Mittwoch, 21. November 2007

Review: He Lives by Night [ 05/08/1982 ]

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So etwas wie den traditionellen kantonesischen Kriminalfilm gibt es gar nicht, kein konkreter Ursprung auszumachen, keine wirkliche Geschichte, Genremerkmale und Filmauswahl vorhanden. Wenige Werke spielen mit dem "whodunit" Konstrukt, flechten es zumeist in Martial Arts-, Action- oder Horrorgeschichten ein, lassen es aber nie die Hauptrolle in der Erzählung selber spielen.
Zwei der raren Ausnahmen, die dies nicht nur als anheizendes Alibi skizzieren, sondern es direkt mit dem Polizeifilm vereinigen, wurden in den 80ern gemacht, durchaus mit Kenntnis des Besonderen und dem Wissen um eine anpassungsfähige Strategie, der Kunst der Berechnung und der geeigneten Taktik zur Erzeugung von Oberflächenspannung angereichert: He Lives by Night als einzelnes Gestirn in der Morgendämmerung. Und Night Caller [ 1985 ], der auch durchaus als variierendes Remake mit grundlegender Inspiration durchgehen könnte. Auffällig hervorstechend ist bei Beiden vor allem die Beeinflussung des italienischen Genrekinos des Giallo, ebenso wie eine ehrende Verbeugung vor Brian De Palma, der ebenfalls mehrmals zitiert oder auch karikiert wird.

He Lives by Night ist der Unkonventionelle dieser seltenen Versuche; hinsichtlich des Außergewöhnlichen, Auffordernden und Herausgeputztseins auch Erwähnenswerter. Ein Netz aus Geheimgängen. Lebhaft, durcheinander, ungeordnet, aber dennoch markant, eklatant, imposant in seiner materiellen Gestaltung und ohnegleichen phänomenal in der Betonung der formalen Komponenten. Der Film ist nicht zu packen, windet sich trotz der durchaus streng übernommenen Traditionen in seinem ganz eigenen Universum und vermischt ohne Reue entwaffnend extravagante Zitate, Genres und diverse weitere popmediale Einflüsse, welche zusammen mit der unnachahmlich aufgedonnerten Zeitgeschichte sowie der verspätet hinterher hinkenden Filmgeschichte ein halluzinatorisches Kreuzworträtsel-Puzzlespiel ergeben. Ausnahmsweise mal ohne Scheuklappen, dafür düster-kunterbunt im Ton, pittoresk konterfeit, mit milchigem Weichzeichner, gründlich verblasster Farbe und allgemein der negativen Optik noch der 70er Jahre, die im HK Kino mangels nachgehender Uhr und Equipment fern vom Update noch eine Weile in all ihrer verwischenden Pracht zu sichten war.

Der hohe Anteil Unschärfe sowohl in der oberflächlich betrachtenden Handlung als auch der ausgebreiteten Küchenpsychologie. Die stete Wandlung von romantischer Traumheftigkeit über unfreiwilligen Humor, krachledernen Sarkasmus, einer grimmigen Horrorshow bis hin zu abstoßend wirkender Misogynie. Die damals blutjungen Gesichter heutzutage bewiesener Schauspielgrössen, das unverhohlene Anpeilen an wahre Begebenheiten, das kurzzeitig zuckende New Wave Revival: He Lives by Night hat ebenso viele Vorzüge wie Nachteile aufzuweisen, deren gesamt addierende Betrachtung bis kurz vor Ende auch immerfort schwankend gehalten ist. Ein Umherspringen nicht bloß in Zeit und Raum, die man eh nur lose justiert hat, und deren striktes Vorhandensein auch gar nicht gefragt und für ein Verständnis vonnöten ist. Sondern auch das Pendeln zwischen Ernst und Lustig, Hommage und Parodie, Ausgangsbild und Kopie; mit Subplots, die streckenweise schwarz wie die Nacht gehalten sind:

Ein Mörder geht um in fear city Hong Kong. Er arbeitet mit Teppichmesser und würgt mit weißen Netz-Strapsstrümpfen, die er den Opfern zuvor ausgezogen hat. Während die beiden ermittelnden Cops Dragon [ Kent Cheng ] und Lousy Wong [ Simon Yam ] vom C.I.D. noch relativ ratlos in der Gegend herum tapsen und nach den Zeugenbeschreibungen auch nach einer großen Frau Ausschau halten, bringt sie die Radiomoderatorin Sissy [ Sylvia Chang ] auf eine heiße Spur. Gerät dadurch aber auch ins Visier des Killers Eddie Wong [ Ngaai Dik ], der immer auf der Suche nach Blutiger Seide ist.

Von Beginn weg wird dabei sowohl die Übereinkunft als auch der Gegensatz der visuellen zur akustischen Seite bewahrt; das Gleiche gilt für die Dramaturgie, die sich je nach spezieller Szene in einer vision/knowledge Dynamik ergeht. Eingeworfene Fragen werden kurz daraufhin meist selber beantwortet, die anfangs verdeckte Identität des Täters nach einigen knappen Verwirrspielchen eigenhändig aufgelöst und gar mit Vergangenheit, Gegenwart und etwaig möglicher Zukunft in Augenschein genommen. Die Polizisten bekommen mehr, aber dafür auch meist nur überflüssige Aufmerksamkeit zugestanden, so dass sie zwar häufig im Bild sind, aber nichts für den Plot an sich tun; außer sich eben durch nichtigem Bubenstreichen und Streit um Liebesobjekt Sissy als Identifikationsfiguren und vor allem dem Gegengewicht zum Antagonisten zu entwickeln. Der Zuschauer als Augenzeuge weiß alles, sieht sowohl die Vorbereitungen des Killers als auch sein Bemühen um stalk & slash Tathergang und gar -vermeidung durch subjektive Einstellungen selber und darf andersherum auch passiv den police procedural Ermittlungen bzw. dem ausschweifenden Privatleben der Detectives teilnehmen. Speziell das tongue-in-cheek Finale erwartet dann mit der Bewegungslehre zwischen diesen widerstreitenden Kräften, zwischen den unterschiedlichen Zielen und Aktionen der Kontrastparteien, die durchaus mit ambivalenten Zügen und nicht eindeutig bestimmbarer Sympathie gezeichnet werden.

Der Killer ist kein Unhold per se, der einzig seinem Triebzwang und der Bedürfnisbefriedigung folgt, sondern auch zur Person über die obligate analytische Szene und die klassischen Symptome [ Voyeurismus, Glaubenseifer, Erotomanie, Fehlwahrnehmungen, Liebeswahn] hinaus erweckt wird. Mit einfachsten, aber umso effektiveren Mitteln wird das Innere hinter der schreienden Fassade zum Vorschein geholt und trotz theatralischer Dressed to Kill - Aufmachung, dadurch auch starker Anwallungen hin in die Lächerlichkeit und Der Fanatiker Halbwelt-Existenz als zuweilen ganz normale Gestalt mit Sinn für Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe erkenntlich gemacht. Ohne jetzt natürlich gleich die im Umgang mit Transsexualität berührten Konfliktfelder zu definieren und analysieren, deren Einordnung hier fern von ethischen Klärungsbedarf noch als Verhaltensstörung und somit dem Stigmata der Krankheit und für den Film selber zuweilen eher als erschreckende Normabweichung unterliegt. Ein "abnormaler" Killer aus den video nasties, irgendwo zwischen Al Bundy und Ted Bundy, der in Entfremdung, Einsamkeit, Anderssein ebenso gefangen ist wie in seiner Funktion als Antithese. Vollständig konträr zu dem schmissigen Cinema City & Films Co. Intro, dem 80ties Sex im fluoreszierenden Neonlicht, Violet Lams Keyboardscore, Langnasen im Breakdancemodus und den unbeholfen-schabernackigen Flirtversuchen von Dick und Doof in Uniform.
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Freitag, 16. November 2007

Review: Vengeance Is Mine [ 28/10/1988 ]

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Einer von zwei einschneidend bekannten, sei es auch nur durch pures Hörensagen berüchtigten und unter dem Aspekt der frühen Exploitation wohl schon wieder renommierten rape_and_revenge flicks des Jahres 1988. Quasi der Nachzügler zu Golden Harvests Her Vengeance, der als Vorstufe und wohl auch Vorlage dafür ganze zwei Wochen früher von Schlockmeister Nam Nai Choi auf die Leinwand gebannt wurde, aber aus bisher ominösen Gründen erheblich weniger Geld als diese naiv galoppierende Themenvariation an den Kassen einspielte.

Der direkte Vergleich muss mangels Kenntnis [noch] unterbleiben; die Prognosen bezüglich Qualität liegen angesichts des hiesigen Ergebnisses aber doch bei der Konkurrenz. Das schwierige Ansinnen, sowohl die spekulativen Lüste des Publikums zu bedienen, sich an Ursprung und ritualistischer Festigung des anstößigen Subgenres wie Last House on the Left, I Spit on your Grave oder Thriller - A Cruel Picture zu orientieren und gleichzeitig ein etwaig seriöses Drama zu implizieren geht bei Vengeance is Mine doch weitestgehend daneben. Über bleiben tut ein Werk, dass anders als seine Ideen gar nicht so weit abseits des Mainstreams liegt wie durch Rederei und Stadtklatsch und so weitergehende Verheißung vielleicht angenommen. Der Kompromiss und das Zugeständnis an die Massenbedürfnisse geht soweit, dass weder auslotende Abgründe von Intensität, Schärfe, Deutlichkeit geschaffen noch bestehende Vorgaben niederer (voyeuristischer) Triebe in expliziter Manier gefüllt werden. Und sich dergestalt harmlos gehalten auch verwunderlich ist, dass sich die ja vorhandene Reputation trotz mangelnder sittlicher Verworfenheit überhaupt so nachdrücklich in die (verklärende) Erinnerung gebrannt hat:

Die beiden Krankenschwestern Jane Li Su-ching [ Rosamund Kwan ] und Amy Wong [ Pat Ha ] arbeiten nicht nur zusammen, sondern sind auch beste Freundinnen und teilen sie gemeinsam ein Heim. Als Jane auf dem alleinigen Heimweg von der Bande des Schädlings Pi-kee [ Ken Tong ] überfallen, entführt und in einem nahe gelegenen Waldstück misshandelt wird, kommt ihr nur der zufällig anwesende Taxifahrer Kao Wing-keung [ Derek Yee ] zur Hilfe. Jane möchte weder zum Arzt noch zur Polizei und vertraut sich nur ihrem Freund Tom Tam [ Poon Jan-Wai ] an, der die ganze Angelegenheit wie auch das Opfer am Liebsten vergessen möchte. Doch bei der nächsten Schicht sieht Jane einen ihrer Peiniger als Patient im Hospital.

Notorischer Miserabilismus in den ersten und letzten 15 Minuten, seichte Identifikation plus Berechtigung einer Scheinerlösung im Handlungszentrum, die wiederum linear zu den Konsequenzen führen.
Es bleibt eine reine Vermutung, aber bei der Doppelregie scheint Billy "Bloody" Tang Anfang und Ende übernommen und den vorherrschenden Mittelteil dem Comedy /Drama / Romance Spezialisten Lee Chi Ngai überlassen zu haben; zumindest wirkt eine Arbeitsteilung komplett unterschiedlicher Persönlichkeiten soweit auffällig, dass sich der Rahmen mit geringschätziger Gleichgültigkeit strikt an die Ablehnung der Verantwortung hält, während die Füllung dieses anprangert.
Die Vergewaltigung allein reicht da scheinbar nicht aus, erst die weiteren Belästigungen, die fortführende Schikane von Beleidigung, Rufschädigung, Einbruch, Vandalismus und das Beseitigen jeder zivilisatorischen Sicherheit führt zum Verzicht auf das schon ritterliche Standesgefühl. Und zur entsprechenden Gegenwehr samt den folgerechten Actionszenen, die bereits ein Jahr vor der Einführung des freieren CAT 3 Siegels zu einem barbarischen Finale führen. Ein erbittertes Hauen und Stechen, nächtliche Autocrashs, Motorradattacken, Angriffe mit Giftspritze, Skalpell, Zeitbombe, Glasscherben und dem alles vernichtenden Feuer eines Hochofens.

Außerhalb dessen eine wenig präzise Inszenierung, die zwar zuweilen ihre eigenen Momente findet, aber an einem halsstarrigen Drehbuch immer wieder scheitert, ein eindringliches Erleben lähmt und auch fern der kategorischen Wesensmerkmale der von der Obrigkeit verschmähten Gattung keinerlei Aussagen erbringen kann.
Asketische Energie gegen individuelle Starre. Nüchterner Rationalismus gegen dramatische Seifenopernstruktur, die sich wie in einer beschlossenen Bürokratie stetig steigern muss, um die vorhergehende Unglaubwürdigkeit, auch verursacht durch entweder gelangweiltes [ Yee ], unbrauchbares [ Kwan ] oder chargierendes Schauspiel [ Tong ] vergessen zu machen.

Einen wirklichen Unterhaltungswert mag man den anstößig-lasterhaften Vertretern rein übermoralisch sowieso nicht attestieren wollen. Aber das, was gerade auch die Italiener Ende der 70er auf die verschreckte Bourgeoisie und die empörten Zensoren in einem roten Tuch tiefer Verachtung gewickelt losgelassen haben, verschwendete ein wenig mehr ruchlose Kreativität und bewies auf jeden Fall mehr offensiven Mut im Umgang mit der vermeintlich konservativ-engstirnigen Mentalität.
Eine Seelenverfassung, die exakt recherchierte Milieustudien zugunsten sozialer Kolportage außen vor sein lässt und sich lieber in freiwilliger Erbärmlichkeit in Schund und Schmutz sudelt. Wenn schon ein Bad im Elend, dem man seitens der Allgemeinheit sowieso fast durchweg negativ gegenübersteht, dann auch richtig und mit dem Kopfsprung voran und in unbefangener rezeptiver Position.

Seit jeher ein Feind der Kritiker wurde in den Arbeiten die Konfliktwelt des Umgangs von Mann und Frau überspitzt bis ins Unendliche verschärft, das Propagandamaterial für die Bedrohlichkeit moderner Geschlechterverhältnisse mit Mitteln der Ekstase und des austreibenden Exorzismus überzogen und zum ultimativen Glaubenskrieg ausgerufen. Die Konstitution einer eigengesetzlichen Sphäre, in der die bleierne Hoffnungslosigkeit auf ein harmonisches Miteinander ohne Vorurteile und Ressentiments, die "sexuelle Unordnung" und die propagierte Dominanz des Mannes aufgehoben und umgekehrt wird. Ein grobmaschiges Humornetz mit abenteuerlicher Ideologie, dass in lautmalerischer Vereinfachung den Soziopathen und den Spießbürger zusammen in einen Raum steckt und sich per schaulustigem Türspion am verheerenden Ergebnis erfreut, ohne sich in die Haftung für ein ethisches Urteil zu begeben.

Vengeance is Mine möchte sich aber Pflichtgefühl, Verantwortungsbewusstsein und Aufklärung über die untragbaren Gesellschaftszustände anstecken, sucht sich eine Ausrede für die Zeichnung einer trostlosen Kondition von Recht und Ordnung. Als Rechtfertigendes Alibi für die ebenso übliche Selbstjustiz und als Katalysierendes Ventil für die armen duckmäuserisch-gutherzigen Städter, die entsprechend dessen auch mehr Aufmerksamkeit als die Bürgerschrecks abbekommen, aber dennoch genauso simpel und mit dem Drang zur monströsen Banalität gezeichnet werden.
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Donnerstag, 15. November 2007

Review: Killer's Nocturne [ 08/05/1987 ]

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Wer schon immer mal wissen wollte, was gefährlicher ist, ein underground free fight event entweder gegen Bolo Yeung oder ein behandschuhtes Känguru mit großem Gemächt: Killer's Nocturne reicht in einer verstörenden Szene als Mischung aus Tierhorror, Wrestlingshow, Grotesktanz und beastiality die eindeutige Antwort.

Auf dergleichen Gedanken kommt nur ein verquerer Kopf, oder die geniale Einfalt eines Nam Nai Choi, der später mit Story of Ricky, Seventh Curse oder The Cat die Palette der mad movies noch erweiternd bereichern sollte. Das hiesig vorliegende Exemplar ist im Vergleich dessen geradezu konventionell gehalten und bietet statt einer wirr herum springenden Geschichte mit Absurditäten im Minutentakt eher die alte und ebenso strikte Mär von der Revenge, dem Aufbegehren eines Einzelnen gegen Böse Mächte und der Auseinandersetzung des Ehrbaren gegen das Kriminelle Syndikat. Abseits weniger, aber dafür umso obskurer Ausnahmen nur der Brauch der legitimen Ordnung in Reinkultur. Mit sattsam bewusster Figurenkonstellation, der überhand nehmenden Bedeutung des Gewohnten für Verständnis und Sympathie und der typischen Maßregeln für die Kreisbilder der Logik, die hier mit schwach angedeuteten Skizzen der Beobachtung gefüllt werden.

Die knappe Laufzeit und der diametral entgegengesetzte Rahmen der Erzählung schließen sich normalerweise aus, was eine gewisse abrupte, inkonsequente Flattrigkeit der Narration, den sorglosen Umgang mit Anschlussfehlern und so wunderliche Gedanken- und Geistessprünge zur Folge hat. Regisseur Nam zeigt viel Weniger als ihm zur Verfügung stehen würde, verzichtet auf die strenge Wortstellung, die detaillierte Erkundung von Erhöhungen und Vertiefungen und konzentriert sich statt der ausführlichen Zusammenfassung vieler kleinen Teile einzig auf seinen eigenen Hauptschwerpunkt: Die Vergeltungsmaßnahme der Blutrache.

Shanghai in den 30ern.
Ganglord Yen Lieh-shan [ Alex Man ] hat sich mit aller Gewalt Geld, Macht und Status angeeignet und besitzt nunmehr auch die Herrschaft über sämtliche Kasinos. Als er auch noch eine jahrelange Schmach gegen den einstigen King of Gambler Lo Tien-pei [ Patrick Tse ] wettmacht und diesen daraufhin in den Tod treibt, steht ihm scheinbar nichts mehr im Wege. Einzig Los Sohn Tzu-feng [ Chin Siu Ho ] könnte ihm gefährlich werden, ist allerdings noch zu ungestüm und außerdem gerade mit Yens Mistress, der Sängerin Autumn Cheng [ Pat Ha ] beschäftigt.

Könnte von dem Ausgangspunkt sowie dem Setting allein schon ein etwaiges Epos oder sei es auch eine Fernsehserie ergeben und bezieht derartig gestäubt auch gleich seine referentiellen Standpunkte. Man verweist sowohl auf zahlreiche gambling movies, die besonders der Altgediente Patrick Tse zur Genüge auf Leinwand und Bildschirm bedient hat [ The Shell Game I+II, Challenge of the Gamesters, Winner Takes All, Mahjong Heroes ]. Als auch auf diverse Bloodshed / Triaden flicks, deren negatives Aushängeschild zu dem Zeitpunkt Alex Man war und der nicht nur hier saukalt-seelenruhig psychische Erkrankungen als Folge des sozialen Aufstiegs porträtiert. [Wobei in diesem Fall noch die schlechten Einflüsse aus acht Jahren Japan-Aufenthalt hinzukommen; zusammen mit "foreign ambassadors arrogance" und "puppet Manchu regime" nicht der einzige phrasendreschende Redeschwall Richtung zeitgenössischer Politik, die darüber hinaus aber nicht weiter in Augenschein genommen wird.]

Ergibt zusammen mit der ruckartig launenhaft Regie, dem wetterwendischen Einstieg und der hohen Dosis sex & violence + kurioser Seriosität eine Gedenkveranstaltung, die die Helden und Bösewichte des multimedialen Alltags und deren Taten nochmals zur schlagenden Verfügung ins Gedächtnis ruft. Sie aber in einer gewohnten Umgebung mit veränderten Vorzeichen, rauem Stil und jähem Durchsetzungsvermögen aussetzt und derart die Vorstellungs- und Begehrungskräfte erweitert.

An die Stelle der braven Bebilderung behäbiger Einstellungen treten eine trügerische Unsicherheit, Momente des deutlichsten Sehens, hyperaktive Lücken und die unverwechselbare Identität von Regisseur Nam, der seinem Oppositionsgeist gegen die guten Sitten so manche Nahrung gibt. Die Känguruszene ist sicherlich der alles toppende gross out Moment, der schon nicht mehr nur einen höheren Grad des Ungewöhnlichen aufweist. Aber auch die Akzente der Gewalt werden im ungeschönten Effekt ohne jede Notwendigkeit außer eben der Weiterentwicklung konventioneller Antriebe und der stetigen Steigerung der Assoziation von Mord und Totschlag formuliert.
In der Bestrebung, vor allem die Actionszenen mit der äußersten Aufmerksamkeit vollkommen zu machen werden die Leute zerstückelt, in Brand gesetzt, erhängt, aus dem Fenster oder die Hochtreppe hinab gestürzt, mit Eisenkugel und abgebrochenen Flaschenhälsen malträtiert, oder durchs komplette Säulengebälk geprügelt.

Der Unterton erotischer Begierde und sexueller Zwänge und Perversionen in den vergleichsweise ruhigen Gegenstücken ist ebenso auffällig kreischend.
Allein in der Phase der Vorstellung wird gute Fünf Mal die Frau an sich entweder verbal bedrängt, als Voyeursobjekt oder gleich ganz als unfreiwilliges Opfer für die eigene Befriedigung ausgenutzt.

Dies allerdings in einer durchweg edlen Umgebung, deren beliebtes Setting auch hier mit formvollendet reifen Brauntönen, Schönheit der Färbung, gediegen gedämpfter Beleuchtung, viel altem Schnickschnack aus dem Atelierfundus, riesigen Schautafeln, antiker Architektur und Luxushäusern erworben aus stilvoller Konsumgütermesse angereichert ist. Dabei entspricht die Handlungsstruktur in seiner außerordentlichen Übersichtlichkeit trotz seiner Eigenschaft als ein aus verschiedenen Balken zusammengesetztes Werk eindeutig der Konstruktion von Yens Nachtclub "Endless Night", incl. der schillernden Austeilung des Hellen und Dunkeln:

Der enorme Ballsall als Auffangbecken der hochgestellten Ansammlung begleitender Personen [ in Kleinstrollen tummeln sich u.a. Wong Hap, Stanley Fung, Alex To, Chan Chi Fai, Han Ying Chieh, Shing Fui On, Shum Lo, Shum Wai ]. Die Schaubühne als kurze Einführung von Angeboten und Infrastruktur sowie für die Einschübe von Tanz und Gesang als Merkmal der Periode. Der V.I.P. Raum für Lug und Betrug, dem Fädenziehen der Machtstrippen und folglich auch dem perfekten Ort für Feindschaft und finales Gefecht. Sowie die Hintertreppe als dem freiwilligen Ausweg in die wirklichkeitsfremde Träumerei, die sich Sängerin Autumn Cheung mit ihrem jungen Liebhaber desöfters gönnt. Und die finstere Seitengasse, zwischen dessen versifft stinkenden Mülltonnen dem jungen Lo vor dem Erwachen in der brutalen Realität der letzte Schlummerschlaf vergönnt sei, sodann er sich ins Flammende Inferno des Showdowns begibt.
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Mittwoch, 14. November 2007

Review: Fury [ 16/01/1988 ]

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Keine entmumifizierte Wiederentdeckung wie bei Johnny Wangs Angry Ranger oder Innocent Interloper, die im Staub der Dunkelkammer liegend immerhin noch schwärmerische Verheißungen, Ehrenbezeugungen und andere ruhmesstiftende Beteuerungen mit sich trugen. Sondern eine komplette Neuausgrabung, die all die Jahre seit der Entstehungszeit ohne jedweden Ruf, ja fast sogar ohne Kenntnis von dem Vorhandensein vor sich hindarbte und nun schlussendlich zwei Dekaden nach der Produktion auch mal das Licht von Auslobung und Handschlag sichten darf. Fury heißt das Werk, dass so heimlich als schlichtweg ignorierter Irrläufer dümpelte, trotz durchaus aussichtsreicher Besetzung, erfolgversprechender Finanzierung und eben auch Wangs allseits beliebter Regie ohne Sirenengesänge im Nirvana der Irrelevanz verschwand.

Der Grund dafür scheint eindeutig zu sein. Diesmal nicht in der unzureichenden Qualität und dem folgerechten Wegsperren gefunden. Vielmehr in der schieren Tatsache, dass nicht nur das ausführende D & B Films Studio schon seit Ewigkeiten nicht mehr existiert, sondern der Film auch gerade zu dem Zeitpunkt erschien, als der Markt von Myriaden identischer Arbeiten geradezu ausgespült wurde. Eine flächendeckende Flutwelle an Heroic Bloodshed Werken, die sich in kollektiver Wahnvorstellung die heiße Phase nach A Better Tomorrow zu nutzen machten, um das dort noch vorhandene Bedürfnis des angefixten Publikums zu bedienen. Und zu diesem Zweck mit den möglichst gleichen Darstellern die analoge Geschichte in selbiger Ausführung, aber ohne tiefer Inbrunst aus dem Herzen heraus erneut zu erzählen.

Auch das vorliegende Fabrikat erweckt eindeutige Anmahnungen an Thematik und Behandlung, benutzt den dramatischen Aufbau von Erinnerung, Verantwortung, Chance und Hoffnung, und streut die Denkzettel des psychisches Erlebens, der atmosphärischen Optik und der visuellen Reize nach identischem Schema ein. Straffe Kulturkontakte zwischen John Woos Original, dass sich selber emsig und mit völliger Gewissheit dem Einsatz von Hypertext und Hypermedia bedient, und seinen unzähligen Nachfolgern, die je nach Güteklasse mal würdige Inspirationen, vorteilhafte Variationen oder mit Hohn und Spott quittierte Kopien darstellen. Und dabei immer gemeinsam haben, dass Keiner der Neueren obwohl zuweilen reizender Formschönheit weder die hohe Pathoskraft noch den Grad der klassischen Vollkommenheit des Vorbildes erreicht:

Thailand, 1982.
Lucky, Schimpfname "Portuguese Tsan" [ Michael Wong ], Auyeung Chick [ Philip Chan ] und Chou Chi-to [ Waise Lee ] planen einen Falschgelddeal mit einer lokalen Gangstergröße, werden aber von Chous Cousin Chan Lau [ Richard Cheung ] an die Polizei verraten. Im Eifer des Gefechts wird Lucky festgenommen, auf der Flucht seine Frau Ngao [ Carrie Ng ] durch den Verräter getötet und Chick schwer verletzt. Als nach sechs Jahren der unwissende Lucky aus dem Gefängnis kommt und zurück nach Hongkong geht, begibt er sich ahnungslos in den Fänge von Chou Chi-to. Währenddessen planen der nunmehr gelähmte Chick sowie sein Sohn Shao Wen [ Bruce Maang ] die erbitterte Rache.

Aus Alt mach Neu, aus "Drei Freunde sollt ihr sein" die Feindschaft bis über den Tod hinaus. Aus dem rosigen Ausblick in die Zukunft, dem ganz großen Geld greifbar nah vor den Augen und dem innigen Männerbündnis werden Töne der Traurigkeit, des Schmerzes oder des Jammers. Das Zerbrechen an den Verlockungen der materiell orientierten Welt als primäres Konstruktionselement, das zusammen mit falscher Loyalität zur Familie eine eigentlich eng verschweißte Truppe auseinander reißt und Vertrauen in Misstrauen und Treue in Verrat umwandelt. Die Erleuchtung stets aus dem eigenen Leben gegriffen, im Film prosaisch bis hin zur griechischen Tragödie überhöht.
"Denn Brutus ist ein ehrenwerter Mann; das sind sie alle, alle ehrenwert."

Keine Handlung, die volle Anerkennung verdient, aber immerhin sein Tagewerk versteht.
So weiß Regisseur Wang die engen Vorgaben auch in der gruppentotemistisch beseelten Narration auszufüllen, bedient dort trotz Überlegung und Geschmack aber nur die Kenntnis und damit verbunden auch die gemäßigte Erwartung des Zuschauers und wagt sich nicht in die Abstraktion und Wandlung.

Eine Nachschrift mit Postskriptum-Verhalten, statt einem Monument mit Zwischenverzweigungen. Seite nach Seite. Vom Anfang bis zum Ende. Mit dem geringsten Risiko verbunden, dafür in einer höchst leidvollen Schreibart.
Eine von vornherein eingeschränkte Wiedergabe der scheinbar unvergänglichen, beharrenden, unwandelbaren Kräfte, die nach dem verbalen Trockentraining unaufhaltsam die Spirale der Gewalt hochtreiben. Die substantiellen Kernsätze werden beachtet, incl. der langsam, aber stetig steigernden Erregung, der nötigen Muße zum Nachdenken, der flammenden Schwüre, dem Anziehen der Fehden, der erneuten Aussagebekräftigung und final der blutüberströmten Auseinandersetzung. Ein vagabundierendes Intermezzo mit viel Ruhe vor dem Sturm, dass wie seine Artverwandten der regelrechten Massengeburt eigentlich keine Dialoge braucht, um das, was es ausdrücken möchte verständlich zu machen. Entscheidend sind vor allem Blicke und Gesten, die mit symbolischen Charakter die traditionell streng lineare Struktur vertikal durch Hintergrundinformationen ausbauen:

Entweder das verhalten-scheue, peinlich berührte und zuweilen auch sinnierende Wegschauen in den leeren Raum. Oder das fragend-ungewisse Anstarren, das Suchen nach der Wahrheit und das erschütterte Feststellen, dass nichts mehr von der Vergangenheit über ist und die Gegenwart alles zerstört hat. Vor Liebe krank, von Mitleid gerührt, von Trauer umflogt.
Sowie die Aktivposten der kriegerischen Märsche, die die sonstig vorhandene Schlafzimmermusik ablösen und plötzlich kostbare Augenblicke der Bewegung in den von vornherein festgefahrenen Handlungsprozess bringen. Denn der Sprung in die Selbstständigkeit über die Reflexion, die Korrektur und den Kontext hinaus wird hier wie so oft nur in den Actionszenen geschaffen, die in krosser Bestrebung geradezu eigene idealtypische Formen bilden. Die inkludierten Dateien versüssen rückwirkend auch die lange Wartezeit: Dankbar aufgenommene Unterbrechungen des rein soliden Schauspiels, in dem nahezu jeder Darsteller nur seine geschriebene Minimalfunktion ohne wirkliches Leben, Gedanken und Empfindung verkörpert. Willkommene Abwechslung von der Grundmaxime der langen Erläuterung, die trotz knappen Einstieg auch hier unnötigerweise leider zu ausführlich benutzt wird.

Kleinere Akrobatikeinlagen und zündende Lichtblitze in der stetig bläulichen Dunkelheit leiten die Arbeit von Choreograph und Stuntmen ein, wohl wissend, dass Shootouts und Konsorten in ihrem aggressiv aufbrausenden Ausdruck mitsamt der psychologischen Manipulation der eigentliche Zweck der Bloodshed-Kunst sind.
Grelles Blendwerk auf dunklem Firnisgrund. Direkte Statements von Jähzorn und Angriffslust. In seltener Anzahl, aber dann mit Übung und Fleiß umso effektiver gesteigert durch recht rabiate car crash cheats auch mit schweren Fuhrwerk wie Kipplaster und Gefängnistransporter, dem starken Bemühen um explosiven Feuerzauber, der leinwandverstärkten Fetischisierung aller zur Schau gestellten Waffenpräsenz. Und dem unerbittlichen Bodycount, der neben Schußopfern in grausamer Deutlichkeit auch einen höchst realistischen Auffahrunfall einbezieht, der die Grenzen zwischen vorbereitender Absicht und fahrlässiger Improvisation beim Dreh kurzzeitig aufhebt und schon beinah in Richtung snuff tangiert.
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Sonntag, 4. November 2007

Review: Guns and Roses [ 01/01/1993 ]

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Die seit dem Startjahr 1952 bis Heute produzierte Springfield Story ist mit über 15.000 Folgen die weltweit am längsten laufende Seifenoper.
Guns and Roses kommt dem ziemlich nahe, zumindest in gefühlter Hinsicht.

Was immer sich ein Philip Ko, erwiesener mastermind in Sachen B-Action, sich dabei gedacht hat, plötzlich aus heiterem Himmel und ohne jede weitere Vorwarnung ein Drama zu lancieren, es ging heillos daneben. Nicht nur, dass man ein Setting aufweist, dass viel eher in Richtung der - für seine Verhältnisse - ziemlich gelungenen Killers Romance und Phantom War hindeutet, auch die entsprechende Crew und sogar das eigentliche Genredrehbuch ist mit vor Ort; theoretisch wartet der verwöhnte und letztlich arg verblüffte und gleichzeitig enttäuschte Zuschauer bis kurz vor Ultimo auf eine ähnlich pessimistische Replik gezückter Waffen und fliegender Fäuste. Stattdessen bekommt er den missglückten Abriss eines Passionsspiel über große Träume, Liebe und Niederlagen, dass in freiwilliger Selbstzensur wohl gerne die moderne Wiedergabe der Sirk - Melodramen sein möchte, aber leider nichts weiter als ein dramaturgisch kurzatmiger Einakter mit schlechtem Dialog und noch schlechterem Schauspiel darstellt. Die Geschichte der Verwicklungen überschwellender Emotionen wird in emsiger Fließbandarbeit vorangetrieben und der Knoten des Ganzen so logisch verdeckt gehalten, dass letztlich Zufall, Allerunwahrscheinlichkeit und brachiale Gewalt die Auslöser des Bloodshed - Höhepunkts sind:

China - Flüchtling Tai Chin Shui [ Robin Shou ] muss auch fern der Heimat in Frankreich um seine Zukunft fürchten, ist er doch heimlich im Lande und hat wegen anhaltender Probleme mit dem Pass gerade seinen letzten Job verloren. Mittel- und perspektivlos geht er zu seinem alten Jugendfreund Fa Chin [ Simon Yam ], der in England zwar ebenfalls keinen Job hat, sich aber mit kleineren kriminellen Touren und dem Glücksspiel über Wasser hält; außerdem hat er in der Nachbarin Shato Shiko [ Sakakibara Yoshie ] eine treue Freundin, die zudem in der Firma von Mr Nakamuri [ Luk Chuen ] und dessen rechter Hand Peter [ Philip Ko ] ganz gut verdient und rosige Aufstiegschancen hat. Als Shikos lange verschollener Bruder Buta Taro [ Wilson Lam ] samt Vater auftaucht, könnte sich alles in Wohlgefallen auflösen.
Doch dann springt das Schicksal aus der Schachtel und schlägt mit dem Holzhammer zu.

Bis die unglückliche Kette voll Unglück soweit ist, hat man als mittlerweile etwas schläfriger, noch mehr enervierter Betrachter eher das Gefühl, sich auf der langen Reise über der Krümmung der Zeitachse zu befinden. Da hilft es auch nicht, dass die bescheidene, erst irgendwann vor Abspann überhaupt interessierende Handlung mit Klimperklavier aus einem weich gezeichneten Just Jaeckin unterspült ist und die vermeintliche Tragik gleich im tränenfeuchten Akkord bearbeitet wird. Statt theoretischer Reflexionen über globalising chinese migration und einem Themendossier über Asyl, Aussiedlerpolitik, Zuwanderung und Integration werden nur Formeln und Schlagworte [ Die Große Proletarische Kulturrevolution, der drohende Handover am 01.07.1997, die Atmosphäre offener Feindschaft gegenüber Japan ] und etwas fotografische Exkursion benutzt, um das Dramolett mit scheinbar ernsten Unterbau zu versehen.

Sowieso hat man auf dem Papier alles aufgefahren, was kurz vor der Schwarzblende auch bei den Vorbildern als schweißtreibender Cliffhanger herzuhalten hat und in inszenatorisch geschickten Händen zu einem aufwühlend blutigen Kampf zwischen der harten Wirklichkeit und dem herbei sehnenden Begehren des Menschen werden könnte. Incl. der späten Familienzusammenführung samt der Vereinigung getrennter Eheleute kommt noch eine tödliche Krankheit, drohende oder bereits eingetretene Arbeitslosigkeit, Karriereknick, Heimweh, Fernweh, politische Verfolgung, soziale Desorientierung, Rassismus, Polizeiwillkür etc. hinzu. Plus dem obligaten Gefühlswirrwarr einer gleich doppelt angedeuteten, aber letztlich nicht weiter beachteten Dreierbeziehung. Halt Gewehre und Rosen. Oder wie Sirk es sagte: Tränen, Gewalt, Hass, der Tod und die Liebe.
Schattenlinien und Lichtpunkte. Nur hier in inkompetenter Aufrechnung.

Bei Ko ist es bloß ein diatonisch-chromatisch-unharmonisches Bühnenweihfestspiel in falscher Aufmachung und verkehrter Behandlung. Nie glaubhaft, da nicht reinversetzbar, mit haarsträubenden Ereignissen, unverkäuflichen Wendungen, eitlem Gusto, übertrieben [selbst]ironischen Einsprengseln. Nichts funktioniert. Weder der anfängliche Schabernack, der seinen etwaigen, aber hier nichtvorhandenen Witz aus dem unbedarften Luftikusverhalten des Fa Chin und der Nebenrolle der weiblichen Giraffe Fanny [ Cindy Chow ] beziehen möchte, in der die Eine immer die sorglose Unbedarftheit des Anderen ausbaden muss und zusätzlich als stetig zu groß für ihre Umwelt und entsprechend empfänglich für Slapstick gezeichnet wird.
Noch der schon eher typische Rahmen aus verbrecherischen Geschäftsmännern, die im Hintergrund des genierlichen Geschehens die letalen Fäden ziehen. Aus unfreiwilligen Auftragskiller, Geld fordernden Schergen, schießwütiger Polizei und bis an den Rand der Existenz getriebenen Unschuldigen, die keinen weiteren Ausweg als die violente Notwehr sehen.

Schlimm die abwechslungslos-gleichförmig-einschläfernden Bildeinstellungen, die außer etwas touristischer Sehenswürdigkeit keinerlei optische Anreize ausnutzen oder gar schaffen vermögen. Schlimm das eruptive Spiel Simon Yams, der sich wohl aus Rache für das miese Skript um jegliche Reputation agiert. Schlimmer die ermattend strapaziöse Leistung des japanischen Popsternchens Sakakibara Yoshie, die mit ihrer schwer ertragbaren Leidensmaske mitunter spinös wie Stefanie Hertel wirkend noch jede sympathische Empfindung immens in Richtung Brechdurchfall drückt.

Kurz vor dem deftigen Parallel-Showdown gibt es besagten Kniff, der für eine Sekunde nicht nur den entscheidenden Aha-Effekt mit Sonderbedeutung, sondern tatsächlich auch die Tragweite in die ansonsten nicht nur scheinbar belanglose Geschichte andeuten vermag. Dort hakt für einen Moment die Zahnrädchenstruktur passgerecht ineinander. Aber bis dahin sind schüttere 70min vergangen, eine quälend ausdruckslose Zeitspanne arg gedehnter Tempi, unendlich langer Andachtspausen, prüde hingestrichelter Verbalisierung und abgedroschenem Nachhaltigkeitsfaktor. Eine altjüngferlich verhangene Aufführungspraxis in Rüschenbluse, Trompetenärmel und Grobmaschiger Netzstrumpfhose, mit sprödem Aufbau und unbeholfen-gouvernantenhafter Erkenntnis.
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Donnerstag, 1. November 2007

Review: Tough Guy [ 1997 ]

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Es soll ja Filme geben, die von Minute zu Minute immer besser werden, es ihnen nach und nach gelingt, den Zuschauer mehr oder erst recht zu packen, zu interessieren, zu faszinieren. Seltene Beispiele, in denen man schon kurz vor dem Wegdriften oder dem gleich Abschalten steht, bevor man plötzlich etwas entdeckt, dass man vorher nicht zu glauben hoffte oder wagte.
Tough Guy ist leider keines dieser Exemplare, sondern das exakte Gegenteil.

Auch eine Kunst, die von vornherein aufgrund Herstellungsjahr und -firma, sowie Regisseur und Darsteller doch eher niedrigen Erwartungen nicht nur zu unterbieten, sondern sich noch zusätzlich als vielleicht kleine Überraschung zu verkleiden und dann rasch sämtlichen Putz zu verlieren. 20, 30 min geht die Maskerade gut, aber dann ist nur noch rapide sinkender Fall zu beobachten. Ein Sturz ins Bodenlose, der viel Nerv und Geduld beim schon peinlich berührten Zuschauer abverlangt, um vielleicht doch noch mit hechelnden Atem und rollenden Augen ins Ziel zu torkeln.

Was ist nun so schlimm an dem Film mit dem knalligen Allerweltstitel, der von der Aufmachung und der B-Prominentenbesetzung der alten Schlagbolzen Yu Rong Guang und Billy Chow durchaus anlockend gehalten, zuweilen einfach hinreißend wunderbar ausgestattet ist und so angepriesen sicherlich manch Unwissenden in die heimtückische Falle gelockt hat ? Klare Antwort: Das Drama.

Statt sich auf einen formidabel hässlichen Actioner im sogar korrekten Setting mit ansprechend klaren Figuren und ihren kontrastierenden Problemen zu verlassen möchte man die eher kurze Zeit noch überplanmäßig mit Herz und Seele füttern. Eine Art Regarding Henry, oder dessen asiatische Variation Loving You sein. Was prompt schief geht und das restliche, so nicht mehr überlebensfähige Konstrukt gleich mit rein reißt. Dass die Chinesen, oder eher gesagt die Kantonesen mit dem Spiel um Gefühl und Emotionen so ihre Schwierigkeiten haben, ist keine Neuigkeit. Entweder man verfällt in die blanke Übertreibung, kann diesen etwaigen Pathos aber mit einer wenigstens ehrlich gemeinten Aussage dahinter abfangen. Oder man versteckt sich im Vorhang von Ruhe, Stille und Besonnenheit; was man seitens der Crew wohl gerne als "zarter Kontenance im Dämmerzustand von Schwermut und Gram" und "Wahrung der öffentlichen Ruhe und Ordnung zugunsten gefasst beherrschter Gemütsbewegung" charakterisiert haben möchte. Tough Guy ist leider nichts davon, sondern in diesem Aspekt nur laut, aufdringlich, nervig und verkauft den Betrachter obendrein noch durchgängig für sehr blöd; eine Mischung, die unweigerlich abstösst und sich einem Bumerang gleich auf den Verursacher zurückwirft.
Die kiss and tell story startet Weihnachten:

May Chui [ Xu Jinglei ] ist zwar seit zwei Jahren mit dem Polizisten Pan Chan [ Woody Chan ] verheiratet, hat ihn aber in dieser Zeit kaum und wenn dann nur geistesabwesend oder schwer beschäftigt zu Gesicht bekommen. Pan ist zusammen mit seinem Kollegen Chinny Yiang [ Yu Rong Guang ] als undercover beim Kriminellen Master Kin [ Billy Chow ] eingeschleust und stellt die Arbeit grundsätzlich über die Familie. Da May sich beim Santa Claus wünscht, ihren Mann auch mal daheim zu haben, geht ihr Traum alsbald in Erfüllung. Allerdings mit schwerwiegenden Nebenwirkungen.

Bis zur Aufklärung dieser andeutenden Wendungen kann man noch mühelos folgen; happig wird es erst, als sich die cops and robbers Formel als rein oberflächlicher Rahmen abzeichnet und dann auch schon wieder zu verblassen anfängt. Zwar beginnt man mit einem ausschweifend illegalen Juwelendeal, der sich in eine heillos wüste Festnahme, einer anschließenden Flucht und vielen Rachetaten steigert, würzt dies auch noch mit Korruption und Betrug unter Uniformträger und stattet beide Seiten der Medaille mit hoher Belegschaft und ebenso hohem bodycount aus. Verliert dann aber sein Ziel aus den Augen und gestaltet das absurd-ansehnliche Werk zu einem erbarmungswürdig unpässlichen tearjerker, der mindestens vier Klassen unter den schon ebenfalls eher nicht so gelungenem Mike Nichols / Johnnie To gelegen ist und deswegen arg um seine Versetzung strampeln muss. Vor allem die fokussierende Persönlichkeitsentwicklung von Pan Chan, der sich nach einem Zwischenfall im Job einen ominösen, sein Nervensystem und das Gehirn angreifenden Virus eingefangen hat und die letzten verbleibenden Wochen mit seiner bisher vernachlässigten Frau verbringen möchte, reißt das bisher durchaus unterhaltsame, wenn auch nur auf obskure Art gelungene Werk deftig rein.

Jedwede Regung, jede Anwandlung, jedes Wort zwischen den Eheleuten ist sowohl vor als auch noch mehr nach dem Unfall ein eigentümlich anstößiges, polternd unbeholfenes Chargentum. Mit denkbar dubiosem Regiekonzept und mangelnd hilfloser Schauspielführung versehen wird sich unbarmherzig durch noch so jede banale Aussage gewütet, gestikuliert und grimassiert und ein extrem unnatürliches Bild fader und gleichzeitig krachend mißstimmiger Befindlichkeiten abgeliefert. Gerade die so wichtige männliche Hauptrolle ist mit seinem peinlich illustrativen Grinsen, den nach dem Drehbuch suchenden Augen und dem angestrengten, niemals glaubhaften Insichgehen zum Scheitern verurteilt. Die direkte Mitspielerin wird zwar mit Xu Jinglei von einer jungen Dame verkörpert, die hier nach ihrem Abschluss im Performance Institute an der renommierten Beijing Film Academy ihr Debüt feiert und zusammen mit Zhang Ziyi, Zhou Xun und Vicky Zhao Wei [ = die Four Small Flowers ] mittlerweile zu den beachteten und erfolgversprechenden Akteurinnen gehört. Aber abseits dieser rückwirkenden Eckdaten auch keinerlei Wirkung einbringen kann, eher noch quasi tatsächlich bloss die attraktive Blumenvase spielt. Und sich weder ihr noch dem Publikum mit diesem indisponiert-abwesenden Auftritt und seiner einschneidenden Handlungsveränderung hin zu einem wertgeminderten Elendspiel einen Gefallen tut.

Was bleibt ist der Schauplatz. Zwar nach objektiven Maßstäben ein verhunzter Zwitter aus Gegenwart und Vergangenheit, der wahrscheinlich das beliebte Shanghai der 30er verkörpern soll, aber irgendwie stark nach undefinierbarer, irrealer, recht billig zusammengeschusterter Zwischenwelt aussieht. Genaue Zeit- und Ortsangaben hat man der geheimen Phantasie überlassen; eine Ausrede, die wohl nötig war, aus diesem brüchig durchscheinenden Pappmachékonstrukt immerhin etwas Glaubwürdigkeit zu beziehen. Kann so ja sonst was ergeben, ohne das man es beweiskräftig auseinander nehmen kann. Die vergilbten, abgeblätterten, nur von alter Farbe und kalten Leim zusammengehaltenen Wände und die wenigen ebenso unterernährt schwankenden Möbel sonst zumeist leerer Ateliers ergeben wenigstens eine gewinnbringend beflügelnde Mischung aus Halluzination und Wirklichkeit.

Ein magischer Ort, der ähnlich seinen ruhmreichen Vertretern Revanchist, Shanghai Affairs oder Bloody Brothers eine Gesellschaft im Übergang mit sehr kostengünstiger Prachtentfaltung zeichnet. Ähnlichen Liebreiz entwickelt dann auch die Action, die zuweilen gar mal auf größere Szenerien innerhalb der baufälligen Theaterkulisse setzt, jegliche physikalischen Wahrscheinlichkeiten dafür streicht und sich in der eigenen albernen Widersinnigkeit sichtlich wohl fühlt. Da werden mit bloßer Hand steinerne Mauern durchbrochen – in einem glühendheissen Hochofen wohlgemerkt –, sich Verfolgungsjagden in Schrittgeschwindigkeit geliefert, im Fangnetz herumgerannt und während erbitterter Schießereien auch schnell mal schmucke Musikboxen im zersplitterten Schaufenster erworben. Die wenigen gelungenen Einstellungen und Bewegungen in den Fights werden entweder durch slow- bzw. blurmotion verätzt; es hilft auch nicht sonderlich viel, wenn die Kämpfer durch ihre karierten XXL-Beinkleider, die sie scheinbar am Hals zuknöpfen und den strammsitzenden Hosenträgern aussehen wie riesige Clowns.
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Review: Cheetah on Fire [ 1992 ]

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Vielleicht waren es geschuldete Altlasten, vielleicht die guten Kontakte zur Belegschaft, vielleicht bekam auch ein Donnie Yen es zwischenzeitlich mit den Triaden und ihrer unsauberen Geschäftspolitik incl. der gewieften Überredungskünste zu tun. Man weiß es nicht, was ihn dazu bewogen hat. In der eigentlich auch für Martial Arts Künstler stabilen Zeit um 1991 ausgerechnet die Produktionsfirma Cheung Yau heimzusuchen und dort kurz hintereinander in drei Arbeiten zu gastieren, die außer für Trashfans preiswerter Actioner so keinerlei positive Seiten abwerfen. Damals war der Massenbetrieb noch profitabel gesichert, die Distribution vor allem in die UK und die Staaten erfolgte nahezu automatisch; auch Deutschland griff sich mit Crystal Hunt [ DT: China Heat ] den nach Holy Virgin vs. the Evil Dead Mittelteil dieser unzusammenhängenden Trilogie heraus und spielte das fidele, in der besagten Reihe nichtsdestotrotz schwächste Werk bevorzugt im Nachtprogramm niederer Privatsender ab. Cheetah on Fire, der vom nahezu gleichen Team als krönender Fortsatz fabriziert wurde, könnte in der gleichen Schiene eben genau hinten dran im Anschluss laufen und würde die Zuschauer wenigstens wieder labend erwecken.

Statt bicycle-fu, einer Schnitzeljagd vieler Grünschnäbel und dem Gipfeltreffen der Erdtrolle in der Sächsischen Schweiz geht es diesmal um etwas weitaus Grösseres, dass auch mit wesentlich mehr Lärm in Szene gesetzt wird und sich allumfassend als gute, gängige, deftig-heiße Hausmannskost herausstellt. Wieder ein im wahrsten Sinne des Wortes abgrundtief schlechter, am Spartag fabrizierter, kurz vor der Stilllegung wegen Unwirtschaftlichkeit situierter Film. Aber wenigstens einer, der sympathischerweise um seine Schwächen weiß. Und zumindest so schlau ist, aus seiner gutbürgerlichen Kantine am Außenposten der Kreativität immerhin Anständiges für Zwischendurch und mit unfreiwilligem Humor als Aperitif zu zaubern. Zuweilen eine recht gewöhnungsbedürftige Anmutung, die aber zumeist eine deutliche Verbesserung der positiven Symptome und mit weniger Nebeneffekten darstellt:

Waffenhändler Tong [ Shing Fui On ] hat während seiner Tätigkeit auch einen wichtigen Computerchip gestohlen, den er über Mittelsmann Ken Fok [ Eddy Ko ] an den Meistbietenden verkaufen will. Vorher muss er allerdings aus den Fängen der Polizisten um Carrie Wu [ Carrie Ng ], Peggy [ Sharla Cheung Man ] und Edward Kwan [ Eddie Kwan ] befreit werden, die ihn in Zusammenarbeit von OCTB, CIA und Interpol dingfest gemacht haben. Als die Bande von Long Hair [ Gordon Liu ] und Hank [ Ken Lo ] auftaucht, stellt sich der geschasste special agent from secret service Ronnie [ Donnie Yen ] auf die Seite der Guten, die anfachende Verstärkung auch dringend nötig haben.

Die diversen Polizei- und Räuberaktionen werden von Beginn weg ohne weitere Erläuterung eingespeist. Eine Mordgeschichte mit Totschlagsargumenten. Beginnend mit einer abrupt eröffnenden Straßenschlacht, in der die Vigilanten aus allen Löchern eines quer stehenden Lasters gesprungen, gehangelt, geschlüpft kommen und den Verkehrsknotenpunkt in der Rush Hour mit breit dahinströmenden Feuersalven und hastig geworfenen Staubbomben eindecken. Der sonstige Explosionsradius bleibt zwar oft auf kleinerem Rahmen - [Eigenheim, Aquädukt, Wiese, Park- und Lagerhaus] - beschränkt, verzichtet dort aber ebenfalls nicht auf hohem Munitionsverbrauch; die Blei- und Schrotspritzende Schusswaffe als alleinig herrschendes Fetischmotiv. Getoppt wird diese heillose Prasserei nur mit der absichtlich verschwenderischen Vielzahl grob-rastloser Schnitte, einer fachmäßig kunstgerecht wirbelnden Kamera und beherzten Stuntmännern, die in ihrer paritätischen Mitbestimmung kurz vor der Berufung zum Kanonenfutter stehen. Die finale Aggressionsentladung als hektisch überrumpelnder Gewaltstreich, bei dessen stetigen Dauerfeuer und den allgegenwärtigen Detonationen schon einige Male Tag- und Nachtgleiche eintreten oder sich der Hintergrund der general offensive auch mal malerisch zärtlich rosa färben kann. Eine militäraffine Repräsentation ohne neumodischen Schnickschnack. Massig Tamtam ohne revolutionäre Ideen, aber mit Schmackes, Effet, Lust und Laune.

Dankend zur Kenntnis genommen wird das brachiale Ausgangstempo, der derbe Härtegrad, der Rückzug in Schlichtheit und Askese, die Entsagung ausschweifender Textbeilagen und die allgemeine Diskretion:
Schon vor dem Wegtreten aus der entfesselten Kommunikationsgesellschaft in die sumpfigen Weiten Thailands und einem anliegenden Söldnerbuschdorf wird viel Sorgfalt auf Takt, Treue, Zurückhaltung, Zuverlässigkeit zu Genre und Erwartung gelegt. Ja den Zuschauer nicht zu sehr und schon gar nicht überfordern, ihn mit rudimentären, allerhöchsten nebensächlicher und deswegen wenig weiter helfender Nullinformation und stattdessen mit folglich ablenkenden Blickfängen und seinem eigens gewollten Gusto zu versorgen. Im Detail bedeutet dies unheimlich ungeschickte Schauspielleistungen, nur auf Posen verstehende Mitarbeiter, die einem übertriebenen Comicuniversum entstammen. Nicht nur so agieren, sondern auch so reden und aussehen, was neben der steifen, wie im abgewetzten Rohzustand befindlichen Optik, den dumpfen Bässen und der umfassenden Hässlichkeit für Auge und Ohr natürlich auch die Kleidung, die Frisuren und ganz stilecht auch die englische Synchronisation einschließt.

Während Yen seine eigensinnige Platzhirsch-Mentalität bevorzugt mit halb runter gelassener und gleichzeitig an den Ärmeln aufgerollter Jacke zum Ausdruck bringt, und Gegenspieler Gordon Liu mit seinen schwarzen Locken samt Pferdeschwanz aussieht wie ein angebrannter Pumuckel, sind es noch die formschönen Babyjogger - Trainingsanzüge der Polizeieinheit, die stechend auffallen. Dialoge sind ähnlich edel, hier und da auch ein wenig kafkaesk mysteriös angelegt, oder wofür steht ?:
- "Our mission is to find that chip. That might tight us to the killers."
- "Hmmmmmm. I see you haven't forgotten thats all you brand caughten standen yet, u hebben het."
- "Yeah, i gotten proof."

Ähnlich wie auch bei den Vorgängern und den artverwandten Angel Force oder auch Golden Nightmare kommt das Beste hier erst spät zum Schluss; der Schritt aus der mehr oder minder urbanen Zivilisation in die abgeschiedene Einöde, in der sämtliche soziale Regeln beim Eintritt abgegeben werden und der Kampf um den McGuffin sowie einhergehend auch Leben und Tod erst richtig beginnen kann. Die gute Stunde vorher erfolgt nur die anbahnende Präparation; der Einklang auf spätere Geschehnisse, die in einer Art narrativem Riesenslalom erst lang und breit umkreist werden, um dann mit Schwung bergab umso schneller auf das Ziel aufzustocken. Ein Prozedere, dass beim nachhaltigen Betrachten tatsächlich an einen Flash Point ohne köstlicher Prunksucht mahnt. An dessen rückwirkend kühlen Schatten der hiesige Film und besonders auch die Donnie Yen-Rolle mit seinem disziplinlosen Groll gegen das bürokratische Monster, der folglich bornierten Holzhammermethode und der schon in die Parodie rutschenden physischen Überpräsenz zeitweise so enorm wie ein Probelauf erinnert.
Derartig ursächlich, beinahe fundamental wirkt hier vor allem der Aufbau um die verschiedenen Interessen, die Anreicherung der Konflikte mit den entsprechend violenten Konfrontationen und der Verzicht auf dem Ballast von Charakterisierung und Motivation.

Sicherlich mittlerweile auch beweiskräftig nachgewiesene Theorie, dass die neueren HK Exponate wie eben der Wilson Yip als auch Benny Chans Invisible Target oder Alexi Tans Blood Brothers viel der Anknüpfung und Einstimmung auf die 80er und anfänglichen 90er zu verdanken haben und das bekannte Material aus dem Speicherkollektor nur mit wesentlich besserer Technik, aktuell heran- oder aus dem Ruhestand gezogenen Darstellern und im besten Fall auch dem aufgefrischten Wissen um Grundkonzept und Kalkül in eben reorganisierter Sanierung erzählen. In der nichts spannender als die gekonnte Wiederholung in siebengescheiter Verblendung ist.
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