und Zwangsarbeit ruft die Bauern zum bewaffneten antifranzösischen Widerstand auf, der von der Verwaltung und der ausführenden Soldateska mit willkürlicher Beraubung, Internierungslager, Exekutionen und der Schaffung einer eigenen Eliteeinheit an vietnamesischen Agenten beantwortet wird. Le Van Cuong [ Johnny Nguyen ], der für Sy [ Dustin Nguyen ] und Colonel Derue [ Stephane Gauger ] tätig ist, ist des ständigen Mordens müde, ertränkt sein Schmerz im Alkohol und verhilft letztlich der gefangenen Rebellin Thanh [ Vo Thanh Thuy ] zur Flucht. Eine Menschenjagd durch Stadt und Land schließt sich an.

Die permanente Belagerung des Gebietes, das unterdrückende Drangsalieren und die Bürde der auferlegten Knechtschaft verbucht auch ohne ausführliche Schilderung eine Situation von Gefahr und Tod. Ein knappes Insert, das nur gering auf die Historie eingehen muss, um schnell die angespannte Lage zu umreißen, den Kampf um die Freiheit zum Kampf um das Leben zu verdeutlichen und die Seiten der Kontrahenten strikt zu veranschaulichen. Keine komplexe, schwer durchschaubare Semantik; so bedarf es auch weniger Worte und Ausführungen, um die Erzählung einer beginnenden Veränderung einzuleiten und ohne große Lücken und Hindernisse allein durch konkret artikulierende Vorgänge voranzubringen. Ein Illustrieren auf ausgedehntem Rahmen, allerdings nur auszugs- und abschnittsweise, ohne immense Vertiefung und titanisch voluminöser Ausbreitung. Ein leichtes Anskizzieren der allgegenwärtigen Despotie, von Repression und Terror. Die Darstellung unbemäntelter Assoziationen. Das Manifestieren einiger konkreter Akte, um mit didaktischem Anspruch die Negation gegen die ausländischen Teufel zu schüren. Bodenständiges, ablauforientiertes, prozedurales Denken und vor allem Handeln.

Besonders die Ausgangsdaten erinnern an eine Nachdichtung des gleichjährigen Dynamite Warrior [und wohl auch der Vorwegnahme des kommenden malayischen Kinta 1881]: Die Orientierung an derselben Problematik, realen Tatsachen und einem hypothetisch-kontrafaktischen Geschichtsverlauf sind ebenso offensichtlich wie die Übernahme des Funktionenmodells des Italowesterns, incl. der "Diener zweier Herren" - Frage. Nur diesmal nicht als Bizarro Trash im Anarchoklamauk, sondern mit schon ernstem Ansinnen.
Nebst einiger unverblümter verbaler Anklagen an die damaligen Schreckensherrscher, die auch manche Male ausgiebig Gelegenheit erhalten, ihre Unmenschlichkeit demonstrativ zur Schau zu stellen, ist es vor allem auch die spürbar dünne Rechtfertigung "Nicht alle Franzosen waren schlimm", die dem Film durchaus seinen Drang zur simplen, indiskreten Schwarzweissmalerei verleiht. Eine Figuren- und Szenenzeichnung, die abstrakt gesehen unstimmig übertrieben und vereinfachend banal gehalten sein mag. Aber vor dem Hintergrund der weltpolitischen Ereignisse besonders auch nach Ho Chi Minhs Unabhängigkeitserklärung im September 1945 und der Veröffentlichung zum 32igsten Jahrestag der Wiedervereinigung im April 1975 verstehbar, wenn nicht gleich komplett verzeihbar ist.

Gelungener als der Bezug auf Herrenmenschentum, Rassismus und Darwinismus ist der Einschub des Generationenkonflikts, die offenkundige Wanderung von der neu geschaffenen vermeintlichen Zivilisation in die noch jungfräuliche Wildnis und die Synopse über die Entscheidung zwischen Moral und Pflicht, Willen und Befehl. Als Le Van Cuong und Thanh aus der nunmehr französischen Stadt fliehen und sich in die ursprünglichen, von Fremdeinwirkung unberührten Wälder begeben, wechseln sie nicht nur Kleidung und Identität, sondern verlassen auch den gesamten Kulturkreis der Gesellschaften und legen den angeblichen Fortschritt von Wissenschaft und Technik ab. Auch die Ausrichtung der Personen auf ihre Eltern fällt vielfach auf. Einschließlich Jeder der Beteiligten steht entweder in der Schuld ihrer Vorfahren, in der Verantwortung für ihre Taten oder sieht sich gleich ganz als Vollstrecker ihres Erbes und möchte deren Lebenswerk fortführen bzw. das strikte Gegenteil dessen entgeltend verbüßen.
Ein immer während kontiniuerlicher Kreislauf, mit epochaler Gleichnisfunktion.
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Mittwoch, 17. Oktober 2007

Review: Big Job [ 1998 ]

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Es gibt auch Filme, bei denen kein Flattieren hilft, bei denen man noch so sehr säuseln, schmeicheln, sie aber dennoch nicht glaubhaft schönreden kann. Big Job ist eine große Aufgabe für die ganz Hartgesottenen. Für Diejenigen, die uneinsichtig, unbußfertig und wider besseren Wissens den Gang in das Übel wagen, sehenden Blickes noch jedem Schrecken trotzen und sich nicht zu schade dafür sind, zugunsten des Abklapperns der zu Recht unbekannten Werke auch mal herbe Niederlagen einzustecken. Zwar macht auch diese Dream Movie Entertainment / Tonrock International Investment Ltd. Produktion auf die ersten Meter und besonders den Ausgangs- und Eckdaten alles richtig, aber verliert dann schnell den Halt und fällt ungebremst ins filmische Aus.
Zumindest das Wissen um die weitere Karriere von sowohl Darsteller Chin Siu-ho als auch Regisseur Lee Chiu wurde hiermit ergänzend gdehnt und ein erneuter Schritt in Richtung Vervollständigung getan, wenn auch mit Schmerzen. In guten wie in schlechten Tagen.

Beide haben in den 80ern und frühen 90ern das kantonesische Actionkino vielleicht nicht erweitert, aber zumindest bereichert, auch da schon von der zweiten Reihe aus schießend die B-pictures veredelt und sich allgemein einen würdigen Namen mit kleinen, aber schnellen und knackigen Mittelklassereissern erworben. Die nunmehrige Tragödie im Wandel vom Qualitäts- zum Billigprodukt lässt nur noch wenig von der ruppigen, aber wenigstens effektiven inszenatorischen Kraft eines A Punch to Revenge [ 1989 ], Mission of Condor [ 1991 ] oder Marked for Murder [ 1992 ] anmerken, auch Akteur Chin ist hiesig weit davon entfernt, direkt neben Jet Li platziert auf der breiten Leinwand herumzuturnen. Das ernüchternde, vielleicht auch frustrierende Sichgehenlassen nach dem stetigen Hinabsinken in das trübe Loch der Gegenwart macht sich gerade bei ihm auch körperlich bemerkbar; neben einem losen Haarschnitt, der mit seinem flauen Pferdeschwanz höchstens einem small-time crop zur Ehre gereicht, hat man auch sichtlich Kummerspeck und unreine Haut angesetzt. Die ruhmreiche Vergangenheit formuliert ihn trotzdem zum Zugpferd des vorliegenden Geschehens; abseits dessen lassen weitere anreizende Lockmittel allerdings auch lang auf sich warten. Ein Masochistischer Behelfsplan für den Notstand, zwischen Abrissbirne, Verputzplatten und Brachland:

Als sein als Undercover-Cop tätiger Bruder von den Gangstern Lung [ Leung Hak-Shun ] und Wan [ Suen Kwok-Ming ] aufgedeckt und getötet wird, sucht der gerade aus England zurückgekommene A-Jei [ Chuek Wai-Man ] blutdurstige Rache. Dazu schmeißt er sich erst an die Tochter von Lung heran, werkelt sich dann in dessen Organisation nach oben und erschleicht sein Vertrauen. Währenddessen versucht Chang Jiaming [ Chin Siu-ho ], head of serious criminal events, sein Glück von offizieller Seite aus.

Der Film selber probiert es mit göttlicher Hilfe, experimentiert mit dem Heil in die Flucht und hält sich darüber hinaus noch schadlos an Bewährtem fest. Zu Beginn darf man noch frohen Mutes auf ein asketisch enthaltsames, aber die züchtigen Möglichkeiten zumindest ausnutzendes Sparprodukt aus dem Discounter-Regal sein, sich an strammen Einstiegstempo, rapide abgeschnittenen establing shots und kompromisslos verkürzten Dialogen erfreuen. Ein fliegender Start, der Hoffnung auf unkomplizierte, beweglich-agile, knochentrockene Basiswartung verspricht und für einige Minuten auch erfüllt. Die Handlung mitsamt einem Bandenkrieg und einer rabiaten Chinagang für Genre und Zunft fortdauernd bewährt; zwar jenseits jeder ingeniösen, kreativen oder sonstwie intellektuellen Anarchie am Rande des Bankrottes angesiedelt, aber wenigstens an ungebrochener Heimatpflege interessiert: Hemmungslos wird sich bei Andrew Laus To Live and Die in Tsimshatsui [ 1994 ] bedient; nicht einmal so sehr in der Gedankenlinie selber, aber in der Direktübernahme prägnanter Szenen, die unkollegial im regelrechten 1:1 übernommen wurden.

Die erste Ernüchterung kommt dann nicht einmal durch das hereinbrechende stock footage, dass sich zwar anfangs auch einer einleitenden Actionszene bedient - [könnte gar aus Mission of Condor sein, aber Schießereien auf Containerplätzen gibt es wie Sand am Meer] -, aber baldig darauf ausruht, einfach nur die Aussenlocation zu sparen. Das Budget lag wohl möglich so niedrig, dass wahrhaftig die Schauplätze aus anderen Filmen einspeisend vorgegaukelt werden; die Sicht auf das Polizeiquartier sowie eine Lagerhalle und ein Blick aufs Meer hinaus stammen aus einem schon von der Bildqualität und dem aspect ratio überdeutlich verschiedenen Material. Dass die Innenaufnahmen nun auch nicht gerade vor Anmut und Schönheit übersprudeln, sich die Oberen Triaden in etwas aufhalten, was wie ein sehr schmales Jugendclubhaus mit Plastiktisch und grünen Ledersesseln aussieht und man sich auch sonst nur in den schummrigsten, lumpigsten, beengtesten Orten aufhält, verwundert dann wohl Niemand mehr. Wenigstens konnte man sich mehrmals etwas Gutes für Leib und Seele tun: Dampfbad, Sauna und Massageparlour zählen ebenso zu den aufgesuchten Wirkstätten wie auch die anliegende Nachtbar, incl. der traditionellen Schlägerei.

Action selber ist dann auch so sporadisch gar nicht; spärlich in Bezug auf Quantität und Qualität im Vergleich zu finanziell und schöpferisch vorteilhafter versorgten Fabrikaten sicherlich, aber für Zweck und Herkunft erfüllt man trotzdem seine Mittel. Gleich als Opener stürzt Jemand durch einen Glastisch, weiter geht es mit einem missglückten Waffendeal, der Beseitigung des Spitzels, einer Kanaillenhaue, Attentat und Razzia; sogar der anonyme Hauptdarsteller beweist sich in den aktiven Einstellungen als halbwegs fähiger Könner, der sich in Aktion und Reaktion gewandt durch die gegnerischen Mauern schlägt. Schade nur, dass man dort die Kamera zu ungeschickt, widerspenstig, übermotiviert herum schleudert und der Ton + Toneffektschnitt nicht nur stetig gleich bleibend, sondern auch in heilloser Übersteuerung innehält. Diese Art der komplett verhunzten digitalen Nachbearbeitung kann man nur als Armutszeignis bezeichnen, selbst für einen schlechten Scherz reicht es nicht mehr.

Schlimmer erwischt es nur die Optik, die offensichtlich von behelfsmäßig arrangierten Streikbrechern arrangiert wurde und dem Begriff Zelluloidmüll seine wahre Daseinsberechtigung gibt. Natürlich wurde auch hier die DV-cam benutzt, allerdings bekommt man nicht die übliche steril-aseptische Klarheit, den unfilmischen Naturalismus ähnlich einem heißblütigen Heimvideo geboten. Sondern eine Sicht wie durch die verdreckte Milchscheibe, alles recht stumpf, dunkel, ausgebleicht und blass. Mit kaltem, unvorteilhaft verschandeltem Licht, ohne Glanz, ohne Klasse, mitten rein in die Bedürftigkeitsfalle.
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