Montag, 18. Februar 2008

Review: A Bloody Fight [ 12/05/1988 ]

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Relativ ruhiges, mit kleinen Mitteln erzähltes Killerdrama um die formelle Selbständigkeit der individuellen Besonderheiten, die Zufälligkeiten von Absicht, Vorhaben und Bestimmung, dem Begriff und der Wiederherstellung der Ehre sowie der Kollision von Freundschaft und Gerechtigkeit. Wie so oft im Genre, deren Drehbücher geradezu von einer verschworenen Denkkollektive verfasst werden, geht es um die Bestandsprobe einstmals festgelegter Werte, um das Infragestellen eigentlich als bekannt und allgemeingültig gehaltenen Tugenden und Bindungen, die allerdings wie alles im Leben ihr eigenes Ablaufdatum ohne die entsprechende Garantie auf ewige Gültigkeit besitzen. Eine Selbständigkeit der subjektiven Eigenwilligkeit, die sich auch im großen Wechsel äußerer Umstände bewähren muss.

Die Konfrontation von Polizist auf der einen Seite mit seinem ehemals besten Freund, der nunmehr natürlich auf der falschen Ordnung, der des Verbrechertum steht, ist dabei die mit am striktesten durchgezogene Prüfungssituation. You're the cop, I'm the murderer. We're opposites. Schon von Berufswegen ein absoluter Fauxpas, eine Verschiebung der Barrikaden und nur noch überboten durch den Entscheid zwischen Kameradschaft / Brüderschaft und Liebe sowie Freundschaft und Familie, die ebenso oft unter die Analyse von Mannigfaltigkeit und Gradation der Empfindung und Leidenschaft gezogen werden. Welchen Weg wählt man, wenn man vor die Wahl gestellt wird, an wem hängt man mehr, vertraut man mehr, schuldet man mehr und wen gibt man schweren Herzens im Gegenzug auf. Das schmerzhafte Aufsuchen des eigenen Ich. Hier wie so oft eine dramaturgische Frage, die mit ausgeprägt herausgehobener Emotionalität, manchen nachdrucksvollen Besinnlichkeiten und unmissverständlich hervor scheinenden Problemen betrachtet, in der Gegenüberstellung gesteigert und letztlich zur finalen Auseinandersetzung gerufen wird; auch wenn hiesig in der eher besonnenen Durchsetzung ohne Innovationsimpuls, Zuspitzungen oder Wendungen nicht einmal ein richtiger Showdown spendiert wird:

Chui Keung [ Norman Chu ] arbeitet seit mehreren Jahren als Auftragsmörder für einen international assassin club, möchte allerdings nach dem Verschulden eines unabsichtlichen Todes an einer Unbeteiligten den Job niederlegen und sich mehr um seine Frau [ Wong Aau ] und den gemeinsamen Sohn kümmern. Sein Ziehvater und Lehrmeister Leung [ Liu Chia-Liang ] unterstützt ihn bei diesem Vorhaben und legt auch ein gutes Wort bei den Führern der Association, Mr. Cho [ Chu Yuan ] und Wai [ Shum Wai ] ein. Kann allerdings nicht verhindern, dass Chui Keung dennoch auf die hausinterne Abschussliste gesetzt und dessen Familie bereits beseitigt wird. Nun hat dieser nur noch seinen alten Freund Lau Fai [ Gordon Liu ] und dessen Schwester Little Lau [ Ngai Lau-loh ]; allerdings ist Fai mittlerweile Inspector bei der Polizei und längst unbewusst hinter Chui Keung her, da dieser als letzte Mission Fung Yan Chak [ Fung Hak On ], einen Kronzeugen der Staatsanwaltschaft zum Schweigen gebracht hat.

Wie auch im nachjährigen Abkömmling A Fiery Family liegt das Hauptaugenmerk in der Besetzung eindeutig mehr auf altgediente, honorig rechtschaffene, noch einmal aufs neue motivierte Recken statt dem gegebenenfalls fälligen Popstarcasting Marke Andy Lau und Co., die sonst jeden anderen Bloodshed mit ihrer Anwesenheit beehren. Demgemäß glaubhafter wirkt sich neben dem ungewohnt hohen Martial Arts Anteil auch das häufig vorkommende Herbeisehnen der eigentlich längst geschehenen, aber innerlich noch nicht abgeschlossenen, da als verklärt hingestellten Vergangenheit aus. Das schon zeremoniöse stay in the past Verhalten führt hierbei öfters zu kurzen, aber umso beklommenen Zügen vielleicht nicht gramgebeugter, aber doch geknickter Rückbesinnung von Anschauungen und Zwecken, denen die jetzt ablaufende Gegenwart nichts mehr entspricht. [Kurz vor Ablauf der realen Karriere und angesichts der nicht länger zu trotzenden Alterserscheinungen der wortkargen Beteiligten durchaus eine Überschneidung von Kunst und Realität, auch wenn die psychologischen Aspekte der Schein-Sein-Problematik und das entsprechend bittere Erkennen der Wahrheit nicht im diskret betrachtenden Blick verschärft werden.]

Eine Verifizierung archetypischer Gattungsvorstellungen, ein wenig schnöde, ein wenig sanft verstiegen. Souverän, aber mit zögerlich verhaltener Gemütserweichung. Der einzige Schritt überhaupt in die Zukunft hinein ist der kurze Traum vom holden Glück, den Chui Keung nach seinem Ausstieg mit seinen Liebsten auf dem Lande feiert: Eine vermeintlich einfühlend wahrnehmbare Montage des Zustands der Willensbefriedigung, die den Zuschauer allerdings niemals verführen, sondern höchstens vorführen kann. Bis die längst platzierte Autobombe das friedliche Paradies der ach so unschuldigen, offensichtlich nur suggerierten Idylle zerreißt.

Das Wissen, dass nichts mehr so sein wird wie früher, der Schritt in die Bedürfnislosigkeit, in die Hypomelancholie, dem Wahn eigener Verschuldung aufgrund der Lebenslügen und der Verworfenheit stellen statt dem üblich antreibenden Fortgang in distanzierter Reflexion die wesentlichsten und auch die am gescheitest heraus skizzierten Merkmale der abwartenden Erzählführung bar Affront, Schock und Exzess dar. Profitieren tut man darüber hinaus von der überaus klaren Situationsdeutung, dem Mangel an moralischer Belehrung, den konventionell gehaltenen und damit verständlichen Szenentypen und der wenig affektierten Diktion mit Raum für längeres Nachdenken, auch wenn derlei Einfälle bereits damals schon zum Schema verkommen waren.

Leider tritt sich der sonstig durchaus gekonnt taktierende, geradezu in der universellen Allseitigkeit zwischen unpersönlicher Vielseitigkeit und standardisierter Vorschrift herum lavierende Film einige Male selber auf die Füße; nicht so sehr materiell als vielmehr formal. Der Zahn der Zeit hat nicht nur an den gar fürchterlichen Kleidungen und Frisuren eigentlich sämtlicher Darsteller genagt, auch das mehrfache Anspielen einer chinesischen Covervariante von Europes one-hit wonder "Final Countdown" stellt die Nackenhaare besonders auf.
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Samstag, 16. Februar 2008

Review: Fatal Mission [ 12/12/1991 ]

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Grimmiger modern day Reisser vom Golden Princess Amusement Co., Ltd. Distributor, die zwischen 1989 und 1992, also quasi in der Goldenen Phase, der Blütezeit des gegenwärtigen Actionkinos eine schon zahlenmäßig erstaunliche Reihe von entsprechend zeitgenössischen Vertretern veröffentlicht haben. Praktisch die Crème de la crème, eine elitäre Gilde an glücklicherweise meist ernst gehaltenen, nicht über dramaturgische Umwege irrenden, mit solidem Finanzhintergrund und folglich auch den damals noch in Scharen vorhandenem Talent hinter und vor der Kamera gesegneten Produktionen, die bis heute eine leistungsfähige Auswahl aus dem damaligen cineastischen Habitus darstellen.

Der Schwerpunkt der durch ihre drastische, ungeschliffene, leicht ungewandt, aber nicht eingerostete Machart gut erkennbaren Quintessenz lag dabei normalerweise auf diversen Triadenwerken, die man mit Just Heroes, Return Engagement, Gangland Odyssey, Hong Kong Godfather, Requital usw. auch in angemessen ausdrucksstark stilisierter, dennoch raubeiniger Weise bedient hat. Fatal Mission – vom ehemaligen Shaw Brothers Akteur und heutigem adult softcore Regisseur Stephan Yip – ist eine der wenigen thematischen Ausnahmen, nimmt aber sonst dieselben Formen und Gestalten an; eine unglamourös expressive Sprache, in der Gesten und Mimik ungehindert kantig wirken, mit individuell ungebrochenen Drang nach vorne und der treibenden Tendenz zur aufgeregt-vereinfachten und vereinfachenden Unterhaltung. Als entscheidend wichtiges Rückgrat das Motto, dass man es auf keinen Fall nicht komplizierter macht, als es tatsächlich ist.

Ein wenig linkisch plump, aber nie umständlich oder gar schwerfällig gehalten wird eine öffentlichkeitswirksam zerklüftete Geschichte der allumfassenden Paranoia erzählt, in der das Leben einer ganzen Familie schon durch eine simple Verwechslung, ja einen unglücklichen Zufall entweder ausgelöscht oder so rabiat umgekehrt wird, dass nie wieder etwas so wie früher sein wird. Aus der Normalität gerissen, dessen idyllischen Frieden man gerade noch im privaten Kreis seiner eigenen kleinen Welt feiern und sich daran erfreuen konnte, wird von Heute auf Morgen die Situation eines erbarmungslosen Rachefeldzugs. Spekulative Grundlage, ein Milieu der Verbitterung, der Desillusionierung, des Frustes, analog karg illustriert, mit Mut zu einigen brüsken Schlenkern und der Vorliebe für ungeschöntes Vorgehen nahe der zivilisatorischen Albtraumgrenze. Als Prämisse nicht nur die Kriminalität der Mächtigen, sondern gleich polizeiliches "Fehlverhalten". Um eine Gruppe Drogenfahnder, die außerhalb der Institutionellen Kontrolle ihr eigenes Gesetz, ihren autarken Berufsethos, ihr Phänomen der Befehlsgewalt schreiben und danach handeln:

Familienvater Peter Liang [ Derek Yee ] wird während der Geburtstagsfeier seines kleinen Sohnes, die er zusammen mit Frau und dem jüngsten Kind, einer Tochter, zuhause im trauten Heim verbringt, jäh aus der trauten Gemütlichkeit gerissen. Im Auftrag von Captain Keeler [ Saskia Van Rijswijk ] vom narcotics bureau, allerdings nach Weisung vom Drogenhändler Harry [ Ricky Yi ] brechen fünf von Keelers Truppe [ Joseph Cheng, Frankie Chan Chi-Leung, Alan Chui, Leung Gam-San, Pomson Shi ] in sein Haus ein. Im folgenden Kampf wird Peters Frau erschossen und sein Sohn durch ein ausbrechendes Feuer getötet. Superintendent Woo [ Sibelle Hu ] übernimmt die Ermittlungen, muss nach wochenlangen Nachforschungen allerdings mit Antworten ausbleiben. Währenddessen kommt Peter über seinen vor Angst flüchtigen Nachbarn Chuck [ Gallen Lo ] sowohl an das Motiv als auch die Hintermänner des Verbrechens heran und setzt nach weiteren bürokratischen Fehlschlägen seine Erfahrung als Sprengmeister gegen Keeler und ihre Eingreiftruppe ein.

Auch wenn sich die spröde Regie bis dahin einige Zeit lässt und auch zwischenzeitlich lange das nunmehr nachhaltig zerrissene soziale Leben von Peter Liang und seiner etwa zweijährigen Tochter in Augenschein nimmt, so entsteht doch keine Diskussion aus soziologisch-realwissenschaftlicher Sicht über die Durchführbarkeit des grundrechtsschützenden Strafnormen gegen die Polizei, den Sinn von Beschwerdeinstanzen oder einen Alternativentwurf rechtlicher Konstruktionen, die die Geheimnisse und Geheimhaltung des polizeilichen Apparates näher in Augenschein nehmen. Ähnlich wie im frostig herben The Last Duel [ 1989 ] oder noch weit eher in Magnum Force [ 1973 ] wird in der hiesig präsentierten Exekutive eine Obrigkeitsherrschaft definiert, die mit ihren Instrumenten zur Unterdrückung von Allen Gehorsam erzwingen kann. Eine Gendamerie Schwarzer Schafe, die egal unter welchen Bedingungen einen unbarmherzigen Dienstleistungsbetrieb ohne moralischem Anspruch, dafür aber mit primären Selbstzweck führen.

Als Erwerbsorganisation, die alles ausnutzt, wo sich konkrete Vorteile bieten. Ein absoluter Gewaltstaat voll Raubrittertum im wörtlichen Sinne, dem der geprellte Kleinbürger wenig entgegensetzen kann; außer natürlich, wenn er denn statt auf die Justiz der Allgemeinheit auf sein abgeleitetes Recht auf Selbstjustiz gegen die Feindlichen Verbände zurückgreift. [ Eine hübsche Asymmetrie zu Vengeance is Mine, wo der mandeläugige Edelmime Derek Yee als Durchschnitt der Bevölkerung mit Vertrauen auf law & order einen massiven Verdrängungsprozeß beschritt, noch weitgehend tatenlos den Schandtaten zusah und genau wegen dieser Teilnahmslosigkeit büßen musste. ]

Ein Lernprozess der blutrünstigen Vigilanten-Gnadenlosigkeit, die die Death Wish / Death Sentence Interpretation in grantig missgelaunten Bildern verdüsterter Beleuchtung präsentiert. Die vermeintliche Wiedergutmachung, das eigene therapeutische Potential, das Geraderücken in ausgleichender, wenn auch nicht ordnungsgemäß statthafter Gerechtigkeit sorgt für die tief enttäuschte, gleichzeitig wilde Energie der Handlung und zusätzlich auch dafür, dass ihre Bindung und Koordination sichergestellt ist. Auch wenn neben konkreter Transformation eben auch eine Menge Exploitationcharakter, Populismus aus der Boulevardpresse und Emotionalität per Holzhammer im anteiligen Beitrag erforderlich ist. Mit ähnlich grobkörnigem Werkzeug wird dann auch zur Tat geschritten, physische Kraft statt geistige beansprucht, sich von Beginn weg ohne große Skrupel bekämpft und final in der Tötungslust triumphiert: Spaten, Stahlrohre, Steinen, Glas im direkten Zweikampf eingesetzt und aus der Hinterhand mit Messern, Pistolen, Brandanschlägen und flächendeckendem Granatenwurf agiert.
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Review: Angel's Project [ 1993 ]

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Im vorläufigen Abschlussjahr des girls with guns Genres von SLG Film Productions (HK) Ltd. bereitgehaltener Durchschnitts-Vertreter, der in zeitgenauer Abrechnung dem damals noch gut bestückten Konkurrenzkampf ein wenig die Federn lassen musste. Zumindest heutzutage, ausschlaggebend sicherlich auch durch offizielle Distribution sind ganz ähnlich gesinnte Arbeiten wie Angel Terminators 2, Avenging Quartet, Madam City Hunter und Way of the Lady Boxers mehr im Munde der entsprechenden Klientel, auch wenn sie selber keine handwerklichen Meisterstücke darstellen. Leider Gottes kann Angel's Project die jahrelange Vernachlässigung auch nicht reaktiv wiedergutmachen, das Unterschätztwerden nicht umkehren, keine Sonderausgabe in Gold erlangen.

Etwaige Versprechen aufgrund der Mitwirkung durch die beiden battle queens Sibelle Hu und Moon Lee sowie der üblichen Belegschaft und die Andeutungen eines Kleinkriegsfilmes im Dschungelmilieu treffen alle nicht in dem Maße ein, um das Fabrikat auffällig aus der Masse entsprechend gleichartiger, geradezu verwandter Werke vereinfachender Gleichsetzung herauszuheben. Eine geschlossene Mannschaftsleistung im Mittelmaßbereich, die scheinbar so gar nicht vom allgemeinen Wettbewerbsdruck behelligt wird. Sich eher recht lässig statt hochgradig verhält, in traulicher Zugewandtheit viel mit Füllszenen hantiert, nicht wirklich Interesse für den eigenen Fortgang, eine autarke Dynamik oder Dramaturgie zeigt, sich scheinbar nicht den nötigen Einsatz zutraut und eigentlich auch die Action bis auf die explosive Endausscheidung nicht effektiv genug durchskandiert. Eine derangierte, auf Dauer etwas ermüdende Wahrnehmung mit gekünstelter Mobilität und versäumter Entwicklung.

Cheung Ho Taks Regiedebüt [ diverse Quellen setzen noch Phillip Ko und Lo Bo Saan als Mitwirkende ein ] ist statt einer Neukonstruktion mit erweiterten Qualitäten und Fortschritten in den wichtigen Belangen, die dann auch das Negative verdrängen vielmehr eine aufrichtig arglose Rückversetzung in den grundlegendsten Urzustand. Eine schon soweit gefällige Akkorde, aber fern narrativer Dichte und Genauigkeit. Eine Entzauberung, ein lediglich trügerisches Glück, ein theoretisches Bereithalten aller Voraussetzungen, die aber noch nicht und später bedauerlicherweise auch nicht mehr in die Praxis umgesetzt werden. So geht es hier getreu der Expansion des Organisierten Verbrechens auch mal in den Urwald, statt einem Reiseausflug in Gewalt und Tod aber eher die Kaffeefahrt per 25km/h Tempo mit dem fliederfarbenen Überlandbus; eine Szene, die so tatsächlich vorkommt und ebenso symptomatisch für das Drehbuch auch mit mehreren Haltestellen flankiert ist.

Unnötige Opfer der ausdehnenden Langsamkeit, da man sich nicht bloß im schnöden Dialog ergeht, sondern auch noch Witze Marke buddy picture einstreut und ganz allgemein die Szenerie von Malaysia viel zu sehr in Richtung touristischem sightseeing nebst anschließendem Waldspaziergang ausnutzt. Das moderne Südostasien mit lebhafter Mischung von chinesisch, portugiesisch, niederländisch und britisch beeinflusster Kulturen, Sitten und Gebräuchen stellt sicherlich gegenüber der sonstig verwendeten Republik der Philippinen die besserere geographische Alternative dar, wird allerdings auch nur zum Abklappern von Verkaufsmärkten, Bahnhof und anderweitiger Infrastruktur in das so nicht weiter visuell reiche Bild gesetzt. Als Ausrede, als Alibi für eine mild attraktive Hohlweltirrealität, als Anlass für vergleichsweise stetige Zänkereien, Haareraufen und Prügelszenen gilt dann auch die Einführung des erzählerischen MacGuffin:

Als zwei HK Cops [ Cliff Lok & Jue Gong ] einen Waffendeal sprengen und die mutmasslichen Täter festnehmen, sollen sie die aufgegriffene Susanna samt einer Diskette nach Malaysia abschieben; den Auftrag bekommen die vermeintlich am Schlechtesten im Distrikt Arbeitenden [ Sibelle Hu & Moon Lee ]. In Kuala Lumpur angekommen werden sie bereits von Inspector Tsui [ Lung Fong ] sowie dem Verbrecherkönig Ma Ko [ Cheng Chu-Fung ] und dem Schergen Chan Wai [ Benny Lai Keung-Kuen ] sehnsüchtig erwartet. Bald brennt die Boomtown.

Schön wäre es zumindest, stattdessen wird sich mangels exzessivem Geldvorrat ein wenig auf den zwar bevölkerten, aber nicht gerade edel glänzenden Straßen eher weitab vom Verkehrsknotenpunkt duelliert; vorzugsweise per Handkante und Fußtritt auf rohe Weise blutige Nasen geholt und die zahlenmäßig überlegenen Gegner in die anliegenden Straßenstände getrieben. Größere Einlagen oder gar Kettenreaktion und Breitseiten an Durchschlagskraft halten sich gemäß des eher begrenzten Budgets notgedrungen in Grenzen und weichen allezeit bereitem empty-handed struggle ohne wirkliche stilistische Ambitionen. Einige eingespeiste Verfolgungsjagden sind nicht der Rede wert und hätten dank holprigen Schnitts, Anschlußfehler en masse und mangelndes Können mit dem ungewohntem Technikaufwand auch lieber beiseite gelassen werden sollen. Ruhmreiche Ausnahme im fist combat Allerlei stellt das viertelstündige Finale, ein unnachgiebig überfallartiger Showdown dar: Der verstiegen überspannten Attacke einer paramilitärischen Miliz auf die lokale Drogenfarm; einer verwaisten Plantagenanlage mit zugewuchertem Gutshaus.

Bis dahin springt die Handlung, bzw. die herumgeisternden Überbleibsel davon ein wenig ziellos zwischen den nur kurz ins Auge gefassten Parteien hin und her und konzentriert sich nach anfänglich eifrigem Hickhack schnell auf die unfreiwillige Partnerschaft von Polizist und Dieb.
Kampfzwerg Benny Lai, der bis dahin nur als thug, extra oder in Nebenrollen unter Jackie Chan ran durfte, formuliert hier nicht bloß das Augenmerk auf ihn höchstpersönlich in der Action Choreographie, sondern setzt sich – wohl um sich seiner selbst zu vergewissern – auch darüber hinaus am liebsten direkt in den Mittelpunkt des lückenhaft ausbalancierten Geschehens. Da er mit counterpart Sibelle Hu per Handschellen aneinander gekettet wird, fällt der am Ende ihrer Karriere bereits empfindlich aus der Form gekommenen älteren Actrice die zweite Hauptrolle, der des Stichwortgebers für allerlei primitiv-kindliche Gags um absichtliche und ungewollte Annäherung zwischen den Gefesselten und die aufgesetzte großstädtische Verzicktheit zu. Während Moon Lee als der strenggenommen primäre und wesentlich feschere Anreiz relativ schnell die Relevanz verliert, aus dem paradigmatischen ready for a fight mit verspätetem Rhythmusgefühl genommen und zwischendurch ganz zur Erholung auf das Hotelzimmer geschickt wird.
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Mittwoch, 6. Februar 2008

Review: Deadly Deal [ 07/02/1991 ]

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Langsam schließende Türen, versperrte Blicke, Fotos, die die Erinnerung begleiten und die Vergangenheit bereits als Reliquie kennzeichnen. Die Veränderung unter sich nahe stehenden Menschen, die sich im Hier und Heute zwar noch die grundlegendsten inneren Gefühle zueinander bewahrt haben, aber dennoch verschiedene Wege eingegangen sind und sich darüber und über die verstrichene Zeit eben doch voneinander entfernt haben. Ein nutzloses Festklammern an alten Gewohnheiten auf der einen Seite, ein stetiges, wenn auch teils ungewolltes Nachlassen auf der anderen, die Unzulänglichkeit im Angesicht ernst zunehmender Herausforderungen. Der Zwiespalt zwischen Wert und Wichtigkeit, zwischen Bedürfnis und Belange, und zwischen Schwäche und Sympathie ist der Grundkern vom bleihaltigen Deadly Deal. Einem weitgehend unbekannten, da auch gerade in der Verbreitung eingeschränkten Heroic Bloodshed Drama, das in seiner Unversöhnlichkeit verharrt. Erst die Chronik einer Liebe, dann der Kampf zweier Seelen, im Eifer des Gefechts von Druckwelle und Pulverexplosion.

- "I never thought it would come to this."
- "That's life. I believe in love, you believe in money. Two different roads."

Die Ummantelung der gewichtig gespannten Angelegenheit besteht aus Standardsituationen, wie man sie in jedem handelsüblichen Vertreter der Gattung vorfindet, sogar auch mit entsprechenden Darstellern geschmückt, die nicht nur in dem Jahr eng mit dem Genre verbunden waren, sondern geradezu als Ikonisierung im Milieu verwachsen sind. Der Prolog gibt die Marschrichtung in bereits eindeutiger Manier vor, dreht dann ab der Hälfte dennoch leicht ab, ohne gleich ganz die Kurve aus dem Klima von Mord und Totschlag zu nehmen, sondern sich nur vorübergehend in einen illusorisch besseren Lebensumstand auszuquartieren.
Dass die verträumte Sicht aufs Meer hinaus, innige Umarmungen, Schwüre und Prophezeiungen einer vermeintlich rosigen Zukunft nur der Anfang vom Ende und so nur ein kleiner Ausweg aus der trist-desolaten Mitwelt sind, ist dem Zuschauer eher und eindeutiger bewusst als den zu sesshaften Figuren, die die Momente des Scheiterns nur hinauszögern, aber nicht verdrängen können und stärkeren Widerstand als erwartet überwinden müssen. Mithoffen und Mitbangen kann man ja dennoch, auch wenn die Konflikte schnell an den Siedepunkt getrieben werden:

Die beiden Konkurrierenden Drogenhändler Steven Tsang [ Stuart Ong ] und Boss Kuen [ Lau Siu Ming ] haben jeweils unabhängig voneinander das gleiche schwerwiegende Problem. Ihre Verkäufe stagnieren, bzw. wird bei der jeweiligen Übergabe immer unplanmäßig aus dem Hinterhalt das Feuer eröffnet, die Schergen wie Fliegen getötet und das teure Gut entwendet. Dahinter steckt Kuens rechte Hand Ricky [ Ricky Yi ], der nicht nur seinen Leitwolf ausbooten und sich selber die goldene Nase verdienen, sondern auch dessen besten Mann Raymond [ Ray Lui ] als Sündenbock für die auftauchenden Probleme verantwortlich machen möchte. Als dieser in den eigenen Reihen auf die Abschussliste gerät, schlägt er sich auf die Partei vom scheinbar nobleren Tsang und dessen rechter Hand Ken [ Kenneth Chan ] und entledigt sich der nunmehrig gegnerischen Organisation. Dort winkt zwar erstmal das schnelle Geld. Allerdings bandelt Rays bester Freund Simon [ Simon Yam ] ausgerechnet mit Eliza [ Elizabeth Lee ], Tsangs properer Mätresse an.

- "I'll tell you this for old time's sake: Money never counts for much. No matter how much it's never enough."
Personen, die im wahren Leben und im filmischen diesselben Namen tragen tun Dinge, die man zumindest auf der Leinwand von Ihnen schon hundertmal gesehen hat und sagen auch die folglich nahezu flüsternd mitlesbaren Sätze auf. Überraschungen gibt es vom souflierten Drehbuch her keine, eher werden absolute Vorgänge in halbherziger Lektüre suggeriert. Abweichungen vielleicht nur in der leicht unüblichen Konzentration auf das eher außenstehende Liebespaar statt dem dezentralen Verhältnis der autonomen blood brothers Ray und Simon, die seit jeher durch dick und dünn gegangen sind, und nur die letzten Jahre durch einen Auslandsaufenthalt getrennt waren. Und in der zeitweilig aufkommenden Intensität des eigentlich doch schon dutzendweise vorgelegten, nicht gerade verschleißfreien Geschehens, dass durch eine eigentümliche Beobachtung einer wie unter der Glasglocke gehaltenen und mit eingebautem Mikrofon abgehörten Artenkultur auffällt.

Sind felsenfest beharrende Taten und Worte sowie Figuren der brutalisierten / kapitalisierten Männerwelt bis in das kleinste Detail vertraut, so wirken ihre Handlungen gleichzeitig abgestumpft, gleichmütig und unterstreichend hervorgehoben. Die Betonung hinsichtlich Aussprache und auch Ausdruck einschließlich Gesten, einschließlich gar des Klangs vom Trommelfeuer plus den einschlagenden hit squibs erwecken den Anschein einer Fülle aufschlussreicher Akzentuierungen, die gar nichts Neues formulieren, aber das Traditionelle schärfer erfassen und sparsamer koordinieren.
Eine unterschiedliche Betrachtungsebene, eine Frage der Aufnahmetechnik, der Bedachtsamkeit der Montage, der geruhsamen Ebenmäßigkeit von Dialog und Ambiance. Wie eine neue ereignisgesteuerte Abtastung, die das alte Material voll postmoderner Identitäten buchstäblich impulsgebend vertieft und aus dem gewohnten flüchtigen Erzählstil und der schon eher schemenhaften Erzählung erfrischende, fast originalverpackte Facetten von verdrängten Gedanken und unterbewussten Gefühlen zum Vorschein bringen kann.

Universelle Einschnitte, die die bisherigen Denk- und vor allem Empfindungsstrukturen und die sinnfällige Wahrnehmung der dann doch speziellen Situation ebenso kundenspezifisch erweitern; dicht an der Isolation, der Desillusionierung, der Abstraktion und Vereinfachung angesiedelt und zwischen trivial Plakativen und perspektivisch Verzerrten schwebend. Vor Jahren, als Beide noch jung und unschuldig waren, hat Simon seinen Gegenpart Ray in die kriminelle Szene eingeführt, kurz bevor er sich in die USA absetzte und dort mit einer von Ray zum Abschied geschenkten Kamera seine berufliche Laufbahn als Modephotograph begann. Jeder hat den Anderen entscheidend beeinflusst und ihm quasi nicht nur das Leben zu verdanken, sondern auch wie er seine Existenz und wohin sie ihn führt. Einmal als Segen und einmal als Fluch.
Nun ist es an der Zeit, die damalige partners in crime Parallelität und das derzeitige Auseinanderliegen sowie die differierende Vorstellung vom Sein und der Realität zusammenzufügen, sich entgegen ihrem Charakter oder ihrem Vorleben erneut dem Bündnis von unabdingbar brüderlicher Freundschaft und emotionaler Kollegialität zu vergewissern und gemeinsam statt getrennt in die Gefahr zu begeben. Zu zeigen wie seelisch belastbar sie tatsächlich sind, auch wenn sie schon hinlänglich viel erlitten haben.

Ein Gang Seite an Seite aus dem Waffenstillstand hinaus, die letale Abwärtsspirale hinab, in den finalen Schießstand, der von namenlosen Handlangern mit Mordauftrag und Unterschallmunition bevölkert wird.
Auf ihre eigene losgelöste Art inszenatorische Kabinettstückchen dann die Shootous: Wie beim kaltblütig überlegten Blitzschach. Kleine, knappe, taskbasierte Auszüge eines dekomponiertes Strategiespiels. Rapides Einschlagen der noch zischenden Projektile. Sekundenpartien an Gewalt und Vernichtung, deren fehlende Bedenkzeit nur von souveränen point shooting Offensivfanatikern beherrscht wird.
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Montag, 4. Februar 2008

Review: A Fiery Family [ 1989 ]

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Blut ist dicker als Wasser.
Was der Volksmund schon lange weiß, ist auch auf ewig die Maxime im Heroic Bloodshed Genre, einstmals und heutzutage, wo ebenfalls wieder erneut oder noch immer die Verwandtschafts- und besonders Bruderbeziehungen [ Brothers, Who's Next ] im engsten Zusammenhang mit der präsentierten Geschichte und ihren Verwicklungen stehen. Wenn es hart auf hart geht, wenn nichts mehr hilft, wenn Schon alle Anderen weg sind oder Freundschaft längst Vergangenheit ist, hält man in der Familie zusammen, egal ob man gleiche Interessen, Ziele, Motive hat oder sich überhaupt oder eher so gar nicht leiden kann. Ein nicht nur scheinbar statischer Zustand von alturistischem Einsatz, ein ewiger Zusammenhalt, ein status quo im menschlichen Kontakt, der durch [fast] nichts zu durchbrechen ist. Verschworen auf Leben und Tod als einigendes Kompositionsdoktrin.

A Fiery Family, eine Art Nachfolger zum vorjährigen A Bloody Fight, nimmt sich diese Devise in sonstig paranoider Gesellschaftsstimmung ebenfalls als Quellentext zur Brust und strickt daraus sein Manuskript eines beruflich verqueren, aber familiär geraden Lebensweges mit überlegener moralischer Autorität. Ein Gangsterepos auf kleinem Rahmen, dass sich geschickt den Anschein einer vermeintlichen Ausdehnung gibt, dadurch aber auch riskiert, sein eigentliches Dilemma ebenfalls selber zu erschaffen. Man bricht die in wunderbarer Rücksichtslosigkeit funktionierende Dramaturgie mittig eigenhändig auf und entwirft spontan eine narzisstische Rückblende mitsamt Prophezeiender Selbsterfüllung und zusätzlichem Nocebo-Effekt. Ein Stolpern durch die Historie, die die bisherigen Ereignisse vielleicht in aller Deutlichkeit noch einmal vom Ausgangspunkt her zeichnen vermag, aber weder bahnbrechende Erweiterungen im Wissenstand beifügt, noch die Charaktere durch den Überfluss an Informationen schärfer konfigurieren kann. Blind für die eigentlichen Belange wesentlicher Bestandteile wird durch die abrupte Arbeit an der eigenen Monumentalisierung vielmehr druckvolle Schnelligkeit und hitziges Gemüt aus der Handlung entzogen, sie direkt vom unprätentiös wildbeuterischen Fortgang mit vielen Risikofaktoren in den abgebremsten Schwung der Großen Reden gedrängt und auch noch Melodrama und beginnende Tragik eingespeist. Ein Trugschluss, mit plötzlich dämmerndem Verlustgeschäft:

Als die beiden nur nach außen hin legalen Gangsterbosse Law Chung Lit [ Lo Lieh ] und Cheung Tai Kuen [ Richard Cheung ] von Inspector Yeung [ Yeung Chak Lam ] und Kam [ Tai Bo ] wegen Drogenhandel verhaftet werden, bekommen die Gebrüder Ching [ [size=11]beim gleichen Frisör:[/size] Norman Chu und Eddie Kwan ] den Auftrag, den Solicitor Murest [ Ken Boyle ] umzulegen. Der ausgeführte Anschlag wird allerdings von einem Zeugen [ Ng Man Tat ] beobachtet, der den Killern ebenfalls die Polizei auf den Hals hetzt. Als die Chings trotz erbitterter Gegenwehr festgenommen werden, entschließt sich ihre Schwester Ming [ Che Ling ] samt ihrem schwer verschuldeten Ehemann Wei [ Gordon Liu ] zur Gefangenenbefreiung.

Ein ungestümes Formen und Vernichten von Individuen.
Wem hierbei schon der Kopf raucht, kann entweder mit den genannten Darstellern – allesamt Haudegen alter Schule – nichts anfangen oder ist der gewohnt holprigen Personen- und Themenbestimmten Erzählführung kantonesischer cheap crime thriller ungeübt und besitzt somit auch kein bewusstes Erinnerungsvermögen. Fern einem wirklich ordnenden Prinzip mitsamt einer einzelnen dominierenden Figur und auch abseits einer dramatisch totalitären Geschlossenheit beruht das hiesige Intrigenspiel wie gehabt mehr auf dem Erahnen kausaler Konsequenzen aus der allgemein gültigen Besinnung als dem Mitvollziehen jedes einzelnen Schritts.

Bittere Restriktionen im Präpotenz-Drehbuch und gezielter Einsatz von meist handgreiflich professioneller / resourcenkundiger Action kürzen zwar den narrativen Dschungel, lassen in diesem radikalen Abbau allerdings auch viele lose Fäden zurück, die dann auf einmal mit dem Großmut der viertelstündigen Rückschau ins Vergessen gedrängt werden sollen. Zusätzlich zu dem unnötigen Einblick, der nur unwesentlich mehr Tiefe als einzigen Vorteil herausschlagen kann, ist auch noch der schlagkräftig-derbe Prolog recht kryptisch und wie verspätet dran gehangen wirkend, fast ein anarchistisches Labyrinth der Verwüstung. Die nunmehrige Kette von streit- und rauflustigen Episoden zwischen Auflösung und Aufregung, Aneinanderreihung und Einreihung, Entwirrung und Kopflosigkeit wird allerdings gut unter das alles überschattende Arrangement des desorientierendes Überlebenskampfes auf der einen Seite und der gemeinschaftlichen Familie voll Fürsorglichkeit und Solidarität auf der anderen gesetzt. Die Sippe als Klammer der Abwehr von Unbill.

Ein eisern kooperativer Sozialverband mit umgreifend ethischen Sinnzusammenhang, in einer unversöhnlichen Welt voll Hass und Abscheu. Die Betonung dessen, die tief verwurzelte Geschwisterliebe, die genetische Berechnung [ [size=11]Schwager Wei ist mitverantwortlicher Auslöser der ganzen Unannehmlichkeit, wird aber für etwaige Nachkommen mitgeschleppt. Auch Verwandtschaft wird mittlerweile zum knappen Gut [/size]] als das vertrauenswürdige Motivationssystem, als unabdingbar verlässlicher Schutz gegen die unmittelbare Bedrohung von Außen. Regisseur Wilson Tong inszeniert dies unberührt von kultureller Sensibilität, auch abseits von Trauer, Wehmut oder gar Melancholie. Hingegen als Resignation, als Fluchtreflex, als Getriebensein ohne Licht am Ende des Tunnels, mit stetig spürbarer Gefahr, schnörkelloser Nüchternheit, kaum emotionalen, eher uninspirierten, manchmal auch plumpen Beschwörungen zwischen Verdruss, Überbelastung, Ärgernis. Eine unruhige, aber nicht hektische und dadurch effizient artikulationsfähige Montage mit rascher Schnittarbeit, waidwund-steifem Schauspiel, eindeutigen Gesten, verbalen Faustregeln, affektiver Teilnahmslosigkeit, unstilisierten Szenenbildern.

Ein emblemartig verallgemeinerndes Reglement, dass sich statt dem krakenhaften Gangstertum an der Machtspitze bevorzugt in verwahrlosten Gegenden rund um Schiffsfriedhof, zugigen Bretterbuden, beengten Ein-Apartment-Behausungen in der kargen Mitwohnzentrale oder gleich komplett in ausgebombt leer stehenden Totenackern totaler Zerstörung ansiedelt, öfters selbst aufs Tageslicht verzichtet und auch in Sachen Kleidung, Aussehen und Benimm wenig spendabel zeigt. Die vermeintliche Realität eher zur negativen Fabel mit parabelhaften Zügen aufgewertet, fern trügerischer Idylle sich nicht lange mit Vor- und Anrede aufgehalten, der Konflikt nicht erst etabliert. Die schieß- und prügelwütige Polizeiarbeit als großkalibrige Ergänzung und gleichzeitig Kontrast zum Triadenmilieu genutzt, dass im Finale auch ungewöhnlich für das Metier mit Straßen-Martial Arts und Machetenkampf angeheizt wird.
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Donnerstag, 17. Januar 2008

Review: Bullet and Brain [ 15/11/2007 ]

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2007 war kein gutes Jahr für Wong Jing, dessen verspannte Burlesken Niemand mehr sehen und schon gar Keiner darüber lachen konnte. Als löbliche Ausnahme in seinem sonstigen Komödienstadl und deswegen als letztes Residuum der einstmals treuen Fans wurde Späten Ende des Jahres immerhin der Hauch von Willen und Kreativität gezeigt, den man die letzte Zeit so schmerzhaft vermisst hat.
Bullet & Brain, Überbleibsel einer einstmals vielleicht doch so viel besseren Ära. Ehrensalut im anhaltenden Überlebenstrainung. Der Blick über den humoristischen Tellerrand hinaus ist sicherlich keinen brandenden Applaus oder anderweitig ausschweifende Beifallsbekundung wert, dennoch gehört der Film zu den immerhin Ansehnlichsten im trüben Herbst. Rein visuell in aufführungspraktischen Anforderungen allerdings nur, mit überreichlicher Erhabenheit, Erlesenheit, Herrlichkeit, allerdings nicht inhaltlicher Fülle ausgestattet. Ein edel blinkender Angelhaken ohne Köder.

Reiz ist Schönheit in Bewegung. Dieses Motto scheint sich Erstlingsregisseur Venus Keung Kwok-man bei seinem Einstand zur Brust zu nehmen, mit Fug und Recht auch, wenn man seine bisherige Karriere als director of photography bei z.b. Protégé, Seven Swords, One Nite in Mongkok oder Inner Senses betrachtet. Keung hat gelernt, aus Wenig Viel herauszuholen, das etwaig mangelnde Budget mit richtiger Bildgestaltung und der Lichtführung zu übertünchen und durch eigen schöpferische Ausdrucksmittel die optische Auflösung, die Dramaturgie und Inszenierung zu unterstützen. Unter formell künstlerischen und damit technischen Gesichtspunkten ist er seit Langem wohl der Talentierteste Reproduzent unter Wongs persönlich angeheuerten Marionetten, kann sein angelerntes Wissen auch gewinnbringend anwenden statt nur Befehle auszuführen und sorgt im alleinigen Verdienst für die grazile Wohlgestalt seines scheinbar voluminösen Projektes. Ein quod erat demonstrandum des Profilierens, dass seine überraschend hold selige Gestalt in imposanter Pracht dafür ausnutzt, den Film in die letzte Zuflucht organisatorischer und fachlicher Effizienz auch ohne gleichwertig respektables Drehbuch voranzubringen. Quasi ein Gleiten auf der Hymne der Bewunderung, mit mehreren Portionen Farbenkraft. Mit dem naiven Vertrauen auf die Bilder zum Sattsehen, nur ohne Geist, dem Lohn des Wissens und dem Genie der Materie:

Triadenführer Principal [ Ma Shu-Chao ] wird von seiner rechten Hand und auserkorenem Nachfolger Winston [ Andrew Wu ] betrogen und versteckt sich im Asyl. Da seine Enkelin Rain [ Tiffany Tang Yan ] trotz des Schutzes des Polizisten Fred Wong [ Alex Fong Lik-Sun ] vor Angriffen des unehrenhaften Emporkömmlings gefährdet ist, werden die beiden legendären Bullet [ Francis Ng ] und Brain [ Anthony Wong ] aus dem Ruhestand abkommandiert. Nur leider kennen sowohl Winston als auch sein neuer Geschäftspartner Simon Chung [ Eric Tsang ] deren Schwächen.

Interessanterweise sind dies genau die gleichen Blößen, die dann auch abträglich auf den Film selber zurückfallen und wohl eher die seines traumatisierten Autors Wong Jing sind.
Die Routine alltäglicher Verrichtungen. Das Faible für Althergebrachtes, dass sich im Abhaken phrasenhaft abgedroschener Nachahmungsprinzipien ergeht; die tragische Unzulänglichkeit, über die Synopsis hinaus zu interessieren oder etwas Unvorhergesehenes abseits von entbehrlichen Verschachtelungen zu implizieren. Die beizeitige Spannungsarmut aufgrund der Widerstandslosigkeit gegenüber Klischees und dem ewigen Wartespiel von weithin überschaubaren Konflikten schlägt sich in der rasch selbstvergessenen Verzögerungsdramaturgie nieder, die sich bezeichnend für das momentane Hongkong Kino in einem Aufsuchen der Stationen der Vergangenheit niederschlägt. Dabei spielt man eigentlich in einer säkualisierten Moderne, der Film ist in neun Jahren ab Jetzt gesetzt, also ein Once Upon a Time in Triad Society 2016. Trotzdem man in einer Welt der nahen Zukunft angesiedelt ist, so auch eine spürbare Aura des Kommenden um sich herum trägt und dies auch mit einigen entsprechenden Effektszenen dekoriert, ist man kein Projekt der Vorschau, sondern wieder eines der erinnernden Reminiszenz.

Ein eigentlich schöner Umblick, auch mit innovativem Charakter tief drinnen, aber ohne Fernsicht. Gefangen im Machtvakuum der derzeitigen Regeneration, die sich statt in rein erfrischender Wiederbelebung oder strikten Ausnutzung des verwirrendem Chaos in kinematographische Gewalt oftmals nur in eine instandsetzende Reparatur formuliert.
Bullet & Brain, ein Herz und eine Seele und trotzdem ein Widerspruch in sich, leiden stellvertretend für das Filmgeschäft an begangenen Fehlern, die zwar weit zurückliegen, aber sie immer noch plagen und so fürderhin auf die falsche Spur lenken. Die Absurdität des Willens verwandelt die äußerlich posierenden Machismo-Ikonen [ Wong und Ng vollziehen ihren vollkommenen, schon ins Blut übergangenen Exiled-Stil, dessen kleiner Bruder in Schräglage der Film dann auch zuweilen ist ] in empfindsame Neurotiker, die sehendes Blickes stur in ihr Verderben rennen. Der eine aus Schuld gegenüber einer Frau [ Liu Yuan Yuan ] und der Andere aus Liebe zu einer [ Liu Yang ]. Klassisch-romantische Motive sind das ja, aber hier dann doch zu kalt gefühllos arrangiert um über das bloße Vorhandensein zum Leben erweckt zu werden, ein wiederholter Rückschritt ins unnötige Nirgendwo anstelle eines Neuanfangs. Übermüdung aufgrund des Festhaltens an verblassten Regularien, ein häufiges Nichtstun, mit fehlenden Besinnungswandel und ausbleibendem Lerneffekt, dafür aber mit angewandtem Bewusstsein für Szenenstruktur, Timing und zumindest dem oberflächlichen Rhythmus.

Action ist mitsamt dem feschen Einsatz realer statt bloß getrickster Explosionen, elegant-kurzer Shootouts und leicht trockenem Martial Arts de facto gut gesetzt, aber trotzdem relativ enntäuschend rar, da es sich nie zu geräumigen Materialschlachten ausweiten möchte oder kann. Wenn allerdings Granatwerfer selbst für Kleinstziele wie Briefkästen eingesetzt oder die Schergen gleich bergeweise vom Hochhausdach geworfen werden verhilft dies der sonst ökonomisch-kleinhändlerischen Produktion zu einem willkommen rüstigen Sinn für trashige Auswüchse und entsprechende no nonsense - Unermeßlichkeit.

Ein eigentümlich Koketterierendes Requiem, dass sich nicht nur symbolisch auf drohendem Halbmast zurückverwandelt, aber dennoch seinen eigenen sympathischen Charme als rührigen Rettungsanker besitzt. Hervorstechend das sinnenhafte Prisma aus ständig verändernden Mustern punktueller oder weitflächiger Beleuchtung, Schimmer und Schatten, extremer Schnelligkeit und gedehnter Saumseligkeit, hautnah miterlebt in direkten Großaufnahmen oder distanziert unter Verwendung rund blickender Totalen. Eine ausgefeilt geschliffene Totengedenkmesse, die sich das hoffentlich nächste Mal trotzdem unbedingt mehr auf mentale Beweglichkeit fixieren sollte als nur darauf zu konzentrieren, welcher Bildausschnitt aus welchem Winkel und ob aus Front-, Seiten- oder doch Gegenlicht gefilmt wird.
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Dienstag, 15. Januar 2008

Review: Beauty and the 7 Beasts [ 26/09/2007 ]

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Womit ein Wong Jing mittlerweile sein Geld verdient und wie lange er sich mit seinem Konzept noch finanziell über Wasser halten kann, bleibt bis zur drohenden Insolvenz sein eigenes kleines Geheimnis. Die Strategie, sich wie die Jahre zuvor mit dem Kopf voller fremder Ideen an Altbewährten zu vergehen und die üblichen Elemente einfach noch einmal neu zu verrühren geht jedenfalls nicht mehr ewig auf. Fast jede frisch angekündigte Wong - Produktion hat bereits von vornherein den abgestandenen Geruch längst welk gewordener Beschwörungsformeln; ein flauer Nachgeschmack x-mal durchgekauter Themen und Motive, der mittlerweile auch nicht einmal mehr über die sonst überraschend flotte Besetzung gerettet werden kann. Ein unappetitliches Lameng, dass so gestrig ist wie der einstige Box Office Magnet selber. Die versiegende Dynamik und nachlassende Mobilität eines Haudegens, der früher auf zehn Filmsets gleichzeitig war und heute als müder Betrachter fast immer entsprechende Handlanger für sich arbeiten läßt. Kein Wunder, dass im inaktuell-fortschrittsfeindlichen Produktionsplan in der zweiten Hälfte des Jahres 2007 auch eine Fabrikation anstand, die das veraltet unzeitgemäße Support-Dilemma mit Verliererstatus ganz dick in allen Lettern ausstrahlt: Beauty and the 7 Beasts.
Gefangen in den 70ern.

Dem Anschein und verbreitetem Glauben nach eine ehrerbietige Wiedererzählung von Richard Yeung Kuens Lucky Seven [ 1970 ], der zu damaliger Zeit als Riesenerfolg prompt wenige Wochen später die obligate, ebenfalls im kristallklaren Schwarzweiss gezeichnete Fortsetzung Lucky Seven Strike Again nach sich zog.
In Wahrheit dient diese Vorlage aller höchstens als assoziatives Bonmot, als möglicherweise adelnder Aha-Effekt. Ein Service des ungetrübten Andenkens, der mitsamt dem Klassikerbonus die eigentlich vorhandene Exspiration und folglich Rückwärtsorientierung von Revierförster Wong verbergen soll. Sowohl dieser als auch Zweitproduzent Eric Tsang haben das anschließende Subgenre mit der Chasing Girls - Formel bereits eifrig in den Achtzigern beackert; How To Pick Up Girls oder Perfect Girls noch als die bezeichnendsten Titel.
Per Zeitmaschine heimwärts in die ruhmreiche Vergangenheit, zusammen mit der rhetorischen "Erkennen Sie die Melodie?" - Frage und einer Handvoll Binsenweisheiten, die handwarm wieder aufbereitet die Traditionslinien publikumsfreundlicher Übersetzung für das Hier und Jetzt weiter spinnen. Eine Dublette der bestehenden Situation, verdoppelt bei einer Begegnung mit sich selbst. Erinnerungsphantasie, zurückgekehrt aus der Zukunft:

Der alternde Filmstar Teddy Tam [ im Roy Orbinson-Look: Eric Tsang ] hat den Höhepunkt seiner Karriere längst hinter sich und lebt jetzt nur noch vom Ruhm vergangener Zeit. Die heimlich in ihn verliebte Haushälterin und Sekretärin Wendy [ Jo Kuk ] kümmert sich mühsam um das Nötigste; Teddy selber hat nur noch Mädels im Kopf, weswegen er sich ständig wechselnd diverse Stewardessen einfliegen lässt. Als das Geld knapp wird beschließt er, Fünf wissbegierigen Männern aus Tai Kok Tsui Nachhilfeunterricht im scheinbaren Prominentenmilieu zu geben. Tony [ Eddie Cheung ], Bruce [ Wong Cho-Nam ], Broke-back [ Gordon Lam ], The Preacher [ Chin Kar-Lok ] und Casanova [ Alex Lam ] zahlen auch fleißig für die Lehrstunden; vor allem, als Teddys uneheliche Tochter Pearl [ Natalie Meng Yao ] die illustre Runde betritt. Probleme tauchen erst auf, als Teddy vom einstigen Berufskollegen Rocky [ Nat Chan ] heimgesucht und erheblich unter Druck gesetzt wird.

Die Standards von gestern in digitaler Retrokultur, mit viel Entstellung, überhöhtem Extrem und second hand Vintage Oldies, die das Spaßmobil der Altherrenkutsche trotz allem Ballast auf die Überholspur bringen und das bereits imaginäre Publikum anlocken sollen. Ein für den Moment durchaus klassisch anmutendes Ambiente, die zwar die Illusion eines Freudenhauses verbreitet, allerdings mehr puritanisch als frivol und kindisch statt erwachsen formuliert ist. Wie auch bei den bisherigen Arbeiten des ausführenden Strippenziehers Chung Shu-Kai [ Nine Girls and a Ghost (2002), Feel 100% 2003 (2003) ], der als Wongs Handpuppe dessen wenige Ideen in provinzieller Langeweile bebildert, findet ein schlichtes, scheinbar wahlloses Ausschöpfen einer Reprise statt. Ein brüchiges, gleichzeitig konstrukthaft und konstruktionsloses Echo glorreicher Tage. Ein poussierendes Recyceln der Vergangenheit, dass seinen Spagat zwischen altersschwach hochbetagt und angesagt jung bloß mit der schillernd artifiziellen Einrichtung, farbkrachend balzenden Modeerscheinungen und dem Bedienen am Repertoire längst aussortierter Stile schaffen möchte. Ein Kokettieren mit der Gleichzeitigkeit von Alt und Neu, einer fälschlich abgeschabten Pseudo-Glaubwürdigkeit, in der Dekoratives und Verspieltes schon die halbe Miete darstellen sollen; und man sich trotzdem nur zwei Schauplätze leisten kann, die sich entsprechend schnell auch in dieser Mikrohistorie satt sehen lassen.

Eine bassinartige Kartonschachtel mit massig Sperrholzplatten stellt sowohl Teddys Heim als auch seinen Arbeitsplatz am Filmset dar; ein Schöntun in der Form, dass keinen direkten Bezug auf eine außermediale Wirklichkeit werfen vermag und mit Perücke, Schlaghose, Plastik, Glimmer und Glitter die üblichen Mängel im Inhalt und Zweifel an der Authentizität nur zeitweise überbrücken kann. Um beizeiten in einer Montage unlustiger, unter der Gürtellinie zielender, bisweilen geschmackloser Momente voll Zudringlichkeiten und Spott anzufallen; wie sie Wong seit eigentlich jeher, auch in derselben additiv kolorierten Mischung aus den Grundtönen Orangerot, Grün und Violettblau gestaltet hat.
In der anhaltenden Krise der Kreativität folgt Wongs gewohnte Überlebensstrategie: Eine Kopie privater Lieblingsnummern, deren Quellen sich trotz eventuell satirisch verzerrtem Bezug auch rasch im Fremdmaterial identifizieren lassen; obwohl man keine reine Parodie darstellt, ist der übernommene Anteil an Verknüpfungen, Verstrickungen und Verknotungen mit dem Themenkomplex von sowohl Stephen Chows King of Comedy als auch Neil Simons The Sunshine Boys zu offensichtlich entlehnt, um nicht aufzufallen.

Sobald es zu dem folgenschweren Zusammentreffen der einstigen Verbündeten im Filmbusiness kommt und es für ein geplantes Comeback zurück an den streitumwitterten Drehort geht, wird aus der gar nicht so nostalgischen Privatfehde eine konkret einbezogene Kintoppillusion mit dem anführenden Leitmotiv vom Sein und Schein. Eine plötzlich überraschend treffende Überschneidung von Dichtung und Wahrheit. Wie auch in derzeitig trauriger Realität werden die Lebenslügen, die Verblendung und Verwirrung der Beteiligten deutlich, eine radikale Demontage des eigenen Selbstbildes: Ein abgetakelter Produzent [ gespielt von Wongs Vater Wong Tin-lam ], der händeringend einen Hit braucht. Zwei bejahrte Schauspieler, deren Glanztaten längst passe sind und die dem Ruhm retour trotzdem krampfhaft weiter nachjagen. Mehrere schon sympathische Nebenfiguren, die gewiss auch etwas dazulernen wollen, denen aber sichtlich schon die Grundvorausetzungen für das Scheinwerferlicht fehlen. Ein Regisseur, der sich vom Endergebnis distanziert und aus Scham ein Pseudonym zulegt.
Die Welt ist eine Bühne, aber das Stück ist schlecht geschrieben und besetzt. Das bewusste Rollen- und Verkleidungsspiel ist im Film und vom Film eine steif formelle Knochenarbeit, spürbar nach Ansage und Probe und trotzdem mit missratenem Timing und ungeschickter Pausensetzung statt lebhafter Improvisation gehalten.

Trotz Potenzierung der Figurenzahl und Beschleunigung des Spieltempos kommt es zu keiner fortschreitenden Intensivierung auf der materiellen Ebene; aus der sensiblen Nachdenklichkeit über das Altern und dem versperrten Zukunftstraum im jeweiligen Original wird hier eine Varietéshow mit possenhaften Hofnarren an der Grenze zur Debilität. Ein zwischen Theaterklamotte und Maskeradenkomödie schwankende, rein mechanisch äußerliche Unterhaltungswelt mit unfreiwilligem Vorführcharakter. Ein durch anspruchslose Funktionalität auszeichnendes Skript, dass in seiner ebenbürtigen Inszenierung ohne die Verwechslungssituationen zu verinnerlichen rein oberflächliche Hindernisse auf türmt, und daraus folgend auch weder die Auflösung der Anspannungen erreichen noch ein Leben in Erinnerung und Sehnsucht, dem entgegen vielmehr nur einen Kehraus-Trauermarsch formulieren kann.
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